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Eine große Kunst: Verulken ohne zu beschädigen

15.04.2009 | 20:50 Uhr
Eine große Kunst: Verulken ohne zu beschädigen

Siegen. (Loh) Bei dieser prallen Opernparodie im Biennale-Festzelt dachte niemand ans „Verlieren”. „Don Giovanni á trois!” ist die Reduzierung eines großen Musikdramas auf die geringstmögliche Besetzung: Zwei Sänger (Sabine Fischmann, Michael Quast) und ein Klavierspieler (Theodore Ganger).

Jeder von den dreien kann sich noch mit anderen Fähigkeiten sehen und hören lassen, wie die fast zweistündige Vorstellung bewies. Es war eine großartige Idee der Festspielmacher, ihrem treuen Publikum auch etwas Heiteres zu bieten, und das gleich in hoher Vollendung. Denn was sich hier als musikalische Substanz dem Publikum mitteilte, stand jenseits aller kritischen Nörgelei. Und was noch hinzukam aus einem Füllhorn komödiantischer Einfälle, umgesetzt mit äußerster Bühnendisziplin, entzieht sich fast der Möglichkeit einer Beschreibung.

Greifen wir eine Szene heraus: Don Giovanni will Donna Elvira ein Ständchen bringen. Dafür macht die Sängerin sich steif wie ein Brett und legt sich über die Oberschenkel des Partners, so dass dieser sie als Gitarre benutzen kann. Er greift und zupft, sie imitiert virtuos die Gitarrenmelodien, während er seinen Standardverführungssong singt.

Oder eine andere Glanznummer: die Verwandlung der hoch timbrierten Donna Anna in ihren eigenen Vater, den schwarzbassigen Komtur. Da lässt sie ihre Stimme in die tiefsten Tiefen ihres Körpers fallen, verdreht die Augen und schneidet unheimliche Grimassen, an denen das Publikum seine helle Freude hat – beim ersten Auftritt des Alten, beim zweiten und noch beim dritten.

Im Grimmassieren sind beide phänomenal und ebenso im Gestikulieren. Aber noch umwerfender ist ihre Kunst des stimmlichen Registerwechsels, wenn sie in Sekundenschnelle von einer Rolle in die andere wechseln müssen, ohne dass das Publikum Mühe hätte, sich im Stück zurecht zu finden.

Leporello sächselt, Ottavio winselt

Er lässt den Leporello sächseln, den Giovanni tönen, den Ottavio winseln und den Masetto schweigen. Sie gibt die Donna Anna theatralisch, die Elvira zänkisch und die Zerline görenhaft mit modischem Jargon. So bekommt der Zuhörer gleich eine Charakter-analyse der handelnden Personen, auch wenn der Belcantogesang dabei (meistens) auf der Strecke bleibt.

Natürlich präsentieren die Künstler eine Kurzfassung von Mozarts „Don Giovanni” – respektlos, aber griffig ins Deutsche übersetzt. Vielleicht hat es bei dem einen oder anderen an dieser oder jener Stelle „Klick” gemacht und einen Erkenntnisblitz ausgelöst: So klar habe ich das noch nie gesehen.

Parodie als neugierige Annäherung an das Original. Jetzt muss eine gute Originalaufführung von „Don Giovanni” ins Apollo kommen.

Knut Lohmann

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