Aufgedeckt: Rees hatte zwei Hafenbecken

Die blau markierten Flächen zeigen, wo sich früher in Rees Hafenbecken befanden.
Die blau markierten Flächen zeigen, wo sich früher in Rees Hafenbecken befanden.
Foto: Stadtarchiv Rees
Was wir bereits wissen
Vortrag im Kolpinghaus: Klaus Kuhlen und Hermann Venhofen haben in der Geschichte des Hafens geforscht. Und Unbekanntes entdeckt.

Rees..  Ein Jahr lang haben Klaus Kuhlen und Hermann Venhofen vom Reeser Geschichtsverein (Ressa) Aktenordner gewälzt, Dokumente gesichtet, Handschriften entziffert. Es war eine mühsame Archivarbeit, doch sie haben etwas herausgefunden, was kaum ein Reeser gewusst hat. Es gibt viel mehr über den Reeser Hafen zu entdecken, als man auf den ersten Blick vermutet.

„Ich werde mit Sicherheit nicht alle Ihre Fragen beantworten können“, betonte Kuhlen im Vorfeld seines Vortrags im Kolpinghaus. „Aber mit Sicherheit werde ich Ihnen etwas erzählen, was Sie noch nicht wussten“, lautete sein Versprechen, das besonders auf die Tatsache abzielte, dass das, was der Reeser Bürger im Allgemeinen unter dem „Alten Hafen“ versteht, längst nicht der ursprünglichste und einzige Ort für ein Hafenbecken der Stadt Rees gewesen ist.

Aus einer Urkunde vom 21. Februar 1684 geht hervor, dass die Stadt Rees den Wunsch hegte, einen eigenen Hafen zu bauen. Ein teures Projekt, wie Kuhlen den knapp 20 Geschichtsliebhabern versicherte. Dieser Hafen befand sich direkt an der Stadtmauer im Westen der Stadt, zwischen der Schleuse am Bär und dem Hafendeich. Nicht jedoch am Altrhein, wie viele Reeser vermuten würden. „Leider verschweigen die alten Stadtpläne den Hafen“, erläuterte Kuhlen. „Es gibt höchstens Andeutungen.“ Und doch sind er und Venhofen im Stadtarchiv auf eine Karte mit besonderer Bedeutung gestoßen. „Ich sehe Hermanns strahlendes Gesicht“, erinnerte sich Kuhlen rückblickend. Und tatsächlich haben sie eine Karte von 1739 gefunden, in der der „Reesische Hafen“ eingezeichnet war. Doch in den Unterlagen über Reparaturkosten fanden sich widersprüchliche Angaben zur Größe des Reeser Hafens. „Da stimmte was nicht“, vermutete Kuhlen. Und tatsächlich haben sie Hinweise auf ein zweites Hafenbecken im Osten der Stadt, hinter dem Rheintor entdeckt. Gut 95 Meter lang und zwischen 15 und 20 Meter breit muss es gewesen sein.

Aber auch zu dem Hafenbecken an der Rheinmauer ließen sich noch weitere Entwicklungen aufzeigen. Da es wohl zu klein geworden war, haben die Verantwortlichen im 18. Jahrhundert über eine Vergrößerung nachgedacht. Und tatsächlich lässt sich dies noch heute an Hand von Bildern nachvollziehen. „Sie haben einen Deich durch den Altrhein gebaut und so ein neues Hafenbecken erschaffen“, erläuterte Kuhlen. Das überschüssige Wasser habe man mit einem Kanal abgeführt, der ebenfalls noch heute zu sehen ist. Leider lassen Ende des 18. Jahrhunderts die Quellenangaben nach. „Bis 1796 muss der Hafen noch eine Anbindung zum Rhein gehabt haben“, erläuterte Kuhlen, doch ab 1874 war diese Verbindung schon versiegt. Heute ist das Gebiet ganz ausgetrocknet.

Über den genauen Zweck des Reeser Hafens lässt sich nur spekulieren. „Wahrscheinlich wird er ein reiner Schutzhafen gewesen sein“, so Kuhlen. Ein Ort, den Schiffe bei Hochwasser ansteuern konnten. Hafengeld wurde jedoch trotzdem eingefordert. Immerhin war es eine Möglichkeit, die gut 70000 Reichstaler Schulden abzutragen, die dieses Unterfangen die Stadt gekostet hat. „Schulden hatte Rees schon immer“, lautete ein Fazit dieses Vortrags.