Apotheker übernehmen PTA-Schule

Die Apothekerkammer sorgt sich um den Nachwuchs von Pharmazeutisch-technischen AssistentInnen.
Die Apothekerkammer sorgt sich um den Nachwuchs von Pharmazeutisch-technischen AssistentInnen.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Branche leidet unter Personalmangel. Und: Franken-Apotheke in Emmerich geschlossen.Notdienste werden übernommen.

Emmerich..  Carsten Moser, Inhaber der Stern-Apotheke an der Speelberger Straße, hat massive Probleme, Personal zu bekommen. Approbierte Apotheker sind Mangelware und für die Arbeit im ländlichen Bereich schwer zu gewinnen. Ähnlich schwierig ist es, Pharmazeutisch Technische Assistentinnen (PTA) zu finden. So wie dem Emmericher Apotheker geht es vielen seiner Kollegen am ganzen Niederrhein. Carsten Moser ist im Vorstand des Apothekerverbandes Duisburg-Niederrhein. „Der Mangel an Fachkräften ist in den letzten Jahren ein immer größeres Problem geworden. Zusätzlich bestand jetzt bei der für unser Gebiet zuständigen PTA-Lehranstalt Duisburg die Gefahr, dass die Trägerschaft der städtischen Schule an die Gesellschaft für Beschäftigung abgegeben wird, mit anschließendem langsamen Sterben des Ausbildungsganges an dieser Einrichtung“, berichtet der 37-Jährige.

Kosten bleiben konstant

Hintergrund ist der Beschluss des Landes NRW, sich aus der Finanzierung der Schule zurückzuziehen. „Das haben wir jetzt abgefangen, indem unsere lokalen Apothekerverbände die Schule in Trägerschaft übernommen haben“, so Carsten Moser.

Damit können auch die Ausbildungskosten auf dem früheren Niveau gehalten werden. „Die Teilnehmer müssen weiterhin nur Schulgebühren in Höhe von 210 Euro im Monat bezahlen. Bei anderen PTA-Schulen in Nordrhein-Westfalen sind es schon bis zu 380 Euro pro Monat. Auch weil der Beruf der PTA – gerade für junge Frauen mit Familienplanung – sehr interessant ist, wollten wir ein Ansteigen der Ausbildungskosten unbedingt vermeiden“, so Moser. Als zusätzliche Unterstützung für die Schülerinnen (männliche PTA sind selten) wurde ein Stipendien-System ins Leben gerufen. Danach können sich PTA-Schülerinnen, die sich von den Ausbildungskosten überfordert sehen, von teilnehmenden Apothekern auf

Minijob-Euro-Basis einstellen lassen. Dafür können Sie einen halben Tag in der Woche in der Apotheke arbeiten. „Das hat den Vorteil, dass sie praktisch keine Ausbildungskosten mehr selber tragen müssen und schon früh mit der Praxis vertraut gemacht werden“, so Moser. Bislang absolvieren die angehenden PTA erst nach der zweijährigen Schulzeit ein halbes praktisches Jahr. „Wir möchten, dass sich auch die schulische Ausbildung mehr an der Praxis orientiert. Langfristig soll das halbe Praxisjahr auf die gesamte Ausbildungszeit aufgeteilt werde, so dass zum Ende hin die Teilnehmerinnen ein bis zwei Tage in der Woche in der Apotheke arbeiten“, erklärt Moser: „So lernen sich PTA und Betrieb gleich kennen, was für eine spätere Anstellung sehr von Vorteil ist.“

Angehende PTA können sich bei der neu benannten PTA-Fachschule Niederrhein oder direkt bei Carsten Moser über die teilnehmenden Kollegen informieren. Der Verband hat für die Übernahme der Schule viel Zeit und Mühe investieren müssen. Bürokratische Hemmnisse, wie die Überführung der Arbeitsverträge, mussten überwunden werden. „Wir hoffen aber, so den Fachkräftemangel abfangen und den Beruf der PTA attraktiv erhalten zu können“, argumentiert Moser.

Wie schwierig die Situation in Emmerich geworden ist, zeigte sich, als der Inhaber der Franken-Apotheke in Emmerich plötzlich verstarb. Da sich kein angestellter Apotheker fand, der diese bis zu einer Nachfolge hätte führen können, musste die Franken-Apotheke schließen.

Kunden der Franken-Apotheke, die noch Medikamente abzuholen haben, können sich in der Stern-Apotheke melden, damit ihnen aus der plötzlichen Schließung keine Nachteile entstehen.

Eine weitere Apotheke in Emmerich schließt Ende August. Die wegfallenden Notdienste werden von den verbliebenen Apotheken übernommen, so dass für die Bürger keine Versorgungsengpässe entstehen.