Auf dem Holzweg

Emmerich/Rees..  Wo bleibt nur der einzige Zeuge der Verhandlung? Richterin Dr. Christiane Schmitz bimmelte gestern Vormittag beim Wilhelm H. an, nachdem der im großen Saal des Emmericher Amtsgerichtes eine Viertelstunde säumig war. Dabei hatte Wilhelm H. die Strafanzeige gegen André K. aus Rees in die Wege geleitet. Dafür aber seine Vorladung nebst Termin verschusselt, wie das Telefonat mit Richterin Schmitz ergab.

Den Verhandlungstermin an der Seufzerallee hätte man sich schenken können. 31 der 35 vermeintlich gestohlenen Kanthölzer, die zwischen dem 3. und 8. Oktober 2014 „abhanden“ gekommen waren, hatte der Angeklagte bei Wilhelm H. schon wieder abgeliefert. Die restlichen vier durfte er behalten. Zwei hatte André K. zu jeweils zehn Euro verkauft, um sein monatliches Sozialhilfegeld etwas aufzubessern.

„Der angebliche Klau war ein Missverständnis. Es war abgesprochen, dass ich Altholz von einem bestimmten Stapel auf dem Gelände der Firma mitnehmen durfte. Nur war da am nächsten Tag noch anderes Holz dazugelegt worden. Da hätte ich vielleicht noch mal nachfragen sollen“, erklärte der Angeklagte.

Durchaus kleinlaut. Die verbale Defensivhaltung war berechtigt. Vier Eintragungen im Strafregister zauberte die Staatsanwalt ans Licht. „Deshalb sind wir hier, sonst hätten wir das Missverständnis als solches behandeln können“, erklärte der Staatsanwalt beim Blick auf Diebstahl, Hehlerei und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. 185 Sozialstunden muss André K. aktuell noch ableisten, „dann suche ich mir einen richtigen Job“.

Dass er dem regelmäßigen Drogenkonsum abschwören solle, gab ihm der Staatsanwalt mit auf den Weg. Richterin Schmitz betonte: „Halten Sie künftig Mein und Dein auseinander!“ Das Verfahren wurde eingestellt.