Ausbildungswerkstatt in Emmerich steht vor dem Aus

Die Kolping-Bildungswerkstatt steht vor dem Aus. Vielleicht bleibt das Karl-Kaster-Haus als Werkstatt erhalten.
Die Kolping-Bildungswerkstatt steht vor dem Aus. Vielleicht bleibt das Karl-Kaster-Haus als Werkstatt erhalten.
Foto: WAZ FotoPool
Heute entscheidet der Verein Kolping-Bildungswerk über die Zukunft. Auch Theodor-Brauer-Haus von Streichungen der Agentur für Arbeit betroffen.

Emmerich/Rees..  Die 15 Mitglieder des Vereins Kolping-Bildungswerk werden heute in einer nicht-öffentlichen Sitzung wohl eine schmerzhafte Entscheidung fällen müssen: Zum 1. September wird wahrscheinlich die Ausbildungswerkstatt im Karl-Kaster-Haus geschlossen, in der bisher benachteiligte Jugendliche ausgebildet werden.

Der Verein unter dem Vorsitz von Dieter Hannemann – Stellvertreter Hans Janssen, Geschäftsführer Horst Boch – ist unabhängig von der Emmericher Kolpingsfamilie zu sehen. Die Verbindung, so Hannemann, sei lediglich, dass Kolping-Vorsitzender Ludger Geerling im Vorstand des Bildungswerks vertreten ist. „Ansonsten muss der Verein wirtschaftlich selbst klar kommen“, sagt Hannemann. Genau das ist künftig nicht mehr möglich. Die Agentur für Arbeit hat Fördermittel gestrichen.

„Schon 2013 standen Kürzungen an. Damals konnten der Landrat sowie die Bürgermeister von Emmerich und Rees erfolgreich intervenieren. Diesmal hat’s nicht geklappt“, verrät Hannemann. Das führt dazu, dass wir unsere zwei Meister und den Sozialpädagogen, den wir zur Hälfte bezahlen, nicht mehr finanzieren können.“

Mitarbeiter nicht mehr finanzierbar

Auch das Job-Center des Kreises Kleve muss seine geförderten Stellen künftig ausschreiben, weshalb Kürzungen anstehen. Da konnte der Landrat die Streichungen wohl noch etwas abmildern. Dennoch reicht es fürs Kolping-Bildungswerk vorn und hinten nicht mehr. Es würden lediglich Azubis vom Jobcenter für ein bis eineinhalb Tage im Karl-Kaster-Haus aufschlagen. „Langfristig“, so Hannemann, „denke die Agentur für Arbeit darüber nach, die Unternehmen direkt zu fördern.“ Aktuell werden vier Lehrlinge im Karl-Kaster-Haus ausgebildet, und es werden zwei betreut, die in Unternehmen untergebracht sind. Sie sollen genauso woanders untergebracht werden, wie die beiden Meister. „Wir wollen ihnen dabei helfen“, so Hannemann.

Ferner werde versucht, das Karl-Kaster-Haus zu erhalten. Aber nicht aus eigenen Mitteln. Der 2013 verstorbene Karl Kaster hatte die Lehrwerkstatt am Groendahlscher Weg 1984 eröffnet. Seit den 60er-Jahren hatte er schon benachteiligte Jugendliche unterstützt.

Auch das Theodor-Brauer-Haus, mit dem die Kolping-Bildungswerkstatt kooperiert, ist von den Kürzungen betroffen. „Es wird von der Arbeitsagentur keine eigenständige Angebote mehr für Emmerich und Rees geben“, sagt Geschäftsführer Bernd Pastoors. „Wir müssen unser Angebot verändern und bemühen uns um andere Aufträge.“ Das Job-Center schreibt sogenannte „Tafel- und Kreide-Maßnahmen“ aus. Menschen, die schon länger Leistungen des Jobcenters beziehen, sollen für die Eigenvermittlung aktiviert werden, was weniger ein Werkstattangebot sei. Deshalb wird das TBH an der Kurfürstenstraße sich auch räumlich verkleinern. Das Lager an der Dederichstraße wird aufgegeben. Pastoors: „So wie es aussieht, kommen wir wohl mit einem blauen Auge davon.“

Die Agentur für Arbeit erklärt der NRZ ihre Maßnahmen mit einem geringeren Bedarf. „Unter den für den Kreis Kleve angebotenen Maßnahmen waren bislang auch 35 Plätze in Emmerich vorgesehen, die über das Jahr hinweg jedoch nie voll ausgelastet waren. Im Durchschnitt waren lediglich 28 bis 29 dieser Plätze mit Teilnehmern aus Emmerich, Rees und Kleve besetzt. Für das neue Jahr gehen die Schulentlasszahlen an den Reeser und Emmericher Haupt- und Realschulen weiter zurück. Daher wird der Bedarf in der Region Emmerich im kommenden Jahr noch geringer sein“, antwortet die Agentur der NRZ schriftlich.

Der Bedarf sei maßgeblich für die Größe der Fördermaßnahmen. „Um für die Reeser und Emmericher Jugendlichen trotz der sinkenden Nachfrage ein möglichst großes Angebot gewährleisten zu können, hat sich die Arbeitsagentur in Wesel dazu entschlossen, die in dieser Region als Bedarf ermittelten Plätze örtlich nach Kleve und Wesel zu verlagern, wobei für Jugendliche aus Rees die Maßnahmen in Wesel angeboten werden. Hier können aufgrund der dann vorhandenen Maßnahmekapazitäten in Kleve acht und in Wesel sieben statt der bisher drei Berufsfelder angeboten werden.“

Verlagerung statt Kürzung

Es handele sich daher nicht um eine Streichung von Plätzen, sondern um eine örtliche Verlagerung, um der sich veränderten Nachfragesituation gerecht zu werden und gleichzeitig den Jugendlichen ein möglichst großes Berufsspektrum zu gewährleisten.