Alte Fundamente entdeckt
13.08.2008 | 18:31 Uhr 2008-08-13T18:31:15+0200TEMPELSTRASSE. Bauarbeiten bis Freitagmittag gestoppt. Der Verlauf der früheren Häuserzeile wird zurzeit erforscht.
EMMERICH. Archäologin Marion Brüggler nutzte die Gunst der Minute: Als eine Bewohnerin eines Hauses an der Tempelstraße den Flur putzte und deshalb die Haustür geöffnet hatte, eilte die Mitarbeiterin der Rheinischen Bodendenkmaplflege mit einer Kamera rasch ins Haus und hielt von einem oberen Flurfenster aus im Bild fest, was unten zu sehen war: Erste alte Fundamente einer Häuserzeile, wie sie auf dieser alten innerstädtischen Straße einmal verlaufen ist. Nicht Bauarbeiter haben zurzeit auf der Tempelstraße das Sagen, sondern Grabungstechniker und Grabungsarbeiter. Bis Freitag müssen die Bodendenkmalforscher fertig sein. Und dann können die Erneuerungsarbeiten, die am Montag starteten, auf der Tempelstraße weiter gehen.
Baustelle stillgelegt
Bauleiter Michael Baumgärtner hatte am Dienstag im Rathaus Elisabeth Riepe von der Unteren Denkmalbehörde im Fachbereich 5 (Stadtentwicklung) informiert. Diese gab diese Information an die Nebenstelle Xanten der Rheinischen Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes weiter. Willi Sengstock vom Außendienst fuhr raus. Und schließlich wurde die Baustelle stillgelegt. Gestern begannen in aller Frühe die Forschungsarbeiten. Nicht Baustellenfahrzeuge, sondern Landschaftsverbandsfahrzeuge mit Bonner Kennzeichen beherrschten die Szene.
Auch der Laie erkennt deutlich, dass die Häuserzeile auf der Tempelstraße anders verlief als das heute der Fall ist. Und nur um die Erforschung des früheren Häuserzeilenverlaufs geht's den Bodendenkmalpflegern bei ihrer derzeitigen Arbeit auf der Tempelstraße. Die früheren Häuser, deren Fundamente jetzt sichtbar wurden, wurden in den Jahren zwischen der Frühen Neuzeit und der Neuzeit gebaut, im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt zerstört. Die Gebäude könnten also zwischen dem 16. Jahrhundert und dem letzten Krieg errichtet worden sein. "Vielleicht aber auch schon im Spätmittelalter", sagt Marion Brüggler.
Aber um die genaue Definition des Alters geht's nicht, sondern "nur" um die des Häuserzeilenverlaufs. "Die Fundamente werden ja nicht zerstört, sondern es kommt ja nur ein Straßenbelag darauf", so Marion Brüggler. "Anders wäre es, wenn hier ein neues Haus errichtet würde", erklärt Elisabeth Riepe. "Denn dann müssten die alten Fundamente zerstört werden, und es wären genauere Untersuchungen erforderlich", ergänzt Marion Brüggler. Mit den derzeitigen Arbeiten komme man gut voran. Bis Freitagmittag muss man fertig sein. "Ich hoffe aber, dass wir das schon früher benden können."Der kürzlich verstorbene Heimatforscher Heinz Evers schrieb in seinem Buch "Straßen in Emmerich", dass älteste Urkunden 1384 von einem Haus an der "Teympelstrate" sprechen, später dann beispielsweise 1574, 1609 und 1675. "Über die Tempelstraße verlief in alter Zeit ein wichtiger Verkehrszugang zum Alten Markt", schrieb Evers in dem genannten Buch. Er wies auch darauf hin, dass 1950 bei einer Kanalverlegung ein schlechter Baugrund festgestellt worden sei. Mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg sei "die Tempelstraße derart verlegt worden, dass nunmehr für diese Straße mit der verbreiterten Ölstraße ein Straßenzug vorhanden ist".
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