Woanders alt werden
25.02.2009 | 18:10 Uhr 2009-02-25T18:10:00+0100Zeitarbeiter Markus Urbaniak hoffte bei Thyssen-Krupp Steel auf eine Festanstellung, muss sich nun wegen der unsicheren Wirtschaftslage einen neuen Job suchen. Trotzdem nimmt er heute an einer Protestkundgebung teil.
Mehrere tausend Menschen folgen dem Aufruf der IG Metall und demonstrieren heute Nachmittag ab 15 Uhr vor dem Verwaltungsgebäude von Thyssen-Krupp Steel (TKS) an der Kaiser-Wilhelm-Straße gegen die Personalpolitik des Stahlriesen. Einer von diesen Tausenden ist auch Markus Urbaniak, der bei dieser Großdemo mit seinen Kollegen dabei sein wird. Seinen ehemaligen Kollegen.
Die Auswirkungen der Stahl- und Finanzkrise bekommen nun natürlich auch viele Mitarbeiter am eigenen Leib zu spüren. Die Zeitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit, die Festangestellten bangen um ihre Jobs. 340 Millionen Euro will der Konzern einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2013 vertraglich ausgeschlossen – darauf pochen und setzen zumindest die Betriebsräte der TKS.
Nur wenige hundert Meter enfernt von seinem bisherigen Arbeitsplatz an der Mannesmannstraße wohnt Markus Urbaniak in einer Seitenstraße. In einem Einfamilienreihenhaus, zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern. Im April vergangenen Jahres kündigte der gelernte Schlosser seinen Job als Teamleiter Abfallmanagement bei einer Duisburger Firma, da er sich als Angestellter der Zeitarbeitsfirma Peag-Personal bessere Berufschancen erhoffte. Und die Peag-Personal vermittelte ihm dann auch die Anstellung bei TKS. „Im Vorstellungsgespräch bei der TKS war die Überlegung, dass ich eine Planstelle besetzen und nach dem befristeten Vertrag ab Oktober 2008 einen Festvertrag erhalten sollte”, blickt Urbaniak zurück.
Dann kam die Krise und für Urbaniak die Kurzarbeit. Die Festanstellung bei TKS war damit auch vom Tisch. „Es war ein astreiner Job. Hier hätte ich alt werden können”, sagt Urbaniak. Auch die Werkstatt- und Schichtleiter hätten sich für den 38-Jährigen ausgesprochen. Die letzte Mittagsschicht hatte Urbaniak am 16. Februar. Bis April gilt sein Zeitvertrag bei der Peag-Personal. Zukunft offen.
Heute geht er mit zur Protestkundgebung. „Die Jungs holen mich ab, dann fahren wir gemeinsam dorthin”, sagt Urbaniak. Die Jungs, das sind seine Ex-Kollegen. Doch ob er noch eine neue Chance bei TKS bekommt, bezweifelt er. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.”

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