Betuwe-Erörterungstermin für Praest und Vrasselt steht an

So könnte die neue Unterführung aussehen, die östlich der heutigen Broichstraße und des Friedhofs entstehen soll.
So könnte die neue Unterführung aussehen, die östlich der heutigen Broichstraße und des Friedhofs entstehen soll.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Im nicht-öffentlichen Erörterungstermin tauschen Bahn und Einwender für Praest und Vrasselt letztmals Argumente aus.

Praest/Vrasselt..  Theoretisch könnte der Kapaunenberg am Mittwoch, 4. März, aus den Nähten platzen. Theoretisch. Denn zum per Gesetz nicht-öffentlichen Erörterungstermin zum Planfeststellungsabschnitt 3.3 Praest/Vrasselt sind alle 650 Einwender dieses Bereiches eingeladen. „Da kommen längst nicht alle hin“, weiß Stefan Ventzke, Projektleiter der Deutschen Bahn, aus vorherigen Terminen: „Ein Erscheinen ist auch nicht notwendig, um die Einwendungen geltend zu machen.“

Schriftlich hat die Bahn bereits zu allen Einwendungen Stellung genommen. Im Erörterungstermin haben die Einwender die Möglichkeit, ihre Argumente zu präzisieren. Neue Einwendungen sind nicht mehr möglich. Die Erörterungen dienen der Bezirksregierung Düsseldorf als Basis für ihre abschließende Stellungnahme an das Eisenbahnbundesamt (EBA). Dieses wird final den Planfeststellungsbeschluss fassen. Ab dann gilt die Klagefrist von einem Monat.

Anpassungen im geringen Maße

Dass die Einwendungen das vorgestellte Konzept auf den Kopf stellen, damit ist nicht zu rechnen. „Es wird Anpassungen im geringeren Maße geben. Man kann es nicht jedem Recht machen“, sagt Ventzke. Wobei die Betonung auf „Recht“ liegt: „Auch wir sind an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden. Die Einflussmöglichkeiten sind nicht wahnsinnig groß“, sagt Bahnsprecherin Kirsten Verbeek. Hier nochmal alle Maßnahmen:
Bahnüberführung (BÜ; bedeutet Bahnübergang) Kerstenstraße: Wird geschlossen. Stattdessen entsteht an der Baumannstraße eine Brücke für den Straßenverkehr. Inklusive eines entsprechenden Ausbaus der Nebenstraßen zur Anbindung. Hier ist mit Baumaßnahmen schon im Frühjahr 2015 zu rechnen.
BÜ Sulenstraße: Der Bahnübergang wird zurückgebaut und es entsteht eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer. Westlich wird der neue Bahnhaltepunkt gebaut mit beidseitigen Bahnsteigen.
BÜ Raiffeisenstraße: ersatzlos gestrichen.
Praestsches Feld: Hier entsteht eine Unterführung für den Verkehr, inklusive Ausbau der Straßen.
BÜ von-der-Recke-Straße: Die Bahn will den Übergang schließen, die Stadt Emmerich fordert eine zusätzliche Pkw-Unterführung. „Die Verhandlungen laufen“, sagt Ventzke.
BÜ Grüne Straße: ersatzlos gestrichen.
BÜ Broichstraße: Wird geschlossen. Eine neue Unterführung für den Verkehr entsteht unweit, nämlich östlich vom Friedhof; inklusive Ausbau der Nebenstraßen.
BÜ Schwarzer Weg: ersatzlos gestrichen.

An diesem 4,5 Kilometer langem Bereich gibt es 260 Wohneinheiten. Es werden Schallschutzwände von zwei bis vier Metern Höhe auf acht Kilometern (weil zwei Seiten) entstehen. Die Lärmschutzwände sorgen für eine Verminderung des Lärmpegels um acht bis zehn Dezibel: „Das führt zur einer Halbierung der Lärmwahrnehmung“, prognostiziert Verbeek. Diejenigen, die ganz nah an der Bahn wohnen, bekommen zusätzliche passiven Lärmschutz am Haus.

Der Erschütterungsschutz: Es werden an den drei Bahntrassen auf neun Kilometern besohlte Schwellen untergebaut. Auf 475 Metern zudem Unterschottermatten. Der Effekt lasse sich nicht so schön berechnen wie beim Lärm, so Ventzke. Fakt sei: „Die Erschütterung darf sich nicht erhöhen. Ansonsten besteht Anspruch auf Entschädigung.“

Die Umrüstung der Güterzüge der DB auf „leise Sohlen“ bis 2020 ist beschlossene Sache. „Das macht richtig viel aus“, sagt Kirsten Verbeek. Private Güterunternehmen zahlen lärmabhängige Trassennutzungspreise, was eine Investition in die Umrüstung begünstigt.

Auf der Güterstrecke Rotterdam bis Genua gibt’s eine Besonderheit: Ab 2018 sind die „leisen Sohlen“ in der Schweiz Pflicht, so Verbeek. Davon profitieren auch Niederrheiner.