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Feuerwehr : Kaum geübt - am Übungszug

Emmerich, 28.04.2009, Philipp Wahl

Viel Theorie, kaum Praxis: Am Dienstag lernten 60 Feuerwehrleute aus Emmerich 65 Armaturen eines Gefahrgut-Kesselwagens in 30 Minuten kennen. Einzelne auswärtige Einsatzkräfte übten Kritik an Bahn und Verkehrsministerium, weil es für die Betuwe-Linie immer noch kein Sicherheitskonzept gibt.

Emmerich. „Alles im Griff hier”, meldet der Notfallleitstelle der Deutschen Bahn Dienstagmittag Bahner Horst Fechner vom Gleis 41 neben der B 8. „Es läuft: Fernsehen, Radio, Presse, alle sind da.” Zuvor hatte Lehrkraft Fechner im einzigen Übungszug der Bahn vor 20 Feuerwehrmännern aus Vrasselt, Hüthum und Emmerich eine Stunde lang über Risiken beim Gefahrguttransport referiert. Diese versetzen in den Kommunen zwischen Elten und Oberhausen zurzeit eben nicht nur die Feuerwehren in Alarmbereitschaft (siehe Kasten). Dass der begehrte Übungszug ausgerechnet in Emmerich Station macht, wenn Bürger und die IG BISS die Gefahren durch die Betuwe-Route kritisieren, sei aber „reiner Zufall”.

Einmal in 30 Jahren

Das sagt zumindest Emil Bluck von der „Produktionsdurchführung” der DB Netz AG in Duisburg. Er hat den Übungszug – zwei umgebaute Kesselwagen und ein Schulungswagen – für zwei Tage und 120 Einsatzkräfte aus Emmerich, Rees und 's-Heerenberg nach Emmerich bestellt (die NRZ berichtete). Zwei Jahre müssen Interessierte zurzeit darauf warten, an den Kesselwagen üben zu dürfen.

Info

70 Güterzüge täglich

Nach Auskunft von Emil Bluck passieren aktuell täglich 70 Güterzüge Emmerich.

2015 rechnet die Bahn mit mehr als doppelt so vielen. Auf den Info-Veranstaltungen zur Betuwe in Emmerich gaben ihre Vertreter an, 30% der Transporte seien aktuell Gefahrguttransporte. Bundesweit, so Horst Fechner, sind es etwa 50% – darunter: 55,9% der Gefahrgutklasse 3 (Benzin, Diesel) und 13,4% der Klasse 2 (Gase). pw

Der Lehrplan: vor allem allgemeine Theorie. Horst Fechner erklärt den jeweils 20 Mann starken Gruppen, dass Einsatzkräfte 250 Meter Sicherheitsabstand halten müssen, wenn verflüssigtes Gas ausläuft. Dass deutschlandweit 6 300 Güterzüge rollen und die Hälfte Gefahrgüter geladen haben. Dass die Helfer im Notfall die Experten des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der chemischen Industrie (TUIS) anrufen sollen.

Später führt Ausbilder Ingo Piersig den Feuerwehrleuten vor, welche Hebel sie im Notfall wie umlegen sollen – und welche bloß nicht. 65 Armaturen in 30 Minuten.

„Das ist nur ein Häppchen Information”, meint Teilnehmer Martin Kroll (Löschzug Stadt). „Aber wenn wir Sicherheit darin bekommen sollen, einen Kesselwagen zu reparieren, müssen wir das mindestens alle zwei Jahre üben.”

Erst einmal hat daran etwa Jörg Heimann (Löschzugführer Emmerich) geübt. Dabei ist er seit drei Jahrzehnten im Dienst. Auch Bürgermeister Diks, der sich gestern eine Einheit anschaute, forderte: „Solche Übungen müssten häufiger stattfinden.” Die Antwort von Fechner: Das Risiko für Gefahrgut-Unfälle rechtfertige die Finanzierung eines zweiten Wagens nicht: „Es passiert ja viel seltener was als bei Transporten auf der Straße.” Und falls doch, komme es „praktisch nie” auf gerader Strecke, sondern beim Verladen zu Unfällen.

Kein Sicherheitskonzept

Einige Feuerwehrleute waren am Dienstag extra aus Wesel angereist, um sich den Zug anzuschauen. Einer bemängelte, „dass wir bis heute noch kein 'Sicherheitskonzept Betuwe' haben”. Es sei allerhöchste Eisenbahn für Bahn und das Landesverkehrsministerium, sich darum zu kümmern. Diks indes glaubt: „Die Bahn ist noch nicht so weit. Ich erwarte solche Konzepte während des Planfeststellungsverfahrens ab Ende 2009.”

Übung / Unterweisung / Einweisung der Feuerwehr Feuerwehrübung Brandschutz am Ausbildungszug Gefahrgut Kesselwagen Bahn DB Betuwe Bundesbahn Eisenbahn Gefahren Gefahrgut Foto: Johannes Kruck (Tel: 0171-5429911 / Ludwig-Erhard-Straße 14, 47533 K l e v e, Foto honorarpflichtig, Bankverbindung: Konto-Nr.: 1201833015 / BLZ 324 604 22 bei Volks bank Kleverland) Foto: NRZ

Die „praktische Übung” am Leckagewagen des Zuges – er hat gleich zehn Löcher, aus denen Wasser spritzt – war für die Kameraden der ersten Teilnehmergruppe gestern reine Formsache. Wenngleich keinesfalls eine brenzlige Situation mit giftigen, hochexplosiven oder ätzenden Stoffen simuliert wurde. Der imaginäre Schadenfall: Diesel läuft aus. Zunächst hämmerten die Männer ein Weichholz in das Loch. Fünf Minuten später konnten sie es mit einem Luftkissen komplett schließen.

Ein Ernstfall im wahrsten Wortsinne war das Leck im Diesel-Wagen freilich nicht. Für die meisten Teilnehmer war das aber kein Unglück. Sie dankten für die Einblicke. Tenor: Wenige Informationen sind besser als gar keine.

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