Zahl der Hochzeiten in Duisburg ist auf historischem Tief

Immer weniger Paare sagen „Ja, ich will“. Die Zahl der Hochzeiten ist in Duisburg auf einem neuen Tiefststand.
Immer weniger Paare sagen „Ja, ich will“. Die Zahl der Hochzeiten ist in Duisburg auf einem neuen Tiefststand.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nur 1727 Paare gaben sich 2013 das Ja-Wort vor einem Standesbeamten. Vor 25 Jahren waren es fast doppelt so viele Paare, die sich Ringe an die Finger steckten.

Duisburg.. Sind die Duisburger Hochzeitsmuffel? Man könnte es fast vermuten. Das zeigt zumindest ein Blick in die Statistik. Nur 1727 Paare gaben sich 2013 das Ja-Wort vor einem Standesbeamten. Ein historisches Tief. Schaut man 25 Jahre zurück, waren es fast doppelt so viele Paare, die sich Ringe an die Finger steckten.

Vor den Altar trauen sich dann noch viel weniger Duisburger. Nur 20 Prozent der Paare, die im Standesamt heirateten, gaben sich anschließend noch einmal in der Kirche das Ja-Wort, nämlich 346. Dabei überwogen die Katholiken mit 187 Trauungen, während von evangelischen Pastoren im Stadtgebiet nur 137 Paare den Segen erhielten.

Dafür bleiben die evangelischen Zahlen im gesamten Stadtgebiet, also Kirchenkreis Duisburg und die Duisburger Teile des Kirchenkreises Moers und Dinslaken, einigermaßen stabil mit etwa 150 bis 160 Trauungen im Jahr, während die Zahl der katholischen Hochzeiten seit 2007 kontinuierlich sinkt. 265 Paare versprachen sich damals die Ehe, bis dass der Tod sie scheide, zwei Jahre später waren es 195 und 2013 nur noch 187.

Andere Lebensformen werden akzeptiert

Das die Duisburger sich so sehr zurückhalten beim Heiraten hat sicherlich viel mit veränderten gesellschaftlichen Sichtweisen zu tun. Das Zusammenleben ohne Trauschein ist heutzutage gang und gäbe. Fast niemand käme auf die Idee, darüber die Nase zu rümpfen.

Auch Kinder sind erst einmal kein Grund, den Bund fürs Leben einzugehen. Von „Bastarden“, wie in den 50er und 60 Jahren noch üblich, spricht heute kein Mensch mehr. Die Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren gelernt, auch andere Lebensformen als die Ehe zu akzeptieren. Das war beispielsweise 1958 noch anders. Da trauten sich im Dekanat Duisburg, zu dem die rechtsrheinischen Stadtgebiete außer der damaligen selbstständigen Stadt Walsum, zählten, noch 1977 Paare.

"Weniger Quantität, mehr Qualität"

Dafür entscheiden sich die Ehepaare, die auch vor den Altar treten, sehr bewusst für die kirchliche Trauung. Darin sind sich Stadtdechant Bernhard Lücking und Superintendent Armin Schneider vollkommen einig. Für Schneider sind das vor allem Paare, denen wichtig ist, dass ihnen in der Kirche etwas zugesprochen wird, das sie sich selbst nicht sagen können. „Wenn wir ehrlich sind, sind die Eheversprechen ja mehr als Menschen sich tatsächlich versprechen können. Deshalb: Ja, mit Gottes Hilfe.“ Auch für den Rückgang der Zahlen im Laufe der Jahrzehnte hat er eine Erklärung: „Früher musste man ja begründen, warum man es nicht macht.“ Das sei heute vollkommen anders.

„Weniger Quantität, mehr Qualität“: So könnte man auch die Gedanken von Stadtdechant Bernhard Lücking zusammenfassen. „Heute entscheiden sich Brautpaare sehr bewusst, ob sie sich kirchlich trauen lassen wollen“, weiß der Pfarrer aus vielen Gesprächen in seiner Gemeinde: „Die Menschen leben ja oft schon Jahre zusammen.

Aber wenn die Entscheidung für die Hochzeit vor dem Alter stehe, dann zeigten die Paare auch ein großes Interesse bei den Vorbereitungen und suchten sich selbst Texte, Gebete und Lieder aus. Über die Gestaltung der Trauzeremonie machten sich die Paare nicht nur äußerlich Gedanken, sondern auch inhaltlich. Lücking: „Und es ist doch ein Freude, wenn es die Brautleute nicht nur über sich ergehen lassen.“