Arbeitsstunden für Tagträumer

Emmerich/Rees..  Amtsgerichtsrichterin Christiane Schmitz brauchte gestern Vormittag die eisernen Nerven. Die arbeitslosen Mike V. (24) aus Rees und Manuel V. (23) aus Wesel, die wegen Verwüstung einer Reeser Lebenshilfe-Wohnung am 20. Juni 2014 zu jeweils 80 Arbeitsstunden verurteilt wurden, vermittelten den Eindruck, in der pubertierenden Lebenszone stecken geblieben zu sein. Auf die berechtigte Frage der Richterin Schmitz, wie man den Schaden der Lebenshilfe, immerhin 770,60 Euro, denn nun begleichen könne, kam diese verblüffende Antwort: „Weiß ich auch nicht!“

Der Staatsanwalt hatte die von der Sozialhilfe lebenden Tagträumer zügig durchschaut. Und das lag nicht nur daran, dass Manuel V. zunächst ohne gültiges Bahnticket unterwegs war und in Mehrhoog vom Kontrolleur aus dem Zug geholt wurde. Der Verhandlungsstart in Emmerich verzögerte sich so um 40 Minuten.

Die Angeklagten hatten vor sieben Monaten die Wohnung ihres Bekannten Tobias S. auf links gedreht. „Es gab einen kleinen Zwischenfall und auch Beleidigungen. Das ist eine lange Geschichte“, erklärte Manuel V. beim Studium der Polizei-Schadenfotos an der richterlichen Theke. Eigentlich hatte das Duo die Aussage zum Vorfall verweigern wollen, kippte aber dann um.

Als der Bekannte seine Wohnung am Tatzeittag verlassen hatte, sann Manuel V. auf Rache, „weil ich sauer war“. Kollege Mike V. kam hinzu und half mit. Beide zündeten die Bettwäsche an, demolierten die Gegensprechanlage, verschmierten die Wände mit Worten und Sätzen jenseits der Gürtellinie, schlugen dazu ein doppelverglastes Küchenfenster ein. „Offenbar mit Wucht“, wie der Staatsanwalt feststellte.

Große Reue zeigten die Angeklagten wenig. Manuel V. hatte sich bei Tobias S. immerhin entschuldigt, Mike V. nicht. Begründung? „Ich hatte seine Telefonnummer nicht!“