60 mal zwei Euro „abarbeiten“

Emmerich..  Auf dem Papier fiel die Strafe milde aus. 60 Tagessätze zu je zwei Euro veranlassten einen 24-jährigen Polen gestern vor dem Amtsgericht trotzdem zur Bitte, die Strafe per Sozialstunden abarbeiten zu dürfen. Was letztlich die Staatsanwaltschaft entscheiden wird. Der Forstwirt hat zwar eine Arbeitsstelle in Aussicht. Derzeit aber nur wenig Geld, weil erwerbssuchend. Daher bemaß Richterin Dr. Christiane Schmitz das Tagessatz-Minimum.

Genau diese monetäre Notlage veranlasste den reuigen Angeklagten Anfang Dezember des vergangenen Jahres zur Tat in einem Drogeriemarkt in Emmerich. Der Pole entwendete erst zwei elektrische Zahnbürsten im Wert von 180 Euro, um diese später verkaufen zu können. Eine Viertelstunde nach dem Klau kehrte er dann in den Laden zurück, weil noch ein Kollege dort einkaufte.

Die in den Niederlanden wohnhafte Filialleiterin erkannte den Übeltäter, stellte ihn mit Hilfe einer Kollegen sowie dem Verweis auf die Videoüberwachung zur Rede und bat in ihr Büro. Um sich die Bildaufzeichnung anzusehen und den Vorfall vielleicht unbürokratisch aus dem Weg zu räumen.

Der so festgesetzte Täter hatte darauf jedoch keine große Lust, stellte sich unwissend und probte dann die plötzliche Flucht. Indem er die Leiterin packte, aus dem Weg räumte und in ein Kosmetika-Regal schubste. Nacken und Oberarm trugen leichte Verletzungen davon.

„Ich hatte kein Geld und war durcheinander, es tut mir alles sehr leid“, entschuldigte sich der Pole gestern vor Gericht bei der als Zeugin geladenen Geschädigten. Bereits im Februar 2013 hatte sich der Angeklagte an der Seufzerallee für einen doppelten Diebstahl verantworten müssen. Strafe damals: 700 Euro!