87 Flüchtlinge aus dem Kosovo wurden in Rees untergebracht

Tolles Spielzeug haben die Reeser für die Kinderstube der Flüchtlingseinrichtung gespendet.
Tolles Spielzeug haben die Reeser für die Kinderstube der Flüchtlingseinrichtung gespendet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die ersten 42 Flüchtlinge reisten am Morgen ab. Zum Mittagessen füllte sich die Flüchtlings-Einrichtung am Groiner Kirchweg wieder. 26 Kinder wohnen jetzt hier.

Rees..  Erstmals fielen die Abschiedstränen in der Unterbringungs-Einrichtung für Flüchtlinge am Groiner Kirchweg. 42 Flüchtlinge hatten in den vergangenen ein bis zwei Wochen hier ein vorübergehendes Zuhause gefunden, gestern ging für sie die Reise weiter.

Mit liebevoll gemalten Bildern, mit großen Herzen versehen, verabschiedeten sich die Flüchtlinge. Schnell wurden die Kinder noch einmal von den Mitarbeitern in die Arme genommen. „Es war auch für uns höchst emotional“, gab Einrichtungsleiter Dirk Fahrland von den Maltesern zu. Bereits in der kurzen Zeit war ein Vertrauensverhältnis entstanden. Doch nun galt es, die nächste Herausforderung zu stemmen. Denn zwei Stunden später trafen 87 neue Flüchtlinge ein, alle aus dem Kosovo.

Begeistert waren die Reinigungskräfte, die die Zimmer für die Neuankömmlinge herrichten sollten, denn die Flüchtlinge hatten ihre Zimmer bereits gründlich geputzt.

Unter den neuen Flüchtlingen sind 26 Kinder und Jugendliche. Sie alle waren zuvor in Wuppertal in einer Jugendherberge unterbracht, die jetzt benötigt wurde. „Dort war es natürlich sehr schön, es gab einen Fußballplatz. Den vermissen die jungen Männer hier“, schilderte Dirk Fahrland die erste Resonanz der Ankömmlinge.

Zu Mittag konnten sie zwischen zwei Essen auswählen. „Es gibt grundsätzlich kein Schweinefleisch, ein Essen ist vegetarisch, eines mit Fleisch“, erklärte Bernhard Meller, als Koordinator der Bezirksregierung Arnsberg vor Ort in Rees. Während die neuen Flüchtlinge im Speiseraum aßen, wurden die Formalitäten erledigt. Jeder Bewohner erhält einen Hausausweis, den er beim Sicherheitsdienst abgibt, wenn er die Einrichtung verlässt. Das kann er zu jeder Zeit, lediglich nach 22 Uhr wird er gebeten, keinen Lärm zu verursachen.

Die Angst vor der Ungewissheit wurde den 42 Flüchtlingen, die gestern abreisten, von den Reeser Mitarbeitern genommen. „Wir haben ihnen aus dem Internet Fotos gezeigt, damit sie sehen, wohin sie jetzt kommen. Nämlich in die Eifel.“ Und da ist es zugegebenermaßen schöner als in Rees.

Die Neuankömmlinge kennen sich inzwischen untereinander. Das macht vieles einfacher. Vier junge Männer teilen sich ein Zimmer, die Familien werden zusammen untergebracht, je nach Familiengröße auf mehrere Zimmer verteilt. Sie wissen, dass sie zurückmüssen, verdrängen es aber, hoffen, dass sich das politische System doch noch ändert. „Wenn ich abgeschoben werde, versuche ich es eben ein zweites Mal“, berichtet ein Kosovare. Einige von ihnen sprechen etwas Deutsch, einige Schüler Englisch. Beschult werden sie in Deutschland erst einmal nicht. „Es ist etwas langweilig“, gibt ein Junge zu. Da werden nun die Sozialarbeiter aktiv, die sich um die soziale Betreuung kümmern.

Hiesige Wirtschaft profitiert

Auch die heimische Wirtschaft profitiert von der Einrichtung. Wäsche wird von Firma Syberg in Haldern gereinigt, Toilettenpapier und Co. von Industriebedarf Vos geliefert. 30 Mitarbeiter aus der Region sind hier beschäftigt. Vielfach sind es Erzieher und Sozialpädagogen, die gerade ihr Studium abgeschlossen und dank des Flüchtlingsheims in ihrem Wohnort Rees eine Anstellung gefunden haben, wie Daniela Schlutz. Die Reeserin, die auch eine Ausbildung zur Fotografin absolviert hat, sucht aktuell Kameras. Sie plant mit den Flüchtlingen ein Fotoprojekt, um zu dokumentieren, dass auch sie jetzt ein Teil von Rees sind.

Als Dirk Fahrland die Kinderstube gestern aufschloss, ging nicht nur bei den Kindern, sondern auch ihren Eltern das Herz auf. Das Strahlen von Kinderaugen beruhigte am Ankunftstag ungemein.

Leiter Dirk Fahrland sucht noch einen Platz, auf dem die Flüchtlinge Fußball spielen können, zudem werden noch Spielzeug, Fahrräder und Kleidung für junge Männer gerne angenommen.

Am 26. März wollte Karl Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Vorstands des Malteser Hilfsdienstes, die von den Maltesern betriebene Zentrale Unterbringungs-Einrichtung für Flüchtlinge besichtigen. Der Besuch musste kurzfristig verschoben werden, er wird nachgeholt.