Beschwerde gegen Emmericher Wochenendarzt

Die Ärzteschaft, aber auch die Patienten haben es gerade an den Wochenende nicht leicht – wenn Not und nur ein „Doc“ im Dienst ist.
Die Ärzteschaft, aber auch die Patienten haben es gerade an den Wochenende nicht leicht – wenn Not und nur ein „Doc“ im Dienst ist.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Unternehmer Tom Sluyter will, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung mit dem Vorfall befasst. Mediziner soll am Telefon offenbar gedroht haben.

Emmerich..  Das Thema Notärztlicher Dienst vom vergangenen Samstag scheint eines zu sein, das zahlreiche Leser beschäftigt. Wie die NRZ berichtete, hatte der Emmericher Unternehmer Tom Sluyter eine Kundin an einem Freitagnachmittag schwer erkrankt in ihrer Wohnung vorgefunden – und dann alle Mühe, den notärztlichen Dienst zu aktivieren. Also jenen für Emmerich am betreffenden Wochenende zuständigen Mediziner.

Und eben über diesen will sich Sluyter bei der Kassenärztlichen Vereinigung schriftlich beschweren. „Damit sich an dieser Stelle etwas tut. Ich bin sicher nicht der einzige, der mit dem Mann schon mal Theater hatte“, so Sluyter.

„Das Telefonat hat mich wirklich auf die Palme gebracht“, erklärte Sluyter weiter. Dazu kündigte der Unternehmer an: „Ich werde den Fall der Kassenärztlichen Vereinigung schildern und mich über den Arzt auch schriftlich beschweren. Nur so kann man eine gewisse Aufmerksamkeit erzeugen. Die ist notwendig, sonst wird ein solches Ärgernis auch andere Menschen treffen, die am Wochenende plötzlich gesundheitlich in Not geraten und schnelle Hilfe brauchen.“

Was offenbar längst der Fall ist, blickt man beispielsweise auf diverse Emmericher Internetforen. Allein auf der NRZ-Facebook-Seite gab es am Wochenende rund 4000 Interessierte für den geschilderten Fall – nebst diverser Kommentare.

Ob ein Brief an die Beschwerdestelle in Goch allerdings Ergebnisse zutage fördert, ist nur schwer zu beantworten. „Zwei bis drei Beschwerden pro Woche landen auf meinem Tisch“, hob Dr. Hans-Jürgen Doerwald, der Eltener Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Kreises Kleve, gegenüber der NRZ hervor. „Wir versuchen, allen kritisierten Dingen der Patienten gewissenhaft nachzugehen. Läge in einem Fall eine Pflichtverletzung des Arztes vor, müsste das zur Sprache gebracht werden.“

Gleichfalls warnt Dr. Doerwald allerdings davor, dass am Telefon schon mal die Emotionen hochkochen können. Und: „Von Elten bis Praest ist am Wochenende in der Regel nur ein Kollege im Einsatz. Der kann natürlich nicht überall sein und muss seine möglichen Fahrten auch genau überlegen.“

Wie berichtet, wollte der von den Emmericher Kassenärzten für das betreffende Wochenende „eingekaufte“ Kollege sich zunächst, so die Aussage von Unternehmer Sluyter, nicht die schwer erkrankte Kundin vor Ort ansehen. Obwohl diese sich kaum auf den Beinen halten konnte, nach eigener Aussage tagelang nicht einkaufen war und einen reichlich verwirrten Eindruck hinterließ. Mittlerweile liegt die ältere Dame im Krankenhaus.

Der zuständige Arzt soll im Telefonat gegenüber Sluyter, der eigentlich nur eine schnelle Hilfe für seine Kundin gewährleisten wollte, im Rahmen einer „langen ärgerlichen Diskussion“ sogar mit dem „Amtsgericht“ gedroht haben. Für den Fall, dass sich die ärztliche Fahrt zur Wohnung der Erkrankten und daraus ergebener Kosten (für den Steuerzahler) als überflüssig herausstellen sollten.