Alte Technik, die begeistert

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Rees..  Unterbodenschutz? Hohlraumversiegelung? „Nein“, schüttelt Heinz Schier lächelnd den Kopf, „das gab es damals noch nicht!“ Damals, das war 1970, das Baujahr seines VW Karmann-Ghia Typ 14. Vor elf Jahren hat der Reeser den Oldtimer gekauft. „Es ist die alte Technik, die mich begeistert und zum Kauf bewogen hat“, sagt Heinz Schier, der vor wenigen Minuten mit seinem Gefährt an der Oldenkottstraße bei Udo Nienhuysen vorgefahren ist. Auch der fährt einen Karmann-Ghia gleichen Typs. Das verbindet, schließlich können Liebhaber alter Autos stundenlang über ihre Gefährte fachsimpeln oder gemeinsam schrauben.

Güldner-Traktor

Oder ausfahren. „Das Schönste überhaupt“, sagt Udo Nienhuysen. Das geht aber (fast) nur bei Sonnenschein. „Weil die Autos nicht nass werden sollen“, begründet der 73-Jährige. Schier grinst und nickt, „und das, obwohl wir längst Unterbodenschutz und Hohlraumversiegelung haben auftragen lassen.“

Nienhuysen nennt inzwischen mehrere alte Maschinen sein eigen. Der Grund, warum der Frisörmeister mit dem Sammeln alter Technik anfing, ist ein trauriger. Vor 13 Jahren starb 56-jährig seine Frau Annette. Für Ablenkung sorgten seine Enkel Kai, Lina und Max. Mit ihnen fuhr der Reeser zu Oldtimertreffen und Trecker-Treffs in der Umgebung. „Besonders die Jungs waren fasziniert“, erinnert sich Nienhuysen. Bei einem dieser Treffen verguckte sich der Reeser in einen Güldner-Traktor. Den besaß er allerdings nur ein Jahr. Ein anderer Sammler luchste Nienhuysen das Gefährt ab. „Nachdem er den Traktor bei einem Oldtimer-Treffen gesehen hatte, ließ er nicht locker, hat mich immer wieder angerufen und schließlich eine Summe geboten, bei der ich nicht mehr ‘nein’ gesagt habe“, sagt Udo Nienhuysen.

Das Geld hat er gleich wieder ausgegeben, sich einen Lanz Bulldog D 3506, Baujahr 1951, zugelegt. „Hat 20 PS, fährt maximal 20 km/h.“ Nicht ganz einfach, den alten Herrn zum Laufen zu bringen. Erst muss die Heizlampe vorgeglüht werden, dann der Glühkopf. „Hier erfolgt die Zündung durch die glühenden Wände der Vorkammer, den Glühkopf“, erklärt der Fachmann. Als Rauch aus dem Schornstein des Traktors qualmt, dreht Nienhuysen kräftig das Schwungrad. Dann fährt ein kräftiges Rütteln durch das gesamte Gefährt, der Qualm wird dichter und dunkler, mit ohrenbetäubendem Knallen erklärt der Traktor seine Fahrbereitschaft. „Wie hört sich das an?“, fragt Nienhuysen rhetorisch. Die Freude steht dem Sammler, der auch noch ein DKW-Motorrad, Baujahr 1961, und Explosionsramme zum Ausschachten aus den 50er-Jahren besitzt, ins Gesicht geschrieben.

Übrigens: Im Winter muss Nienhuysen schon mal eine Viertelstunde einplanen, um den Lanz Bulldog fahrbereit zu machen. Ein Problem, das früher die Landwirte aufs bequeme Weise lösten. „Sie ließen den Motor in den kürzeren Pausen einfach laufen . . .“

Für den Traktor hat Nienhuysen mit Freunden eine Remise gebaut. Dort ist auch der taubenblaue Karmann-Ghia untergekommen und ein weiterer VW Buggy, ein zu einem offenen Freizeitauto umgebauter VW Käfer. Der gehört Nienhuysens Sohn Tommy. Auch der hat sich inzwischen eingefunden. Natürlich wird gleich wieder über die alten Fahrzeuge gefachsimpelt. Drei Männer, ein Thema!