Zebra-Treffen begann mit Gedenken

Die, die sonst laut schreien und singen, waren am Mittwochabend für einen Moment still. Das Treffen der MSV-Fanclubs in einem Saal des Duisburger Hofs, das turnusmäßig von wechselnden Gruppen ausgerichtet wird, begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes in Südfrankreich. Anteilnahme zeigt auch der Verein selbst, der das heutige Testspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (18.45 Uhr, MSV-Arena) zu einem Benefizspiel erklärt hat.

„2010, nach der Loveparade, sind so viele von außen gekommen und haben den Duisburgern geholfen“, sagte Bernd Maas am Mittwoch bei „Zebras treffen Zebras“. „Der erste Gedanke war, davon etwas zurückzugeben“, erklärte der MSV-Geschäftsführer, selbst gebürtig aus Haltern – der Stadt, aus der die verunglückte Schülergruppe stammt. Von den anwesenden Fans wurde die Geste des Vereins mit Applaus bedacht.

In den Duisburger Hof gekommen waren auf Einladung des „Fanclubs Innenhafen“ rund 100 MSV-Fans – wohl vorwiegend, um an diesem Abend den Auftritt eines besonderen Gastes zu verfolgen: Der ehemalige Torjäger und aktuelle Co-Stadionsprecher Michael Tönnies (55) gewährte im Gespräch mit seinem Sprecher-Kollegen Stefan Leiwen erste Einblicke in sein Buch „Auf der Kippe: Die zwei Leben des Michael Tönnies“. Genau in diesem Hotel, begann der „Tornado“ mit einer Anekdote, sei ihm in den 90er Jahren vom ehemaligen Präsidenten Dieter Fischdick bei einigen Schnäpsen eine Vertragsverlängerung angeboten worden – auf einem Bierdeckel. Tönnies unterschrieb, was auf der Stelle begossen wurde.

Auch in einem Trainingslager im ehemaligen Jugoslawien floss reichlich Alkohol. Ende der 80er saß der damalige Coach Willibert Kremer als einziger Gast an der Hotelbar, bemerkte aber, dass der Wirt zehn Biere zapfte, erzählte der Torjäger. Kremer habe sich erkundigt, wohin die Bestellung sollte. Die Antwort: Auf das Zimmer von Tönnies, wo ein kleines Gelage mit anderen Spielern stattfand. Kremer brachte das Tablett selbst hinauf und stellte die Getränke in Rechnung. 100 Mark musste Tönnies für jedes Bier bezahlen, dann verabschiedete sich Kremer und nahm das Tablett wieder mit. „1000 Mark für kein getrunkenes Bier, das geht gar nicht“, erzählte Tönnies lachend. Doch wollte er solche Eskapaden nicht glorifizieren. Als er später seine eigene Kneipe hatte, sei er schließlich selbst sein bester Gast gewesen. „Das ging leider in die Hose, wie so vieles in meinem Leben. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich stehe dazu.“ Mehr Episoden aus seinem bewegten Leben gibt es ab dem 30. April zu lesen.