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Trödel

Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier

26.05.2012 | 12:00 Uhr
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
Trödelmärkte wie hier auf der Mühlenweide erfreuen sich großer Beliebtheit. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Die Einzelhandelsverbände kritisieren, dass auf Trödelmärkten zu viele Neuwaren angeboten werden und fordern mehr Kontrollen. Die Veranstalter fürchten deshalb bei Verboten für gewerbliche Verkäufer um den Fortbestand der Märkte.

„Gleiches Recht für alle“, fordert der Einzelhandelsverband Ruhr von der neuen rot-grünen Landesregierung und zieht damit gegen Trödelmärkte zu Felde (die NRZ berichtete). Geschäftsführer Marc André Heistermann kritisiert, dass Rot-Grün die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage auf vier pro Jahr und Stadt begrenzen will, die Trödelmärkte aber unangetastet lässt. Und das, obwohl auf manchen dieser Märkte laut Heistermann bis zu 90 Prozent Neuwaren verkauft werden. Auch Lebensmittel bieten kommerzielle Händler sonntags auf den Märkten an. Eine klare Wettbewerbsverzerrung für den ortsansässigen Handel, der nur an wenigen Sonntagen öffnen darf.

Palettenweise Joghurt

„Ich kann nur voll unterstreichen, was der Kollege da kritisiert“, springt Wilhelm Bommann , Geschäftsführer des Niederrheinischen Einzelhandelsverbands, zu dem auch Duisburg gehört, Heistermann zur Seite. „Es ist ja zum Teil auch noch so, dass diese Trödelmärkte auf dem Gelände unserer Verbandsmitglieder stattfinden.“ Deren Beschwerden über diese Benachteiligung sind auch Bommann bestens bekannt. „Wohlgemerkt, wir haben nichts gegen Trödelmärkte, auf denen Privatpersonen ihre alten Schätzchen aus dem Keller verkaufen und mit dem Bobbycar ihres inzwischen erwachsenen Sohnes ein paar Euro machen.“ Trödeln sei ein Hobby, eine Freizeitbeschäftigung. „Aber es hat nichts mit Trödel zu tun, wenn man auf solchen Märkten Neuwaren und palettenweise Joghurt kaufen kann“, so Bommann.

Hinzu komme, dass es noch weit größeren Missbrauch dieser Märkte gebe. „Es tauchen immer wieder Händler auf, die Waren dubioser Herkunft anbieten, die keinen Nachweis haben, woher sie ihre Waren bezogen haben“, sagt Bommann. „Das ist teilweise Schwarzhandel , was da betrieben wird.“ Vor Jahren bei einer Begehung mit dem Zoll und dem Ordnungsamt habe man in Duisburg sogar unversteuerte Zigaretten im Angebot eines Trödelmarktes entdeckt. „Es ist mal an der Zeit, solche Kontrollen wieder durchzuführen, denn die Beschwerden häufen sich.“

Gegen Kontrollen hat auch Uwe Gerste, Geschäftsführer der Duisburg-Marketing GmbH nichts. Die DMG organisiert regelmäßig einen der größten zweitägigen Trödelmärkte in Duisburg auf dem Parkplatz des MSV-Stadions. „Bei uns beträgt der Anteil der gewerblichen Verkäufer höchstens 30 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche“, betont Gerste. Bei den Gewerblichen sei der Sonntag in der Tat beliebter als der Samstag. „Aber dafür zahlen die auch deutlich höhere Gebühren als private Anbieter“, gibt Gerste zu bedenken. An Samstagen werden pro Meter von Privatkunden acht Euro, von gewerblichen Anbietern zehn Euro verlangt. An Sonntagen steigen die Gebühren auf 13 und 15 Euro.

Verbote würden die Wirtschaftlichkeit gefährden

Die gewerblichen Anbieter nähmen also nur 30 Prozent der Fläche in Anspruch, trügen aber zu fast 50 Prozent der Standgebühren bei. „Wer da mit Verboten eingreifen will, gefährdet die Wirtschaftlichkeit von Trödelmärkten und damit ihren Fortbestand“, mahnt Gerste. Allerdings bleibt er momentan noch relativ entspannt. „Der neue Landtag hat sich noch nicht einmal konstituiert. Von einem möglichen Gesetzgebungsverfahren sind wir noch recht weit entfernt.“

Kaufmann Joseph Nieke, der sich auf die Veranstaltung von Trödelmärkten spezialisiert hat und seit kurzem den traditionellen großen Trödelmarkt an der Mühlenweide organisiert, hat kein Verständnis für den Ruf nach Verboten. „Da werden mal wieder Existenzen gefährdet“, wettert der Rheinhauser. Alleine in seinem Betrieb stünden im Falle eines Verbotes sonntäglicher Trödelmärkte, wie es seit kurzem in Rheinland-Pfalz besteht, 14 Arbeitsplätze zur Disposition.

