450 Tonnen liegen auf dem Grund

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Rees..  Eisenbahn-Schienen, die quasi nur für einen Tag vom Deich bis runter an den Rhein führten? Und gleich drei Kunststoff-Rohre von jeweils 45 Zentimeter Durchmesser, die auf einer Beton-Führung zusammengebunden wurden? Was passierte da nur am Rheinufer, vis á vis vom Klärwerk in Hönnepel, das sogar der komplette Reeser Stadtrat mit dem Schiff an die besagte Stelle fuhr, um sich alles genau vor Ort anzuschauen? Der eine oder andere wird sich vielleicht erinnern. Damals, im Jahr 1993, wurden drei Druckrohrleitungen auf den Boden des Stroms verlegt und auf der gegenüberliegenden Seite wieder an Land gezogen. Denn damals startete die gemeinsame Abwasserbehandlung von Rees und Kalkar.

„Der Düker, wie man es fachmännisch ausdrückt, liegt genauer gesagt drei Meter unter dem Flussbett“, erklärt Heinz Arntz, seit 1994 Betriebsleiter des Klärwerks in Hönnepel. Für die beiden Städte erweist sich der Schritt zur interkommunalen Zusammenarbeit gerade aus heutiger Sicht als goldrichtig. „Weil heute beide nur eine Kläranlage nutzen, zahlen die Bürger in Rees und Kalkar deutlich günstigere Abwasser-Gebühren“, sind sich Heinz Arntz und sein Kollege Frank Tielkes, technischer Angestellter beim Abwasserbetrieb der Stadt Rees, einig. Damals betrieb Rees noch drei Kläranlagen: Eine am Grüttweg, nicht weit entfernt vom Stadtbad, eine in Millingen und eine in Haffen-Mehr.

Ausbetonierte Balastkörper

„Nicht nur die Kläranlage in Rees hätte für viel Geld modernisiert werden müssen“, erinnert sich Arntz. Deshalb entschied sich die Stadt für ein Zusammengehen mit Kalkar. Vom Grüttweg aus, wo noch heute die Pumpstation steht, wurden zwei Abwasserrohre etwa auf Höhe der Wardtstraße verlegt und dann bis ans Rheinufer geführt.

Dort, gegenüber der Kläranlage Hönnepel, schweißten Fachleute die Rohre zusammen, die dann – wegen der Auftriebgefahr – auf 185 ausbetonierte Ballastkörper montiert wurden. Arntz: „Die kamen auf Rollwagen, um sie so ans Wasser bringen zu können.“

Zuvor hatte ein sogenannter „Eimerketten-Schwimmbagger“ eine Fahrrinne quer durch den Rhein ausgehoben. „Bei laufendem Schiffsverkehr“, erzählt Frank Tielkes. Dann kam der große Moment: Mit einer Zugkraft von über 60 Tonnen wurden die 450 Tonnen schweren Rohre samt Beton-Untergestell mittels einer Seilwinde von der linke Rheinseite aus durch den Fluss gezogen. „Unterm Rhein liegen aber aus Sicherheitsgründen drei Rohre“, erklärt Arntz. Quasi für Notfälle und als Reserve.

Sieben Millionen Mark hatte sich Rees damals den Anschluss ans moderne und größere Hönnepeler Klärwerk kosten lassen. Die Anlage in Millingen wurde gleich geschlossen, die in Haffen-Mehr vor vier Jahren. Heute leitet Rees, ähnlich wie Kalkar, jährlich gut eine Million Kubikmeter Abwasser durch die 3,5 Kilometer lange Rohrleitung nach Hönnepel.

„Das klappt alles problemlos, seit Jahren“, freut sich Arntz. Alle zwei Jahre wird durch eine Spezialfirma per Echo-Lot gecheckt, ob die Leitungen noch schön am Boden liegen und nicht etwa den Schiffsverkehr gefährden. Und jährlich erfolgt per Luftdruck eine Dichtigkeitsprüfung. Alles bisher ohne Beanstandungen, wie Bau-Ingenieur Frank Tielkes bestätigt.

Gegen Ende des Jahres lässt dann auch Xanten das Abwasser aus Vynen und Marienbaum, etwa 200 000 Kubikmeter, in der Anlage des Abwasserbehandlungsverbandes Kalkar-Rees säubern. „Das Schmutzwasser aus Obermörmter wird hier schon lange gereinigt“, ergänzt der Betriebsleiter.

Reserven habe die Anlage trotz der neuen Einleiter noch ausreichend. Arntz: „Sowohl für Gewerbeansiedlungen als auch für eine wachsende Einwohnerzahl.“

Über einen neuen Düker müssen sich die Verantwortlichen in beiden Städten wohl vorläufig keine Gedanken machen. Soll die Abwasserleitung doch eine Lebenserwartung von mindestens 50 Jahren haben.