Alle Jecken sind gleich
15.02.2010 | 17:02 Uhr 2010-02-15T17:02:00+0100Emmerich. Da simmer dabei, dat ist prima, hieß es am Montag im Altenheim St. Augustinus. Und zwar nicht nur mit Helau, sondern auch mit Alaaf.
Die Bewohner waren nämlich eingeladen, im Seminarraum die Rosenmontagszüge in Köln, Düsseldorf und Mainz auf der Großleinwand anzuschauen. Und da hatten sie die Möglichkeit zum direkten Vergleich, denn den Emmericher Tulpensonntagszug hatte sich kaum einer der Senioren entgehen lassen. „Die Feiern zu Karneval haben bei uns schon Tradition”, sagt Betreuerin Elke Wehrle.
Seit vergangenen Dienstag segelt das Altenheim an der Willibrordstraße unter närrischer Flagge. Da statteten unter großem Hallo das Prinzenpaar Friedhelm I. und Lisa I. sowie das Kinderprinzenpaar Moritz I. und Annalena I. den Bewohnern einen Besuch ab. Und seit Altweiber, so Elke Wehrle, sei die Einrichtung fest in jecker Hand. Was Heimleiter Dirk Nellessen am eigenen Leib zu spüren bekam, sein Schlips wurde kürzer und kürzer, bis er sich endlich geschlagen gab und um 11.11 Uhr das Zepter übergab. Immerhin bekam er als Trostpflaster einen Orden mit angehängten Süßigkeiten, den die Senioren selbst gestaltet haben.
Sie sei nie in den so genannten Karnevalshochburgen gewesen, erzählt Hanni Baumann, die gestern mit ihrer Kegelschwester Gerda Hackfort – immer wieder freitags wird im Altenheim eine ruhige Kugel geschoben – das bunte Treiben auf dem Schirm verfolgte. Schließlich hätten auch die Emmericher Züge den Jecken viel zu bieten, stünden doch, wenn dat Trömmelche geht, auch hier all parat. Gerda Hackfort nickt bestätigend. Nur, mit den heutigen Karnevalsschlagern können die beiden nicht so viel anfangen. Auf ihrer persönlichen Hitliste stehen „Warum ist es am Rhein so schön” und „Kornblumenblau” ganz oben.
Klaus Fischer, der am Tisch daneben sitzt und sich ein kleines Helles genehmigt, steht da mehr auf „Bier und Appelkorn”. Als er auf dem Bildschirm den närrischen Lindwurm sieht, bekommt er glänzende Augen. „Ich war selbst mal dabei”, sagt der gebürtige Frankfurter. Mit dem Fanfarenkorps sei er marschiert. „40 Jahre ist das schon her.” Und, hat sich was geändert? Die Uniformen und die Instrumente seien besser geworden, meint er. Aber eins sei bis heute geblieben. Ob Frankfurt, Mainz, Köln, Düsseldorf oder Emmerich, „die Jecken sind überall gleich.”
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