Zoo Duisburg darf weiter Delfine halten – Bundestag lehnt Verbot ab

Die Tümmler sind im Delfinarium des Duisburger Zoos gut aufgehoben, hat der Agrarausschuss des Bundestages entschieden. Die Mehrheit lehnte den Grünen-Antrag "Delfinhaltung verbieten" ab.
Die Tümmler sind im Delfinarium des Duisburger Zoos gut aufgehoben, hat der Agrarausschuss des Bundestages entschieden. Die Mehrheit lehnte den Grünen-Antrag "Delfinhaltung verbieten" ab.
Foto: Stephan Eickershoff
Was wir bereits wissen
Der Zoo Duisburg darf auch in Zukunft Große Tümmler halten. Die Mehrheit im Agrarausschuss des Bundestages lehnte am Mittwoch den Antrag der Grünen "Haltung von Delfinen beenden" ab. Die SPD enthielt sich. Der Streit zwischen Zoos und Tierschützern wird trotzdem weitergehen.

Berlin/Duisburg.. Der Bundestag wird die Haltung von Delfinen in Deutschland nicht verbieten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist mit ihrem Antrag "Haltung von Delfinen beenden" vorerst gescheitert: Diesen lehnten CDU und FDP am Mittwoch im Agrarausschuss ab. „Das kam erwartungsgemäß“, meinte Zoo-Direktor Achim Winkler zu der Nachricht aus Berlin.

In ihrem Antrag vom 11. März hatten die Grünen im Bundestag das Landwirtschaftsministerium aufgefordert, "das Halten von Delfinen zu untersagen sowie deren Einfuhr zu verbieten und die Zulassung neuer Haltungen an den Nachweis artgerechter baulicher Anlagen zu binden" (zum Antrag). Eine artgerechte Haltung sei schlicht nicht möglich, kritisierten die Politiker um Renate Künast. Die deutschen Delfinarien verstießen daher "gegen das Tierschutzgesetz, das vermeidbare Schmerzen, Leiden und Schäden von Tieren verbietet". Bei einer Anhörung am 15. Mai trugen den Parlamentariern dann Sachverständige – Zoodirektoren einer-, Tierschützer andererseits – ihre Argumente vor.

Zoodirektor Winkler verweist auf Zuchterfolge

Spätestens danach war für Winkler klar, dass der Antrag der Grünen keine Mehrheit finden wird. „Das Stimmungsbild war eindeutig“, so Winkler. Die moderne Delfinhaltung sei artgerecht und hervorragend, verweist Winkler auch auf die Zuchterfolge in Duisburg. Vor allem freut er sich jetzt, dass es bei dem guten Wetter endlich voll im Zoo ist: „Auch im Delfinarium“, so Winkler.

Delfinarien Am Mittwochmorgen fiel die Entscheidung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Parteien der Koalition lehnten den Grünen-Antrag ab, die SPD enthielt sich. Nur Grüne und Linke stimmten zu. Mit dieser Empfehlung werden die Bundestagsabgeordneten den Antrag somit, voraussichtlich kommende Woche, im Plenum endgültig abschmettern. Aussicht auf Erfolg hätte ein neuer Vorstoß der Delfin-Gegner höchstens, wenn die Grünen nach der Bundestagswahl mitregieren dürften.

"Das tägliche Leid der Delfine in den Delfinarien Duisburg und Nürnberg wird weitergehen", kritisierte Grünen-Abgeordnete Undine Kurth nach der Entscheidung. Die Anhörung des Agrarausschusses habe zwar eindeutig ergeben, dass die Haltung der Tümmler "mit dem Konzept eines ethischen Tierschutzes nicht vereinbar ist", CDU/CSU und FDP hätten sich trotzdem "gegen das Tierwohl entschieden. Schwarz-Gelb lässt weiter zu, dass Delfine zu Unterhaltungszwecken und unter nicht art- und tiergerechten Bedingungen gehalten werden."

Der Zoo Duisburg hält sechs ausgewachsene Tümmler und die drei Jungtiere Dörte, Diego und Darwin, die Mitte 2011 in Duisburg zur Welt kamen.

Zoos und Tierschutzverbände streiten weiter

Zoos und Tierschützer werden freilich weiter über das Wohl der Publikumsmagneten streiten: Bis zur politischen Sommerpause will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) das „Gutachten über Mindestanforderungen an Haltung von Säugetieren“ aus dem Jahr 1996 fertig überarbeitet haben. Das Ministerium hatte Tierschützer und Zoo-Vertreter in Arbeitsgruppen über neue Regeln für die Haltung von Säugetieren diskutieren lassen. Tierschutzverbände und Zoos protestierten zuletzt gegen den Entwurf für die Aktualisierung. Für die Haltung von Zootieren gelten die Anforderungen des Tierschutzgesetzes. Das „Säugetiergutachten“ hat keinen Gesetzesstatus. Es dient den Kontrollbehörden der Länder – und damit auch den Tierhaltern – jedoch als Orientierungshilfe, wie die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes im konkreten Fall anzuwenden sind.