Ärger um ein altes Wegerecht

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Speelberg..  Es war alles in schönster, in gewohnter Ordnung. Und so bequem. Wenn Mülltonnen an die Straße gestellt wurden oder die Fahrräder reingeholt werden sollten, dann nutzten die Eigentümer der Reihenhäuser schiedlich-friedlich einen Weg, der hinter der Häuserzeile verlief und am Ende in einen Stichweg zur Gerhard Cremer-Straße mündete. Auch Andrea Schlotbohm wusste diesen Weg zu schätzen. Die Tonnen deponierte die 48-Jährige in einem Unterstand im Garten, und die Räder wurden im Keller, zu dem eine Außentreppe hinabführte, abgestellt. Doch diese problemlosen Zeiten sind vorbei. Der Haussegen in der Nachbarschaft hängt schief. Weil ein neuer Eigentümer mittendrin nicht mitspielt. Er hat an den beiden Törchen links und rechts des Weges Zettel angebracht, wonach der Durchgang ab 1. Mai ständig geschlossen sei. „Grund ist der Schutz der Privatsphäre“, berichtet Andrea Schlotbohm. Und dagegen dürfte nicht viel auszurichten sein. Denn während anderswo das Wegerecht schriftlich fixiert worden ist, liegt es für den Verbindungsweg zwischen den Häusern Nr. 33 bis 47 nicht vor. „Die Baugenossenschaft hat vor und nach dem Krieg vergessen, ein Wegerecht schriftlich zu dokumentieren“, hat Mutter Christel Radtke bei ihren Recherchen herausgefunden. Die 70-Jährige hat früher selbst auf der Gerhard Cremer-Straße 41 gelebt. In dem Haus, in dem jetzt ihre Tochter mit ihren beiden Kindern wohnt.
Haus Nr. 41 und weitere Zweifamilienhäuser hatte die Emmericher Baugenossenschaft 1928 errichtet. Als einziges hat es die Bombenangriffe 1944 überstanden. Vor rund 45 Jahren verkaufte die Genossenschaft diese Häuser.

Andrea Schlotbohm ist ziemlich verzweifelt, weil sie den Weg bald nicht mehr nutzen kann. Es sei denn, die Nachbarschaft findet doch noch zusammen. Doch so lange muss sie andere Lösungen ins Auge fassen. Könnte Tonnen und Räder vom Hinterhof durchs eigene Haus zur Straße schleppen. Möchte sie nicht. Oder die Sachen im Vorgarten abstellen. Ungern: „Zwei Fahrräder hat man mir schon gestohlen.“ Einen Schuppen genehmige man ihr nicht. Alternativ bliebe die Treppe vom Flur in den Keller. Kommt für sie gar nicht in Betracht. „Ich habe es am Rücken.“ Der Keller sei eng und verwinkelt. Ihre Mutter nimmt die ganze Sache richtig mit. „Ich träume schon nachts davon.“