Biker-Bestattung - Letzte Fahrt mit einer Kawasaki

Bestatter Martin Ney (links) bietet eine spezielle Fahrt zur Beerdigung an. Mit dabei: Azubi Nils Gregorius und Praktikantin Malou Wienstruth.
Bestatter Martin Ney (links) bietet eine spezielle Fahrt zur Beerdigung an. Mit dabei: Azubi Nils Gregorius und Praktikantin Malou Wienstruth.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit dem Bike zum Friedhof: Ein Emmericher Bestatter bietet für Motorsportfreunde eine Fahrt zur Beerdigung mit einer Kawasaki an.

Emmerich.. Als humorvoll-krudes Vorbild diente Martin Ney der US-Kultfilm „Harold und Maude“ zwar nicht. Zumindest aber ähnlich ausgefallen wie im Kinostreifen von 1971, in dem der junge Harold wegen seiner Vorliebe für Beerdigungen und täuschend echt inszenierte Selbstmorde einen Cadillac zum Leichenwagen umbaut, kommt die Idee des Emmericher Bestatters daher. Der bietet nun eine letzte pietätvolle Fahrt an. Speziell für Motorradliebhaber.

Der ehemalige Gocher Zeitsoldat, der seit 25 Jahren für Trauernde ein emotionaler Anker ist, stellt seine sechszylindrige Kawasaki Voyager für Biker-Bestattungen zur Verfügung. Hinten dran hängt mittels Anhängerkupplung eine Lafette. Auf dem fahrbaren Zuggestell, das bis zu 250 Kilogramm Gewicht packt, liegt der 70 Kilo schwere Sarg auf. Natürlich gesichert.

Die dunkelrote Kawasaki von 1982 besitzt einen Kompass als Navigationsgerät. Und ein Radio. „Es ist kein Problem ,Highway to Hell“ von AC/DC oder ,Spiel mir das Lied vom Tod’ aus dem gleichnamigen Western als letzte Geleitmusik zu nehmen“, hebt Ney hervor. Er steuert die 10 000 Euro teure Maschine bei der Fahrt zur Trauerfeier selbst. Biker-Begleitung ehemaliger Mitstreiter ist willkommen. Und auf der Kawasaki wäre auch noch Platz für einen „Beifahrer“.

Nicht legale Fahrt mit zwölf Jahren

Der Bestatter ist seit Jugendtagen ein Liebhaber von Motorrädern aller Art. Im Alter von zwölf Jahren fuhr er, nicht legal, Opas alte NSU Quickly, das erste Moped der Nachkriegszeit. „Früher war Motorradfahren deutlich preiswerter, als sich ein Auto zu kaufen.“

Die Idee zum besonderen letzten Geleit kam Ney, als er im März auf der Biker-Woche im Motorsport-Mekka Daytona weilte. Deren Nascar-Rennstrecke liegt nicht weit von der sonnig-warmen Atlantikküste Floridas entfernt. „Dort habe ich einen Kollegen mit einem ähnlichen Bestatter-Gefährt gesehen und mir gedacht: Das kriegst Du in Deutschland auch hin.“

In seiner Zweigstelle an der Bocholter Münsterstraße ist die Kawasaki nebst Anhang bereits vorgefahren. Und auch in Emmerich hat Ney schon Runden gedreht, um auf seine ungewöhnliche Idee aufmerksam zu machen.

Ausbildung zum Bestatter ist wichtig

Gestorben wird immer. Das macht den Beruf halbwegs krisensicher. Aktuell fallen im Jahr bis zu 150 Bestattungen für Ney, Kollegin Antje Bremer sowie Mitarbeiter an. Der Chef hat zwei Auszubildende und eine Praktikantin unter seinen Fittichen. Seit 2007 ist die Bestatter-Ausbildung anerkannt. „Und das ist enorm wichtig“, sagt Ney, „schließlich geht es hier nicht um einen x-beliebigen Job, sondern auch um ein Stück Berufung.“

Azubi Nils Gregorius bestätigt das: „Professionalität ist wichtig, dazu Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen im Umgang mit Trauernden.“ Martin Ney fügt an: „Der Ablauf im Sinne der Trauernden muss zu hundert Prozent klappen. Eine Bestattung kann man schließlich nicht wiederholen.“

Neys Kawasaki Voyager, das Bestatter-Bike also, wird natürlich nicht nur für dunkle Stunden eingesetzt. Sondern auch in der Freizeit. Für das kommende Jahr ist eine Sommerferien-Tour an das Nordkap geplant. Via Finnland auf dem Hinweg sowie Norwegen und Schweden als Rückfahrt. „Ich würde auch da hoch fahren, wenn jemand eine Bestattung am Nordkap haben will.“ Was alles, wie meist im irdischen Leben, lediglich eine Frage der Bezahlung sein dürfte.

Alle Interessierten können sich auf der Internet-Plattform Facebook unter dem Stichwort „Bestattungen Ney“ nach einer Biker-Bestattung erkundigen. Dazu ist das Bestattungshaus in Emmerich an der Dederichstraße 18 zu finden. Rat und Hilfe im Trauerfall gibt es hier unter Telefon 02822/537746.