„Dabei schadet so etwas vor allem den Schaustellern, die die großen Trödelmärkte im öffentlichen Raum beschicken“, zweifelt er am Sinn entsprechender Vorschriften. „Veranstaltungen auf Privatgelände werden von der Gesetzgebung des Landes doch gar nicht erfasst.“ Praktisch hieße das, dass traditionelle Trödelmärkte wie am Stadion oder auf der Mühlenweide verschwinden würden, an privaten Veranstaltungsorten auf diversen Firmenparkplätzen aber alles beim Alten bliebe.

Ulla Saal und Bodo Malsch


Kommentare
29.05.2012
08:00
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von supertina | #19

Schaue gerne Trödelmarkt, aber nie kaufen :)

28.05.2012
21:22
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Name von Moderation entfernt | #18

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28.05.2012
21:16
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Name von Moderation entfernt | #17

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28.05.2012
20:10
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von Nutzer1472 | #16

Soll rot-Grün vielleicht noch eBay oder gleich das ganze Internet verbieten?
Sollen die Bäcker nicht besser sonntags geschlossen bleiben? Brötchen kann man auch am Samstag bei EDE... Oder einem anderen EKZ kaufen, einfrieren und sonntags auftauen!
Sollen dann auch Tankstellen sonntags nur noch Benzin verkaufen? Man kann doch darauf achten das man immer genug Vorräte hat dann muss man da auch sonntags nichts kaufen.

28.05.2012
16:58
dauerschreiber nutzer 1472
von bauhaus11 | #15

auch wenn der (oder die) genannte hier andauernd schreibt bleibt festzuhalten, dass mit auf dieser art "trödelmärkten" angebotenen neuware dem einzelhandel unzulässige konkurrenz außerhalb der gesetzlich zugelassenen öffnungszeiten gemacht wird. das man das so lange ohne wirksam dagegen vorzugehen hat "einreissen" lassen, ist ein skandal. und es ist zeit, dieses umgehen gesetzlicher vorschriften unmöglich zu machen. wenn veranstalter darauf ihre märkte bauen, haben sie eben auf sand gebaut. so können sie sich auf den eigentlichen wert solcher veranstaltung besinnen. ich besuche diese art märkte gar nicht mehr - alles voller cd-seifen, nivea-kunststoffflaschen, billig-getränken, einfach-bekleidung etc.. wer das kaufen möchte, für den gibt es genügend entsprechende groß-discounter, die in der regel die gesetzlichen öffnungszeiten auch ausreizen, um sich dort, meist noch mit auswahlmöglichkeiten, bedienen zu können. schauen sie nur nach KR zum flachsmarkt jetzt an pfingsten - so gehts!

28.05.2012
16:47
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von dr_john_becker | #14

Zum Vorredner: Natürlich MUSS niemand hingehen. Aber Interessenten / Besucher werden ja bewusst getäuscht bzw. verarscht, denn da, wo Trödelmarkt draufsteht, ist eben KEIN Trödelmarkt drin. Insofern müssten diese Märkte andere Namen tragen und dürften auch nicht mehr unter das Trödelrecht fallen.

28.05.2012
16:46
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von dr_john_becker | #13

Fakt ist, dass die meisten Trödelmärkte hier eben KEINE Trödelmärkte mehr sind, sondern schlichtweg Märkte - mit Trödel haben aber die Waren, die dort angeboten werden, leider überhaupt nichts (mehr) zu tun.

Als jemand, der liebend gerne mal wieder einen ECHTEN Trödel- bzw. Flohmarkt erleben würde, würde ich strenge Kontrollen SEHR, SEHR begrüßen! Auch sei angemerkt, dass viele Sonntagsmärkte schon um 09:00 Uhr oder auch früher öffnen, obwohl dies illegal ist.

28.05.2012
15:23
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von Nutzer1472 | #12

auch zum Nachdenken und auch schon öfter hier gelesen: die meisten Märkte sind Jahrmärkte auf denen ausdrücklich Neuwaren angeboten werden sollen und MÜSSEN!

Wer keine neuen Sachen sehen oder kaufen möchte sollte einfach nicht hin gehen!? Es besteht kein Zwang diese Märkte zu besuchen.

28.05.2012
09:54
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von Pit01 | #11

Wie schon an anderer Stelle kommentiert, aber zum Nachdenken: Trödel ist alter Kram vom Speicher und Keller und oft von Privatleuten ( auch tw. Händler ) angeboten. Neuwaren sind für mich kein Trödel, also uninteressant.

1 Antwort
Zu viel Neuware - Trödelmärkte im Visier
von Nutzer1472 | #11-1

auch zum Nachdenken und auch schon öfter hier gelesen: die meisten Märkte sind Jahrmärkte auf denen ausdrücklich Neuwaren angeboten werden MÜSSEN! Wer keine neuen Sachen sehen oder kaufen möchte sollte einfach nicht hin gehen!?

28.05.2012
00:22
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Name von Moderation entfernt | #10

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