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Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim

30.01.2011 | 10:07 Uhr
Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim
Der Blaue See am Rande von Bissingheim. Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg.Eisenbahner waren die ersten Einwohner Bissingheims. Rund um den Stadtteil gibt es nur Wald. Oder die Eisenbahn. Eine eigene Bahnlinie sorgt halbstündlich für Verbindung mit der City.

„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“ heißt’s so schön im Volkslied. Und wo sich in Bissingheim die Straßen „Am Brunnen“ und „Vor dem Tore“ treffen, das steht sie tatsächlich, die Linde in ihrer Pracht. Ein paar Schritte weiter, beginnt der Rundgang durch einen Stadtteil, der noch mehr Besonderheiten aufweist. Zum Beispiel, dass es keinen Nachbarstadtteil gibt. Rundum ist Wald oder die Eisenbahn. Die sorgt für die nächste Besonderheit: Bissingheim ist über eine eigene Bahnlinie mit dem Hauptbahnhof verbunden: Halbstündlich geht der „Entenfang-Express“ auf seine Sechs-Minuten-Reise.

Zurück zum Markt, gerade herausgeputzt aus Mitteln des Konjunkturpakets. Läden rundum, Bäcker, Metzger, Lebensmittelladen, Gaststätte, Imbiss, Pizzeria, Eisdiele – mehr als in manch anderem Stadtteil. Nur ein Discounter fehle, sagt Karla Rixfähren, die mich durch „ihren“ Stadtteil führt. Auch Post und Sparkasse hätten Bissingheim verlassen. „Es ist sehr vieles nicht mehr da.“

Duisburgs Stadtteile III

Karla Rixfähren wohnt in dem Haus, das ihr Großvater 1935 gebaut hat. Eisenbahner war er, wie so viele in Bissingheim. Oder eigentlich fast alle. Arbeit bot das nahe Ausbesserungswerk Wedau .

Infos
Bissingheim in 60 Sekunden

Bissingheim gehört zum Stadtbezirk Süd und hat nach amtlichen Angaben 3234 Einwohner, davon sind 1688 weiblichen und 1546 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 5,9 Prozent.

Seinen Namen verdankt der Stadtteil Moritz Ferdinand Freiherr von Bissing, der 1916 unbesiedeltes Gelände für Wohnbebauung stiftete. Auf Betreiben des Siedlungs-Pioniers Hermann Grothe entstanden 1918 die ersten Wohnungen, die überwiegend für Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Kinderreiche vorgesehen waren. 90 Prozent der frühen Bissingheimer waren Eisenbahner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch Verlagerung des Sportplatzes noch einmal Platz geschaffen für eine weitere Bebauung.

„Verlaufen kann man sich hier nicht. Es ist ein Dorf“, sagt Karla Rixfähren. Und erwähnt eine weitere Besonderheit: „Bei uns gibt es keine Ampeln.“ Vorsichtig fährt man dennoch auf den schmalen Straßen, Tempo 30 gilt stadtteil-weit.

Trauerweiden säumen das Ufer des Blauen Sees, der einst Baggersee war und jetzt Angler-Paradies ist und im Sommer Ort für alle, die Sonne und Wasser lieben. „Es ist ein Garten-Stadtteil“, beschreibt meine Führerin Bissingheim. Große Grundstücke sollten früher die Selbstversorgung mit Obst, Gemüse, Kleinvieh sichern, heute sind die Äcker hinterm Haus fast vollständig gepflegten Ziergärten gewichen.

Einstöckig, zweistöckig sind die Häuser mit wenigen Ausnahmen. Ein einziges Hochhaus gibt’s, mit acht Etagen auch kein Riese. Große Teile des Stadtteils stehen unter Denkmalschutz.

