Betriebskindergarten notwendig?

Braucht Emmerich einen Betriebskindergarten?
Braucht Emmerich einen Betriebskindergarten?
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Was wir bereits wissen
Dieser Frage geht das Lokale Bündnis für Familie derzeit nach. Deshalb wurden Arbeitgeber aus Emmerich zum Gedankenaustausch in die Societät geladen

Emmerich..  Braucht Emmerich einen Betriebskindergarten? Dieser Frage geht das Lokale Bündnis für Familie derzeit nach und lud Arbeitgeber aus Emmerich ein, um einen ersten Impuls zu dieser Fragestellung zu geben. In der Societät wurden die Grundideen ausgetauscht.

„Man muss vielleicht ganz neu anfangen zu denken“, sagte Kirsten Lommen vom Bündnis. Das Thema flexible Betreuung werde auch vor dem Hintergrund des zu erwartenden Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung gewinnen, ergänzte Bürgermeister Johannes Diks, Schirmherr des Bündnis’: „Wir meinen damit nicht den klassischen Betriebskindergarten.“ Es soll die Art von Betreuung angeboten werden, die den vielen Schichtarbeitern in Emmerich helfen könnte. So ist es denkbar, auch Grundschulkinder nach der Schule zu betreuen, Rand- und Ferienzeiten oder Wochenende abzudecken. Selbst Mitarbeiter, die in anderen Kommunen wohnen, könnten dieses neue Angebot in Emmerich nutzen. Dieser Bedarf soll abgefragt werden.

U3-Quote abdeckt

Denkbar wäre, so Diks, dass sich die Firmen sozusagen einkaufen; je nach Bedarf zwei, drei oder auch sechs, sieben Plätze. Wobei die Finanzierung in der Societät bewusst noch kein Thema war.

Hintergrund ist, dass die Firma Evergreen, die den Gesundheitspark auf dem Kasernen-Areal aufbauen möchte, auch einen Platzhalter für einen Betriebskindergarten mit vier Gruppen frei hält. Das Unternehmen hat in anderen deutschen Städten Ähnliches realisiert. Signalisiert die Emmericher Unternehmerschaft Interesse, würde Evergreen das Projekt angehen.

Die Stadt Emmerich ist insgesamt bei den Kindergärten gut aufgestellt. Die U3-Quote ist abgedeckt. Aus Sicht der Stadt könnte der Betriebskindergarten aber auch helfen, einige der 230 alleinerziehende Mütter, die Hartz IV beziehen, wieder in Arbeit bringen zu können.

Kindergarten flexibler gestalten

Die Firma Evergreen meldete auch gleich mal eine Art Eigenbedarf an. 120 Arbeitsplätze würden an der Kaserne entstehen: „Sobald die Mitarbeiter da sind, bräuchten wir wahrscheinlich schon den Betriebskindergarten“, sagte Hans Beekmann von der Mona GmbH, die das Areal entwickelt. Und das könnte schon Ende 2016 sein. Und was sagten die anwesenden Vertreter aus der Wirtschaft?

Stadtwerke-Chef Udo Jessner: „Bei uns gibt es im Moment keinen Bedarf. Ich könnte mir aber vorstellen, einen bestehenden Kindergarten flexibler zu gestalten. Das halte ich für wirtschaftlicher.“

Sylvia Guth-Winterink, Pflegedienstleiterin des Willibrord-Spitals: „Wir müssten den Bedarf für Emmerich abfragen, aber es ist gut möglich, dass es ihn gibt.“ Im Marienhospital in Wesel, das auch zur Krankenhaus-Holding Pro Homine gehört, habe man eine Großtagespflegeeinrichtung mit neun Plätzen eingerichtet, die besonders die U3-Betreuung in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz übernimmt. „Das kostet uns im Jahr 100 000 Euro. Das ist es uns wert.“

Bedarf nicht leicht zu ermitteln

Hermann Terhorst, kaufmännischer Leiter Deutsche Giessdraht: „Der Bedarf wäre bei uns nicht leicht zu ermitteln. Da müssten wir eine Mitarbeiterbefragung durchführen.“

Jens Niermann, Geschäftsführer Johnson Matthey: „In den Grundschulen gibt es kaum feste Endzeiten. Dort haben Familien größere Probleme als im U6-Bereich.“

Heinz Lukkezen, Zentralrendantur Kalkar, die auch für die katholischen Kindergärten in Emmerich zuständig ist: „Wir haben 18 Gruppen in Emmerich. 615 von knapp 900 Kindergartenkindern. Wir könnten uns durchaus vorstellen, dass eine Einrichtung längere Öffnungszeiten anbietet. Ich glaube auch, wir brauchen keinen neuen Kindergarten. Da sind noch Kapazitäten.“

Eher Tagesmütter gefragt

Wim Abbing, Geschäftsführer Probat-Werke: „Wir brauchen keinen klassischen Kindergarten. Es geht um Rand- und Ferienzeiten für uns. Da wäre vielleicht eher eine Gruppe Tagesmütter gefragt als feste Kindergartenplätze.“ Die Firma Probat hat bereits eine interne Befragung zur Familienfreundlichkeit durchgeführt.

Gregor Reinen, Vorstandsmitglied Sparkasse Emmerich-Rees: „Grundsätzlich ist das Thema interessant. Eine Mitarbeiterbefragung ist möglich. Allerdings haben wir sehr geregelte Arbeitszeiten zwischen 8 und 18 Uhr. Außerdem bieten wir flexible Teilzeitmodelle für die Mitarbeiter. Ein fehlender Kindergartenplatz war für unsere Mitarbeiter bisher kein Hindernis, um zu arbeiten.“