Zum Arbeitskampf bereit
05.03.2008 | 19:39 Uhr 2008-03-05T19:39:20+0100WARNSTREIK. Rund 6000 Beschäftigte des öffentlichen Diensts aus Duisburg und vom Niederrhein haben sich gestern zu einer Großkundgebung auf dem Burgplatz am Rathaus versammelt.
Die Temperaturen waren eisig, gestern morgen auf dem Burgplatz vor dem Rathaus. Doch die Gemütslage der 5000 bis 6000 im zornigen 24-Stunden-Warnstreik versammelten Beschäftigten des öffenlichen Dientes aus Duisburg und vom Niederrhein war hitzig. "Alles wird teurer, wir auch", skandierten immer wieder vor allem die Erzieherinnen der 75 warnstreikenden städtischen Kindergärten. Dick vermummt in warmen Jacken und zugleich bestückt mit lärmenden Trillerpfeifen, großen Plakaten, heulenden Sirenen, roten Verdi-Fahnen und tausenden von knallroten Protest-T-Shirts, zeigten sich gestern die Busfahrer, die Klinik-Beschäftigten, die Stadtwerker, die Sparkassenangestellten, die Autobahnmeister, die Altenpfleger, die Verwaltungsangestellten, die Fleischbeschauer, die Müllwerker, die Arbeitsberater, die Studentenwerker und natürlich die Erzieherinnen der Kitas zum Kampf bereit.
Vor der 5. Tarifrunde am heutigen Donnerstag und dem morgigen Freitag in Potsdam hat Verdi, Deutschlands größte Gewerkschaft, auch in Duisburg und am Niederrhein die Mitarbeiter vom Bund und den Kommunen zu einem 24-Stunden-Warnstreik aufgerufen.
Und nicht nur aus Duisburg, sondern auch aus Kleve, Wesel, Hamminkeln, Schermbeck, Dinslaken und aus Voerde waren protestierende Arbeitnehmer gekommen.
Marsch durch die Innenstadt
Bereits am Morgen waren in zwei eindrucksvollen Protestkolonnen je 3000 Demonstranten in Hochfeld am städtischen Betriebshof bzw. in Kaßlerfeld am DVG-Gelände am Unkelstein gestartet und dann lautstark durch die Innenstadt gezogen.
Achim Meerkamp, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand, erneuerte auf der Kundgebung noch einmal die Forderung nach acht Prozent mehr Lohn und von mindestens 200 Euro mehr pro Monat, gerade "für die unteren Lohngruppen". Er wies die Abwehrhaltung der öffentlichen Arbeitgeber, die von "maßlosen Gewerkschaftsforderungen" sprächen, zurück und geißelte vielmehr die jüngste "Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten" (+ 9 %), die "Aldi-Milliarden", von denen die Mitarbeiter nichts abbekämen oder die Steuerflucht der vermeintlichen Eliten als tatsächliche Fälle von "krasser Maßlosigkeit".
Es sei der öffentliche Dienst, so rief Meerkamp, der diese Gesellschaft im Takt halte. "Und wir sorgen jetzt dafür, dass dieses Personal auch ordentlich bezahlt wird." Sollten die Verhandlungen morgen scheitern, werde es keine 6. Verhandlungsrunde mehr geben, dafür aber einen unbefristeten Streik.
Achim Loose, Vertrauensleute-Sprecher bei den Wirtschaftsbetrieben Duisburg, skizzierte vor den versammelten 6000 deshalb schon mal ein Szenario von einem Gebirge von stinkendem Müll, den die Müllwerker nicht mehr abholen würden. Neapel, so Loose, sei "ein Kindergarten dagegen". Einziger Wermutstropfen: Den Müll, den die Müllwerker gestern nicht abgeholt hat, müssen sie am Samstag nachträglich einsammeln. Loose: "Eine solche Panne passiert uns nicht ein zweites Mal."

06:14
Der Streik gegen die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes (wer ist das denn überhaupt?) richtet sich in jedem Fall gegen die Bürger selbst. Sei es, dass sie während des Streikverlaufs auf Kosten getrieben werden (teure Taxifahrten), sei es, dass sie hernach an den höheren Lohnkosten durch Preiserhöhungen beteiligt werden.
Das heißt nicht, dass die geforderten höheren Löhne nicht voll und ganz gerechtfertigt wären. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind schließlich unerträglich angestiegen. Das heißt nur, dass die Methode der Streikmaßnahmen den Falschen trifft.
Wieso werden die Bürger und Kunden des öffentlichen Dienstes als das schwächste Glied in der Kette in Geiselhaft genommen, obwohl man den anonymen Arbeitgeber treffen möchte?
Man sollte doch bitte die Bürger verschonen, die allermeist ein deutliche Verständnis für die Anliegen der Streikenden äußern. Man sollte z.B. Beispiel Busse und Bahnen fahren lassen, aber man sollte nicht mehr kassieren. Man hat das beispielsweise schon durchexerziert, als man in einzelnen Städten keine Knöllchen verteilt hat.