Zugriff in Sekundenschnelle
13.02.2012 | 17:20 Uhr 2012-02-13T17:20:00+0100
Duisburg.Der Zugriff erfolgt um genau 10.58 Uhr im Rotlichtviertel am Rande der Altstadt: Dort, auf dem Innenhof eines Eros-Centers, warten rund 20 maskierte und schwer bewaffnete Kräfte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei, um einen 29-Jährigen festzunehmen. Der in Berlin gemeldete deutsche Staatsbürger soll zum Dunstkreis der Rockerbande „Hells Angels“ gehören. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl des Amtsgerichts Potsdam wegen versuchten Totschlags vor. Laut WAZ-Informationen hat der Beschuldigte seit Mitte Dezember in Meiderich gelebt. Als er sich von den Beamten umstellt sieht, lässt er sich widerstandslos festnehmen .
Montagvormittag, die Vulkanstraße in der Altstadt: Der Tatverdächtige, der seit Tagen von der Polizei observiert wurde, kommt mit seinem Kleinwagen auf besagten Innenhof gefahren. Es ist ein roter Smart, auf dessen Türen an beiden Seiten große, schwarze Aufkleber prangen, die für ein Eros-Center werben. Dann geschieht alles in Bruchteilen von Sekunden: Aus Zivilfahrzeugen und Verstecken springen die SEK-Kräfte heraus. Einige mit Jeans, Tarnfleckjacke und Wollsturmhaube bekleidet. Andere erinnern in ihren dunkelgrünen, dick gepolsterten Kampfanzügen und Helmen mit fest verschlossenem Visier eher an Kampfjet-Piloten. Alle haben ihre Waffe gezogen. Der Gesuchte ist perplex, leistet keinerlei Widerstand. Die Beamte fixieren und durchsuchen ihn. Beamte mit gezogenen Schusswaffen sichern diese Szenerie ab. Es ist noch nicht 100-prozentig klar, ob irgendwo in den umliegenden Rotlicht-Gebäuden eventuell Unterstützer lauern. Doch alles bleibt ruhig.
"Unsere Kräfte haben den Haftbefehl vollstreckt"
Einige der Damen, die in diesem Etablissement ihr Geld verdienen, drücken sich an den Glasscheiben die Nase platt, um die Verhaftung und das Großaufgebot der Polizeikräfte aus sicherer Distanz zu beobachten. Hinaus auf den Hof traut sich niemand. Und hinein darf auch niemand mehr: Kräfte der Duisburger Polizei haben mit einem Mannschaftswagen den Weg in die Toreinfahrt versperrt.
Nach wenigen Minuten wird der Gesuchte – er trägt eine weiße Steppjacke, dunkle Jogginghose, weiße Turnschuhe und eine braune Strickmütze – abgeführt. Auffällig ist die Tätowierung in seinem Gesicht. Er verzieht keine Miene, als ihn zwei Beamte zu einem Pkw geleiten, der ihn zur JVA Duisburg bringt. Wann er nach Potsdam überstellt wird, stand gestern noch nicht fest. „Unsere Kräfte haben den Haftbefehl vollstreckt“, erklärte Polizeisprecher Ramon van der Maat nach dem Einsatz. Mit dem erst kürzlich aufgeflammten Streit zwischen den Rocker-Banden „Hells Angels“ und „Bandidos“ , in dessen Rahmen es in Mönchengladbach zu einer Massenschlägerei mit zwei Schwerverletzten gekommen war, habe dieser Fall aber nichts zu tun.
"Ein stiller, unauffälliger Mann"
Weiter nach Meiderich: In einer Mietswohnung in einem Mehrfamilienhaus auf der Koopmannstraße hatte der Mann in den vergangenen Wochen gelebt. Laut einer Nachbarin, die seit 15 Jahren dort wohnt, sei der Festgenommene dort kurz vor Weihnachten eingezogen und hätte auch den gesamten Januar dort verbracht. Er sei „ein stiller, unauffälliger Mann“ gewesen, beschreibt die Frau den Nachbarn aus dem Erdgeschoss. „Wir haben nur einige Male im Hausflur miteinander gesprochen.“ Ein anderer Anwohner, der quasi Tür an Tür mit dem Verhafteten lebt, sagte, dass er nur einmal Kontakt zu dem Mann hatte. Thema: die von ihm vernachlässigte Flurreinigung.
