Aspel – wer war die Stifterin der Burg?

Aspel entstand als Wehranlage und durchlebte eine wechselvolle Geschichte.
Aspel entstand als Wehranlage und durchlebte eine wechselvolle Geschichte.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die NRZ besuchte Heimatforscher Heinz Belting. Offensichtlich hat Irmtrud ihren Besitz in Aspel, Rees und Haldern dem Erzbistum Köln vermacht und nicht, wie viele glauben, ihre Schwester Irmgard von Aspel.

Aspel..  Welche Schwester war es denn nun, die die Burg und die Grafschaft Aspel um 1075 dem Erzbischof von Köln vermachte? War es, wie man landläufig glaubt, Irmgard von Aspel, die deshalb heilig gesprochen wurde, oder doch ihre Schwester Irmtrud? Um diese Frage klären zu können, hat die NRZ Heimatforscher Heinz Belting aufgesucht und ist mit ihm in die Geschichte der Burg Aspel und der Stadt Rees eingetaucht.

Gottfried vom Hattuariergau

So viel steht fest: Um 950 entsteht die Wehranlage Aspel. Erbaut hat sie der Edelmann Richizo, Neffe des Erzbischofs von Köln. Die Ländereien, auf dem er das herrschaftlichen Gemäuer errichten lässt, hat er von seinem Vater Gottfried vom Hattuariergau geerbt. Nach Richizos Tod geht der Besitz an seinen Sohn, den Grafen Godizo und Vater von Irmgard und Irmtrud, über.

Irmgard ist die ältere der beiden Schwestern. Die Recherchen der Töchter vom heiligen Kreuz, von denen auch heute noch einige in Haus Aspel ihren Lebensabend verbringen, datieren deren Geburtsjahr auf 1002. „Wann Irmtrud das Licht der Welt erblickt, ist nirgendwo vermerkt“, bedauert Belting. Auch nicht, wie die Mutter von Irmgard und Irmtrud hieß, der nach Godizos Tod um 1011 die Ländereien und Gebäude zufallen. Als auch Godizos Witwe 1022 stirbt, werden deren Töchter die Besitzer von Aspel. „Irmgard als die ältere wird die Haupterbin gewesen sein, hatte zumindest das Sagen“, so Belting. Was dafür spräche, dass es tatsächlich sie war, die das Erbe später der Erzdiözese stiftet. Wie bekannt gibt es ein Fresko im Kölner Dom, das zeigt, wie Irmgard (von Zutphen, hier heißt sie so, weil ihre Vorfahren aus Zutphen stammen) die Burg dem Kölner Erzbischof übergibt, der damit nun geistlich als Bischof und rechtlich als Lehnsherr in Aspel das Sagen hat. Aber: Auf der anderen Seite gibt es ein schriftliches Dokument eines Kölner Fürstbischofs, das Irmtrud als Schenkerin ausweist. „Vollzogen wird die Schenkung um 1075“, weiß Heinz Belting. Den Quellen nach ist Irmgard da aber schon tot. Sie soll vor 1064 gestorben sein. Einer anderen Quelle nach geht sie als Eremitin nach Süchteln und lebt noch sehr lange, unternimmt sogar drei beschwerliche Pilgerreisen nach Rom.

Was stimmt nun? Heinz Belting findet die Forschungen, die sein Kollege Gerd Stevens aus Mehrhoog zu diesem Thema gemacht hat, sehr plausibel. Demnach stirbt Irmgard von Aspel, die zwischen 1020 und 1030 den Grafen Kadelo geheiratet und deren Ehe kinderlos geblieben ist, tatsächlich um 1064. Und es ist Irmtrud, die ihren Besitz in Aspel, Rees und Haldern dem Erzbistum Köln vermacht.

Es gibt aber noch eine weitere Irmgard, so heißt nämlich eine der beiden Töchter von Irmtrud von Aspel. „Die Irmgard zwei, so vermutet Stevens, ist die Eremitin Irmgard von Süchteln“, erklärt Belting. Auch Irmgard von Süchteln gilt als großherzige Stifterin – eines Krankenhauses in der Stadt Köln. Tatsache ist: Irmgard von Aspel wird oft mit Irmgard von Süchteln, ihrer Nichte, verwechselt.

Was die Romreisen betrifft, so sind diese laut Stevens wohl von Irmgard von Süchteln gemacht worden. „Für Irmgard von Aspel wären sie aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters auch schon zu beschwerlich gewesen“, sagt Belting. Der Reeser Uhrmachermeister kennt auch die Legenden, die sich um diese Romreisen ranken. Demnach sollen alle Glocken der Stadt von selbst geläutert haben, als Irmgard den Piazza del Popolo betreten hat. Der Papst soll einen Kundschafter ausgesandt und sich schließlich selbst auf den Weg gemacht haben, um dieses Miraculum zu klären . . .