330 Kilo Marihuana wanderten von Rees nach Berlin

In der Schwanenburg steht seit Montag ein Reeser Geschäftsmann vor dem Landgericht.
In der Schwanenburg steht seit Montag ein Reeser Geschäftsmann vor dem Landgericht.
Foto: Kleve
Was wir bereits wissen
Vor dem Landgericht Kleve muss sich ein Geschäftsmann aus Rees verantworten, der Kurierfahrten mit insgesamt 330 Kilogramm an Marihuana-Blättern nach Berlin organisiert haben soll.

Kleve/Rees..  Gut 330 Kilogramm Marihuana-Blätter sind kein Pappenstiel. Der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby beschäftigte sich zum Auftakt des Landgerichtprozesses gegen einen vermeintlichen Drogen-Vermittler aus Rees erst einmal mit Kopfrechnen, um bei 23 bekannten Fällen die Übersicht zu behalten. So oft fuhr der Kurierwagen zwischen Rees und Berlin, um Betäubungsmittel vor Ort abzuliefern. Nicht unter zehn Kilogramm die Fracht übrigens. „Weniger lohnte sich einfach nicht“, erklärte der Angeklagte D., der am 10. Juni nach einer weiteren Zeugenaussage das Urteil zu erwarten hat.

Fettentsorger in Frankfurt/Oder

Im Schwurgerichtssaal der Schwanenburg galt es herauszuarbeiten, welche Rolle dem nicht vorbestraften Reeser Geschäftsmann im Drogen-Geschäft zufiel. Der 48-jährige Niederländer, der beruflich beim Zoll und als Spediteur in ‘s-Heerenberg, als Fettentsorger für BurgerKing in Frankfurt/Oder und zuletzt im Baumaschinengewerbe in Rees gearbeitet hatte, sitzt seit dem 13. Januar in Untersuchungshaft.

Offenbar fungierte er mindestens von August 2013 bis Juni 2014 auf dem Firmengelände als Vermittler der Drogenfahrten. Kassierte hierfür vierstellige Provisionen. Dass seine drei Firmen-Gesellschaften offenbar insolvent sind, ist nicht nur der Verhaftung zuzuschreiben: „Mein Geschäftsführer hat sich die Taschen gefüllt. Ich brauchte Geld.“

„Hans“, so nannte der Angeklagte seinen Hauptauftraggeber im Drogengeschäft, hatte er kennengelernt, als dieser bei ihm im Frühsommer 2013 ein Stromaggregat kaufen wollte. „Wir kamen ins Gespräch. Ich sollte für ihn Disponent sein, zumal ich auch Kontakte nach Berlin hatte, wo er das Rauschgift anbot. Dort hatte er mit seinen Leuten Probleme.“ Mehr wollte der Angeklagte zu „Hans“, der die Marihuana-Pflanzen offenbar in Deutschland anbaut, diese aber als „hochwertiges Holland-Gras“ anpreist, nicht sagen. Aus Sicherheitsgründen.

„Hans“ lieferte portionierte Blätter nach Rees. Von dort düsten niederländische Kurierfahrer gen Berlin. Der Angeklagte vermittelte die Ware telefonisch an seinen alten Arbeitskollegen K. aus Frankfurter Zeiten. Meist zu einer Werkstatt im Stadtteil Schöneiche. Oder ins Gewerbegebiet Vogelsdorf.

Bei der letzten Fahrt in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2014 griff die Polizei in Berlin zu, fand drei Reisetaschen mit 14,1 Kilogramm Marihuana. Der Leihwagen war mit einem GPS-Sender versehen worden. Nach einem verdeckten Hinweis Ende 2013 hatte das BKA Brandenburg sich des Drogenfalles angenommen. „Da haben wir uns mühsam das Bild der Beteiligten zusammengepuzzelt“, wie die als Zeugin aussagende Kriminalhauptkommissarin aus Brandenburg erklärte.

Die Berliner Beteiligten wurden verurteilt. K., der als Händler vier Abnehmer vor Ort belieferte, erhielt, wie auch ein D. bekannter Kollege, fünf Jahre Freiheitsentzug. Einer der Fahrer bekam zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung.

„Postkarte“ für „Folie“

Kommuniziert wurde zwischen den mindestens fünf handelnden Drogen-Beteiligten stets verschlüsselt. Geld hieß beispielsweise „Dokument“ oder „Postkarte“. Ein Kilo Marihuana wurde als „Palette“ betitelt. Der Kilopreis schwankte zwischen 3600 und 3900 Euro. Die Beteiligten redeten sich mit Spitznamen an: „Kutte“, „Folie“, „Lexie“, „Hose“ oder auch „Cheffe“.

Wer wer war, entschlüsselte die Zeugin. Berichtete dazu von 28 weiteren Drogen-Fällen, die ermitteln worden seien: „Die Fahrten via Rees haben vermutlich schon im August 2012 angefangen.“