Als der Prinz auch noch König wurde

Am Donnerstag, den 12.02.2015 feierten die Altweiber bei der AWO Goebelstrasse in Emmerich. Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services
Am Donnerstag, den 12.02.2015 feierten die Altweiber bei der AWO Goebelstrasse in Emmerich. Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
plötzlich zur Flinte. Am späten Nachmittag war dann Bürgermeister Diks seinen Schlüssel quitt

Emmerich..  König und Prinz sein, also gleichzeitig – geht doch gar nicht! Oder vielleicht doch? Wenn der gecke Höhepunkt einer Session herandampft, dann ist so manches Unmögliche machbar. Gestern früh zum Beispiel. Da griff beim traditionellen Altweiber-Zug der rot-weißen Geck-Schar Prinz Michael II. nach nicht einmal einer Viertelstunde zum Gewehr. Einmal, zweimal, dreimal draufgehalten, dann war der Pappvogel von seiner Bindfadenschaukel gepfeffert.

Viel Kaffee und etwas Sprit

Ob jemand im Keller der üppig und lecker frühverköstigenden Sparkasse für einen zittrigen Fehlschuss auf Personen verantwortlich gewesen wäre? Die Frage war schnell von der Liste gestrichen. Geckes Glück: Der prächtig aufgelegte Prinz schaffte zügig das, was ihm als Schützen-Hauptmann bisher verwehrt geblieben ist. Und wurde vor dem ersten Kaffee und einer Runde Minifläschchen-Sprit mit einem dreimaligen „König, Helau!“ von der Tischgesellschaft gefeiert.

Für Michael II., der heute seinen 53. Geburtstag feiert, und seine „Lady in Red“, die lieblich-gute Fee Kathi­ I., war der Altweiber-Marathon um 9.11 Uhr an der Agneten­straße mustergültig gestartet. Keller-Gastgeber Horst Balkmann reimte in seinem gelungen schnellzüngigen Vortrag allerlei Vergnügliches ins Mikrofon: „Neumarkt, Kaserne, Griechen – also ich sehe nur hübsche Mariechen. Und strahle im Traum heller als ein Weihnachtsbaum.“ Noch ein Gedicht, etwas schräger jedoch: „Ortsausschuss und Betuwe sind Politiks – und deshalb was für unseren Diks.“ Nein, der Bürgermeister, der mittig der acht Tischreihen sitzend auf die Frühstücksbüfett-Eröffnung wartete, schlug nicht die Hände über dem lichten Schopfe zusammen. Der Prinz bot Büttenredner Balkmann später sein gülden-rotes Zepter an. Bedingung: „Wenn Du mal den Prinz machen solltest, Horst! Drauf hast Du es sicher.“

Balkmann ließ auch stete Spitzen an den Unternehmenskonkurrenten nicht aus: „Bei uns herrscht heute Fahnenverbot. Ihr seid uns mehr Wert als ein paar Fähnchen!“ Ob sie über diesen Ulk in den Kundenräumen der Volksbank zwei Stunden später auch gelacht hätten?

Gegen 12 Uhr, ungefähr bei Kilometer zehn des Karnevalsmarathons, trötete Aufbruchmeister Timm Allmander zum Marsch aufs dritte gönnerhafte Geldinstitut zu. Anmerkung von Geck-Chef Michael Verhey: „In die Deutsche Bank geht’s jetzt rein, letztes Jahr lachten die ja allein.“

Nach einer zwischenzeitlichen Einkehr beim Bistro 852, geführt von Ehrenpräsident und Prinzen-Bruder Frank Kühn, war am frühen Abend beim gefühlten Kilometer 32 der humorvoll-sportlichen Tour die Rathaus-Treppe erreicht: Schlüsselübergabe vom obersten Bürger an die Narrenschar.

Der Bölt bildete gegen 21 Uhr die Zielgrade der gecken Altweibertour. Alle, die es bis zum Bus gen Kapaunenberg geschafft hatten, musste man Stehvermögen bescheinigen. Neunmal Gardetanz vom Trampel-Rap über Village Peoples „YMCA“, Schlager-Wendler und Helenes „Atemlose Nacht“ – Hut, oder Narrenkappe, ab!

Übrigens: Nicht nur Geck war jeck. Auch bei der Awo und bei der kfd Heilig-Geist wurde gestern zum Altweibertag ganz närrisch gefeiert. Johannes Diks hatte auf der Rathaus-Treppe trotz Mikrofon alle Mühe, beim närrischen Volk Gehör zu finden. Nicht nur im Foyer wackelten fast die Wände, als die gecke Gefolgschaft einmarschierte. Prinz Michael II. nahm um exakt 17.22 Uhr den güldenen Schlüssel mit rot-weißer Schleife in Empfang und gab der Diks’schen Mitarbeiter-Schar im Glanze der drehenden Disko-Kügelchen bis Veilchendienstag karnevalsfrei.