Zwei kleine Kirchen passieren wir, eine Grundschule gibt’s, die älteren Kinder müssen per Bus zur Schule – oder mit dem „Entenfang-Express“. Fußball, Handball, Tennis bietet der ETuS Bissingheim (www.etus-bissingheim.de), der Eisenbahner-Turn- und Sportverein. „Da wird wirklich viel geboten“, lobt Karla Rixfähren. An anderen Angeboten für die Jugend könnte es dagegen mehr geben.

Duisburgs Stadtteile II

Viele Bissingheimer kennen sich seit Kindertagen, oft lebten Eltern und Großeltern schon im Stadtteil. Rixfähren: „Die Nachbarschaft ist wichtig. Man kennt sich, man hilft sich.“ Beispielsweise, wenn der Baumschnitt ansteht.

Auch Traditionen werden nach wie vor gepflegt. Zum Martinszug leuchten Laternen in den Fenster, ein Maibaum wird aufgepflanzt, und auch einen Weihnachtsmarkt gibt es, wenn auch nur für einen Tag.

„Berglehne“ und „Waldlehne“ heiße zwei idyllisch Sträßchen, der Wald liegt vor der Tür, und der Fliegerberg gilt als „schnellste Rodelbahn Duisburgs“. Wobei: Eigentlich liegt er schon auf Mülheimer Gebiet. Wie auch der strandleben-versprechende Entenfang. Aber, so erfahre, es gibt auch ein „gefühltes Bissingheim“.

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Und ein kämpferisches Bissingheim: Auf die Barrikaden ging der Stadtteil, als Pläne bekannt wurden, die Bebauung zu verdichten, neue Häuser zwischen die bestehenden zu bauen – zu Lasten des Grüns. „Ich kenne hier keinen, der das will“, berichtet Karla Rixfähren: „Bis jetzt haben wir’s aufhalten können.“ Leerstand ist ein Fremdwort zwischen A3 und Eisenbahn: „Die Häuser hier sind unglaublich begehrt.“

Im Süden des kleinen Bissingheim ist dennoch noch Platz für ein innerörtliches Buchenwäldchen mit alten Bunkern zwischen den Bäumen, ein Abenteuerspielplatz für Generationen von Kindern.

Duisburgs Stadtteile I
Bilder aus 112 Jahren Stadtgeschichte in...
Duisburgs Stadtteile IV

Fazit von Karla Rixfähren nach unserem Rundgang: „Man kann hier toll wohnen.“

Willi Mohrs

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Kommentare
03.04.2011
18:04
Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim
von DU-KE | #4

wer mehr Informationen über Bissingheim lesen möchte, kann ja mal auf duisburg-bissingheim.de vorbeischauen.

31.01.2011
09:09
Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim
von teufelchen1 | #3

Ja leider stimmt das nur zu genau!

Wir wohnen auf der alten Berglehne und müssen immer wieder feststellen dass die Eltern oft die schlimmsten Raser sind die ihre Kinder am Kindergarten abholen möchten,

Aber Rücksicht und Zeit für Kinder und ältere Menschen ist ja so selten geworden!

30.01.2011
23:14
Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim
von fami.lie | #2

Danke für diese nette Liebeserklärung an unseren Stadtteil!!!

Vehement muss ich leider dem Passus:

Bei uns gibt es keine Ampeln.“ Vorsichtig fährt man dennoch auf den schmalen Straßen, Tempo 30 gilt stadtteil-weit.

widersprechen! Das stimmt nicht. Leider wird hier oftmals regelrecht gerast! Vor allem bei dem neuen Dorfplatz, der eine ausgewiesen verkehrsberuhigte Zone aussweist, ist die Raserei, leider direkt vor unserer Grundschule, zu oft zu beobachten!!

30.01.2011
17:29
Zu Besuch am Blauen See in Bissingheim
von teufelchen1 | #1

Anmerkung zu dem Bericht über Bissingheim von einem Bissingheimer Bürger:
Der Zug heisst DER WEDAUERund fährt nur stündlich(zweimal täglich 1/2 stündlich für die Schüler)

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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