Arbeitskreis Heckenschutz spricht von einem „Massaker“

Bis zu 110 Pappeln am Holländerdeich in Rees-Millingen wurden gefällt.
Bis zu 110 Pappeln am Holländerdeich in Rees-Millingen wurden gefällt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auch Jürgen Kruse vom Arbeitskreis Heckenschutz kritisiert die Pappel-Fällungen in Rees und Emmerich. In Klein-Netterden hat er ein kleines „Massaker“ ausgemacht.

Klein-Netterden..  Jürgen Kruse nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es der Natur ans Holz geht. In diesem Falle an jenes der Pappel. Oder der gemeinen Hecke. „Die sogenannten Pflegemaßnahmen an den Hecken am Flassertweg oder an den Pappeln der Budberger Straße sind eigentlich ein gesetzeswidriges Massaker“, stellt der ehemalige Sozialarbeiter und Berufsschullehrer fest. Und hat dies in seiner Eigenschaft als Sprecher des Deutschland weit agierenden Arbeitskreises Heckenschutz den Emmericher Ratsfraktionen auch so schriftlich mitgeteilt.

„Es gibt in den Kommunen mangels Personal bei Naturschutzbehörden oder Ordnungsämtern einen schnellen Ordnungswahn. Der führt dazu, dass die Natur leidet“, bekräftigt Kruse, „die Kommune vergibt Fremdaufträge an Firmen. Und die pflügen sich dann, oft mit ungeeignetem Werkzeug, durch die Natur.“

Im Fall am Flassertweg beispielsweise würden die Hecken nicht mehr geschnitten, sondern eher abgerissen. Und zwar in ihrer Gesamtheit. „Dabei müsste der Schnitt abschnittsweise erfolgen, damit etwas wieder nachwachsen kann“, sagt der ehemalige Vrasselter Kruse. Verweist dabei auf ein zweiseitiges Vorschlagsblatt, das seine Arbeitsgruppe als „Richtlinie zur Pflege von Hecken“ ausgearbeitet habe.

„Die Vorschläge sollte man beherzigen. Ansonsten zerstört man an den entsprechenden Stellen das wertvolle Ökosystem. Ich sehe dann nur noch psychologisches Grün, das dünn ist wie eine Gardine.“ Aber Holz sei derzeit teuer und daher gut vermarktbar, wie Kruse anfügt.

Ein weiteres Ärgernis sind aus seiner Sicht die Seitenränder von Straßen. Die gehören den Kommunen, werden aber oft stillschweigend von Landwirten, da angrenzend an deren Nutzflächen, mitbenutzt. „Diese Ränder können mit Wiesen eine gut verbindende Ökofläche bilden. Hier vernachlässigen die Kommunen, das öffentliche Eigentum zu schützen.“ Es gebe ein sinnvolles Beispiel, wie Kommunen reagieren könnten. Kruse: „Im westfälischen Vreden beispielsweise werden die Flächen neu vermessen und angepasst.“

Kürzlich waren am Holländerdeich in Millingen rund hundert Pappeln gefällt worden. Dagegen protestieren Reeser Bürger mit dem Arbeitskreis Heckenschutz sowie der Viersener Bürgerinitiative „Rettet die Pappeln am Niederrhein“ (die NRZ berichtete). Es soll überprüft werden, ob das Abholzen der Pappeln rechtmäßig gewesen ist.