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Bahnlinie: Praester, passt auf!

16.01.2012 | 16:43 Uhr
Bahnlinie: Praester, passt auf!
Ulrich Mölder appelliert an alle Praester, Widersprüche für ihre Immobilien einzureichen. Foto: Dirk Schuster

Praest.   Ulrich Mölder glaubt, dass den wenigsten im Dorf klar sei, welche Folgen die Betuwe für ihr Hab und Gut haben kann.

Ulrich Mölder macht sich Sorgen. Um Praest. Um seine Mitbürger im Dorf. Auch um sein Hab und Gut. Es geht um die Betuwe: „Ich glaube nicht, dass zehn Prozent der Praester wissen, wie der Schallschutz aussehen wird“, sagt der 47-Jährige und verweist auf die vier Meter hohen Wände beidseits der Bahn, die den Ort langfristig womöglich trennen würden. „In Berlin reißen sie die Mauern ab, hier bauen sie sie wieder auf!“, sagt der Praester überspitzt. Damit verbunden sei vielen gar nicht bewusst, dass ihre Häuser und Grundstücke (also auch ihre Altersvorsorge) sich deutlich im Wert verminderten.

Notfalls bis zum EU-Gerichtshof gehen

Deshalb appelliert er an die Bürger, nicht alles gutgläubig auf sich zukommen zu lassen. Demnächst werde das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Praest eröffnet. Ab dann haben die Bürger bekanntlich sechs Wochen Zeit, Einsprüche einzureichen. „Es ist wichtig, dass jeder Bürger seinen persönlichen Widerspruch für seine Immobilie stellt“, so Mölder. Auch um seine Ansprüche später noch geltend zu machen. Außerdem werde die IG BISS Unterschriften sammeln, um den Protest gegen die Bahnpläne auszudrucken.

Den Bahn-Plänen mit den hohen Lärmschutzwänden (die NRZ berichtete) kann Ulrich Mölder nichts abgewinnen. In Lobith habe er gesehen, wie die Niederländer ihre Züge in Troglage praktisch unter dem Bodenniveau fahren lassen. „Das steht uns auch zu, das ist eine EU-Strecke. Notfalls gehen wir bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte“, wettert Mölder. Oder es müsse eben doch eine siedlungsferne Trasse her. In punkto Sicherheit ist sich der Familienvater sicher: „Die wird bei der Deutschen Bahn ganz klein geschrieben.“ Lediglich der Wegfall jeglicher Bahnschranken im Dorf sei von Vorteil.

Mölder selbst wird die Betuwe nicht ganz so hart treffen. Er wohnt mit seiner Frau und den beiden Söhnen etwa 100 Meter von den Gleisen entfernt an der Sulen­straße. Die Geräuschbelastung halte sich in Grenzen. Bleibt abzuwarten, wie sich die Erschütterungen durch die schweren Güterzüge auf die Hausmauern auswirken. Und: Er will das Haus, in dem auch schon seine Eltern und Großeltern lebten, eigentlich nicht mehr verlassen. „Ich habe viel Zeit und Geld in die Kernsanierung investiert“, sagt der Servicetechniker. Ist es einmal abbezahlt, hat er die „Miete“ vom Hals. Aber der 47-Jährige denkt an die, die ihr Haus mal verkaufen müssen oder einfach nur umziehen wollen. „Die kriegen doch nichts mehr dafür.“

Mölder wundert sich, dass die Stadt überhaupt noch Baugrundstücke in Nähe der Bahntrasse verkaufe. Er ist der Meinung, die Stadt müsste die Käufer mehr informieren, auf was sie sich da einließen.

Die plötzliche Eile bei der Deutschen Bahn glaubt Mölder auch schon durchschaut zu haben. „2016 fällt der Schienenbonus. Danach ist nur noch modernster Schallschutz erlaubt. Das kostet natürlich deutlich mehr“, sagt der Praester.

Marco Virgillito

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