Anna von Kleve wurde vor 500 Jahren geboren

London/Kleve..  London-Besucher vom Niederrhein, die das Victoria and Albert-Museum besuchen und in der Historie etwas bewandert sind, wissen, dass das Museum in South Kensington ein Kleinod hütet, das mit dem Herzogtum Kleve eng verbunden ist: eine rosenförmige Dose aus Elfenbein mit einem Miniaturportrait von Anna von Kleve, der vierten Frau des englischen Königs Heinrichs VIII. Vor 500 Jahren, am 20. September 1515, wurde Anna in Düsseldorf geboren.

In den letzten Wochen suchten Touristen, die in London einen Blick auf die Miniatur werfen wollten, vergeblich. Der Grund: Das Medaillon war ausgeliehen an das Musée du Luxembourg in Paris für die Ausstellung „Die Tudors“. Ende Juli dürfte die erste deutsche Königin von England wieder ihren angestammten Platz in Raum 58e der Britischen Galerien einnehmen.

Als Heinrich VIII. das 1539 von Hans Holbein d.J. gemalte Bild Anna von Kleves sah, war er entzückt. Holbein hatte die zweitälteste Tochter Herzogs Johanns III. von Jülich-Kleve-Berg und deren Schwester Amalia am Klever Hof gemalt. Heiraten in hohen Adelskreisen wurden aus dynastischen und politischen Gründen arrangiert, waren also keine Liebesheiraten, sondern Vernunftehen. Doch Heinrich gefiel das Antlitz Annas. Sie galt als demütig und freundlich, machte gerne Handarbeiten. Heinrich unterschrieb den Heiratsvertrag, ohne seine Auserwählte vorher leibhaftig gesehen zu haben. Ein Fehler. Denn als es zur ersten Begegnung kam, war Heinrich maßlos enttäuscht. Anna wirke nach der strapaziösen Anreise müde und abgekämpft, sie sah älter aus als 24 und hatte ein pockennarbiges Gesicht, über das der Portraitmaler dezent hinweggesehen hatte. Der König war so wütend, dass er sogar vergaß, alle mitgebrachten Geschenke zu überreichen. Die dennoch Anfang 1540 geschlossene Ehe hielt auch nur ein halbes Jahr, dann ließ der König sie annullieren. Immerhin köpfte er Gattin Nr. 4 nicht kurzerhand. Sie genoss weiter finanzielle Privilegien, musste aber auf der Insel verbleiben. Anna starb 1557 eines natürlichen Todes und wurde in Westminster Abbey beigesetzt.