Als Benno aus Elten mit 13 seine Mutter verlor

Auch Petronalla Jansen, Benno Jansens Mutter, ist auf einer der Tafeln in der St. Martnius-Kirche Elten verewigt.
Auch Petronalla Jansen, Benno Jansens Mutter, ist auf einer der Tafeln in der St. Martnius-Kirche Elten verewigt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor 70 Jahren, noch kurz bevor die alliierten Truppen in Emmerich und Elten einmarschierten und das Kriegsgeschehen endete, fanden viele Einwohner den Tod.

Elten..  Noch wenige Tage bevor die Alliierten einmarschierten, hielt der Tod reiche Ernte. Auch in Elten. In der St. Martinus-Kirche erinnern mehrere Tafeln an über 200 Opfer des Zweiten Weltkrieges aus Elten. Auf den langen Listen befindet sich auch Petronella Jansen, geb. Holtkamp. Sie fand vor 70 Jahren den Tod. Ihr Sohn Benno war erst 13 Jahre alt, als er miterleben musste, wie seine Mutter mit nur 37 Jahren starb, der Vater kämpfte noch an der Front.

Gerade in diesen Tagen melden sich bei Benno Jansen, heute 83 Jahre alt, die dunklen Schatten der Vergangenheit zurück. So, als wäre es gestern gewesen. Reden hilft, die Dinge zu verarbeiten.

„Der Eltenberg stand 14 Tage unter Beschuss“, erinnert sich Benno Jansen, der auf der Klosterstraße wohnte. Deshalb beschloss die Mutter, sich zu einer Verwandten am Hohen Weg in Hüthum durchzuschlagen. Doch statt einen sicheren Unterschlupf sollte sie ihr Grab finden. „Eine Granate schlug bis in den Keller ein. Die Lunge meiner Mutter ist dabei geplatzt, meine Tante wurde schwer verwundet.“ Auch die Cousins Berni und Wilfried, erst zwölf und drei Jahre alt, gehörten kurz vor Ostern zu den Opfern des Artilleriebeschusses.

Splitter in den Beinen

Er selbst kam mit zwei Splittern in den Beinen davon. Die Tante wurde von deutschen Soldaten in ein Lazarett ins besetzte Gendringen gebracht. Auch Benno sollte mit seiner Verwundung dort hin transportiert werden: „Ich bin aber weg, ich wollte bei der Mutter bleiben, ich habe mich am Kriegerdenkmal in Hüthum versteckt.“

Das war kein Einzelschicksal in jenen Schreckenstagen, aber man muss sich das vergegenwärtigen: Ein Junge läuft mutterseelenallein kreuz und quer zwischen Hüthum und Elten umher. Wo er auch hinkommt, kann er nicht bleiben, alles belegt. Ringsum das letzte Wüten des Krieges, die gesprengte Wildbrücke, der kahle Berg: „Da stand kein Baum mehr.“ Dann endlich kehrt der Vater zurück: „Er wusste von nichts.“ Erste Tuchfühlung mit den kanadischen Soldaten: „Sie waren freundlich und teilten die Schokolade auf uns Kinder auf.“

Die Familie zahlte einen hohen Blutzoll in dem Krieg, mit dem Hitler Europa überzog. Auch drei Brüder von Petronella Jansen und ein Schwager kamen um.

Benno Jansen hat eine schwere Zeit hinter sich, die vor ihm liegende wat auch nicht immer leicht. Er wurde Baumaschinenschlosser und war viel auf Montage. Er heiratete seine Jugendliebe Irmgard, die den Vater verloren hatte, so dass die Mutter alleine drei Kinder durchbringen musste. Sie bekamen Kinder, arbeiteten viel, lebten sparsam, so dass es für ein eigenes, hübsches Häuschen reichte.

Bis heute ist Benno Jansen Diakon Manfred Wiskamp dankbar, der dafür sorgte, dass auf dem Friedhof in Hüthum die Gräber der Mutter und anderer Opfer erhalten geblieben sind und dort weiter in Frieden ruhen können.