Alles aus längst vergangener Zeit

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Emmerich..  Das sei schon mal verwirrend, wenn man auf die Karten auf dem Tisch mittig in der Ausstellung „Rheinlaufkarten und Stadtansichten“ schaue, gab Herbert Kleipaß am Sonntagmorgen zu. Der Museumsleiter hatte in den vergangenen Monaten 30 Exponate zusammengestellt, die einem einen Überblick über den Verlauf des Flusses im Laufe der Jahrhunderte geben.

Und mehr. „Natürlich nicht immer ganz maßstabsgetreu“, schmunzelte Kleipaß. Da fiel dann schon mal das damals schon größere Emmerich kleiner aus als etwa die umliegenden kleinen Örtchen. Vielleicht spielte zu diesen Zeiten ebenfalls Schmiergeld, das in Goldmünzen oder Naturalien gezahlt wurde, bei den Zeichnern eine Rolle.

Die „Grafiker der Vergangenheit“ seien durch die Lande gewandert – und seien schon detailverliebt gewesen. „Die sind am Rhein entlang gezogen. Heute wird das alles in kürzester Zeit per Luftbildaufnahme gemacht.“ Trotz der angekündigten Verwirrung hatte Besucher Wolfgang Heimann den Rhein auf dem Tisch-Kartenmaterial entdeckt: „Hier liegt Köln – da Emmerich.“

Eigentlich müsse man tagtäglich dieses Kartenmaterial der Öffentlichkeit zeigen, so Kleipaß: „Ist es doch die ureigenste Aufgabe dieses Hauses, die Geschichte des Rheins zu dokumentieren.“ Der weiß aber, dass dies nicht nur wegen der räumlichen Situation, sondern auch wegen der Lichtempfindlichkeit der Originalkarten eben nicht möglich ist.

Gerade sein Vorgänger, Hans Reimann, habe fleißig Karten gesammelt. Und hätte somit den Grundstock für diese Ausstellung gelegt. „Karten, die wir hier ausstellen, dienen und dienten sehr häufig militärischen Zwecken. Oder auch der Festlegung territorialer Ansprüche.“

Ein wesentlicher Punkt waren jedoch Informationen, die man für steuerliche Zwecke zur Erhebung von Abgaben ablesen konnte. Bei dem ganzen Material fallen dem Betrachter zwei Karten ins Auge. Prunkstück ist ein Original der hydrographisch und militärischen Karte vom Niederrhein aus dem Jahre 1796, das in mehreren Bildteilen an der Seite zu Martini-Kirche und Rhein gezeigt wird.

Nicht weit entfernt fällt eine kleine, aber unscheinbare Karte aus dem Nachlass von Dr. Cläre Pelzer auf. „Etwa in Höhe von ‘Franz*' an der Promenade gab es damals ein Stadttor mit dem Namen ‘Molen Poort’“, zeigte Herbert Kleipaß voller Stolz auf der Karte, die schon damals einen Wert von 1200 DM hatte und um 1750 entstand. Ein Krankenhaus auf dem Weg nach Borghees und drei Mühlen und eine weitere Richtung ‘s-Heerenberg sind ebenfalls abgebildet.