Zoo Duisburg ist jetzt Motiv auf "Null"-Euro-Schein

Michael Kamela (l.), Franz Krafzel und Giraffenbulle Kiringo präsentieren den Null-Euro-Schein.
Michael Kamela (l.), Franz Krafzel und Giraffenbulle Kiringo präsentieren den Null-Euro-Schein.
Foto: Funke Foto Services
Ein Wertpapier-Unternehmen produziert besondere Banknoten und löst unter Sammlern einen Boom aus. Erstes deutsches Motiv: der Duisburger Zoo.

Duisburg.. Franz Krafzel schmunzelt. „Vor einer Woche war ein Franzose bei uns“, erzählt der Gastronom und Shop-Besitzer im Duisburger Zoo. „Und er hat über 300 Geldscheine gekauft. Als er dann rund 1000 Euro bezahlt hat, konnten das die anderen Kunden kaum glauben.“ Geldscheine kaufen? Normalerweise sind die Banknoten ja eher Mittel zum Zweck. Das ist seit dem 30. März hier in Duisburg anders: Giraffenbulle Kiringo, Tiger Elroy und das Koalamännchen Thalera sind die Stars des neuen Null-Euro-Scheins, den zudem der Aufdruck „Zoo Duisburg“ ziert. Eine Rarität mit keinem nominellen, aber hohem individuellen Wert.

Verblüffend echtes Aussehen

„Viele unserer Besucher sind verwirrt“, freut sich Krafzel über die gelungene Marketingidee. „Man bekommt das Getuschel im Shop ja mit. Viele fragen sich, ob das legal ist.“ Denn der Duisburger Null-Euro-Schein sieht verblüffend echt aus – und er ist tatsächlich so echt, wie es nur geht. Und in Frankreich ist er gar heiß begehrt: Von dort kommt die Idee. Seit 2015 stellt die französische Wertpapierdruckerei Oberthur, weltweit drittgrößter Hersteller von Banknoten, die so genannten „Euro-Souvenir-Scheine“ her – mit Genehmigung der Europäischen Zentralbank.

Seither sind allein in Frankreich 193 Motive entstanden, die zumeist beliebte Bauwerke, Orte und Denkmäler zeigen. Damit hat Oberthur einen Sammelboom ausgelöst, bietet Sammelalben mit Platz für 480 Null-Euro-Scheine. Seit diesem Jahr sind nun auch deutsche Scheine im Angebot. Den Anfang machte der Duisburger Zoo – noch vor dem Kölner Dom oder dem Miniaturwunderland in Hamburg. Und weil der Duisburger Schein in Frankreich als nicht verfügbar gilt, kommen nun Franzosen an die Ruhr und besuchen nebenbei den Zoo. In Frankreich wird der Schein, der im Zoo-Shop für drei Euro zu haben ist, inzwischen schon für beinahe das Dreifache gehandelt.

Noch 1500 Null-Euro-Scheine des Zoos verfügbar

„Die deutsche Niederlassung der Euro-Souvenir-Scheine in Berlin hatte uns angeschrieben“, erzählt Krafzel, der sofort begeistert war. Das gilt auch für Michael Kamela, Marketingleiter des Duisburger Zoos: „Das ist eine super Idee.“ Im Januar waren sich Krafzel, der den Shop und die Gastronomie mit seinem Halbbruder Ronald von der Heiden leitet, und Kamela einig. Im Februar stand die Motivauswahl. Mitte März waren die auf 5000 Stück limitierten Banknoten da. „Wir haben sie zum 30. März herausgegeben – dem Tag der Eröffnung des neuen Tigergeheges“, sagt Kamela. „Zu diesem Anlass habe ich auch OB Sören Link einen solchen Schein in die Hand gedrückt.“ Das hat offenbar Glück gebracht. „Schließlich haben wir seit einer Woche zwei Tigerjunge.“

Und das ungewöhnliche Souvenir kommt sehr gut an. „Von den 5000 Scheinen haben wir bereits 3500 verkauft“, so Krafzel. „Wir haben im Shop viele Plüschtiere. Der Null-Euro-Schein spricht aber besonders erwachsene Besucher an.“ Zudem, erklärt Kamela, sei das finanzielle Risiko nicht so groß. Das gleiche gilt zwar auch für die Gewinnspanne, doch die Marketingwirkung ist natürlich riesig.

Noch sind rund 1500 Null-Euro-Scheine des Zoos verfügbar. Krafzel blickt aber schon voraus: „Für die Zeit vor Weihnachten planen wir bereits eine zweite Serie mit einem neuen Motiv. Den bisherigen Schein werden wir allerdings nicht nachproduzieren, weil der Sammlereffekt auf diese Weise groß bleibt.“ Was auf dem zweiten Duisburger Null-Euro-Schein zu sehen sein wird? „Das werden wir noch besprechen.“

Zwischen null Euro und 100 Billionen Mark

Seit 2011 produziert das französische Unternehmen Oberthur neben der Bundesdruckerei und der Münchner Druckerei Giesecke & Devrient auch deutsche Euro-Banknoten. Viele Sicherheitsmerkmale der Originalscheine sind auch auf den Null-Euro-Noten zu finden. Dort, wo im Regelfall Euro steht, lautet der Aufdruck Eurosouvenir. Und auch die zwölf Sterne der Europaflagge sind keine Sterne, sondern die zwölf Buchstaben dieses Begriffs.

Die Null-Euro-Scheine sind die ersten Geldscheine seit knapp einem Jahrhundert, die den Aufdruck „Duisburg“ tragen. Im ersten Weltkrieg gab es aufgrund von Kleingeldmangel von der Stadt herausgegebene 25- und 50-Pfennig-Scheine. Während der Inflation 1922/23 gaben die Stadt und zahlreiche Firmen Notgeldscheine heraus – bis hin zum 100-Billionen-Mark-Schein der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich.