20 Tonnen in der Schwebe

Emmerich..  Albert Tenbusch hatte gestern am späten Nachmittag seinen Autokran zügig an der Rheinpromenade 4, direkt vor der Brasserie, in Stellung gebracht. Der 64-Tonner der Bocholter Firma Schares, der auf hundert Kilometern satte 90 Liter Sprit schluckt, stand dann zwei Stunden lang krankenartig, aber unbeweglich im Regen herum. Tenbusch musste auf den Lastkraftwagen für Schwertransporte warten. Dann erst konnte der 55-Jährige den vor siebeneinhalb Wochen beschädigten Rhein-Steiger an den Haken nehmen und auf den Lkw umladen.

Das rund 20 Tonnen schwere Teil lag seit dem 2. Februar, als ein niederländisches Motorschiff wegen eines technischen Defekts gegen den Steiger geknallt war, gesichert an der Flussböschung. Gestern Nachmittag hievte der Kran die vielleicht zehn Meter lange Reling über die Promenade hinweg auf den Lastkraftwagen.

Die Gefahr, der Kran könnte bei der Aktion in den Rhein kippen, bestand nicht. Tenbusch hatte sich zweimal sechs Tonnen an Gegengewicht auf sein Arbeitsgefährt geladen. „Wenn Gefahr im Verzug gewesen wäre“, erklärte der Bocholter hinterher schmunzelnd, „hätte mir das der Bordcomputer umgehend gemeldet.“ Der blieb allerdings, zum Glück, stumm.

Der Transport ging gestern Abend gegen 22 Uhr dann nach Andernach in Rheinland-Pfalz. Dort hat die 1924 gegründete Firma SBS ihren Sitz. Das Unternehmen, das Boote und schwimmende Anlagen hergestellt, wird den Steiger untersuchen. Und das sichtbar zerbeulte Geländer reparieren. „Wir werden den gleichen Steiger bei uns wieder anmontieren“, versichert Emmerichs Promenadenmeister Emanuel Boywitz.

Rund vier Wochen dürfte die Lieferzeit der funktionstüchtigen kleinen Seebrücke dauern. „Je schneller der Steiger zurück ist, desto besser für uns. Wir haben schließlich schon eine Menge Schiffsanlege-Anfragen – gerade für die anstehende Sommer- und Ferienzeit“, betont Boywitz.