Zeichnen mit Kohle und Draht

„Ich bin in erster Linie Zeichner“, sagt Werner Ryschawy. Er zeichnet aber nicht nur mit Kohle sondern auch mit Draht, geht also in den Raum. Ob klassische Zeichnung oder Drahtobjekt – in beiden Ausdrucksformen schafft er ganz filigrane, fast farblose Arbeiten. Der Ausstellungsraum, in dem seine „Aufzeichnungen“ im Atelierhaus an der Goldstraße 15 zu sehen sind, wirkt jedenfalls ganz hell und luftig.

Der 1949 in Bayern geborene Künstler, der in Gelsenkirchen lebt und seit 2002 Mitglied der Ateliergemeinschaft „Unser Fritz“ in Herne ist, schöpft seine Zeichnungen aus der Erinnerung an Ort, die er besucht hat. So zeichnet er „Landkarten“, allerdings nicht kartographisch korrekt und für den Betrachter erkennbar, sondern die Strukturen, die sich ihm eingeprägt haben. So kann man bei einem Bild etwa an eine Inselgruppe denken, aber auch an ein Stück Garten mit verstreuten Blättern. Die Deutungsmöglichkeiten lässt Ryschawy bewusst offen und schränkt sie auch nicht ein, indem er im Titel verrät, um welche Orte es sich handelt. Farbe verwendet er nur sehr zurückhaltend, greift dabei zu Gewürzen wie Kurkuma oder Kaffee oder Rote-Beete-Saft. Eine besondere Wirkung bekommen die Kohlezeichnungen durch das Papier, das sehr edel wirkt, aber aus einfachem Seidenpapier besteht, wie man es zum Einwickeln benutzt. Ryschawy verwendet allerdings mehrere Lagen, die er wiederum mit Wachs verbindet. Dadurch bekommt das Papier eine besondere Struktur, was vor allem wirkungsvoll ist bei den großformatigen Arbeiten auf Leinwand.

Schwerelos wirken die Drahtobjekte, die er aus gefundenem Draht baut. So verbindet er – fast nur mit den Händen – dicke „Striche“ (aus Bandeisen) mit rostigen (aus Moniereisen) und grauen „Linien“ aus Draht zu zarten Konstruktionen, die an Architektur erinnern.