Wie in Duisburg Schulverweigerer wieder ans Lernen kommen

Friedel Lubitz,, Birgitt Niewerth , Sieghard Schilling und Frank Engelmann (v.l.) an einem Bastelprojekt der Schüler
Friedel Lubitz,, Birgitt Niewerth , Sieghard Schilling und Frank Engelmann (v.l.) an einem Bastelprojekt der Schüler
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit 15 Jahren betreut das Diakonie-Werk in dem Projekt „Werk-statt-Schule“ mit Erfolg Jugendliche, die nicht in die Regelschule passten.

Duisburg.. Kein Bock auf Schule. Immer wieder gibt es junge Menschen, die sich nicht regelmäßig motivieren können, den Unterricht zu besuchen. Einige davon weigern sich komplett, dort hinzugehen. Seit 15 Jahren betreut das Diakonie-Werk Duisburg in ihrem Projekt „Werk-statt-Schule“ schulpflichtige Jugendliche, die so gravierende Fehlzeiten haben, dass sie nicht mehr auf normalem Weg in die Regelschule integrierbar sind.

Durch die Maßnahme werden Schulverweigerer schrittweise wieder an das Lernen herangeführt und erhalten außerdem berufliche Orientierung. In kleinen Gruppen von maximal zwölf Teilnehmern erhalten die Jugendlichen eine intensive Betreuung, die ihre Entwicklung von Sozialkompetenz fördern soll.

Diakonie blickt auf erfolgreiche Zeit zurück

Das Diakonie-Werk blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Die Kombination von Werkpraxis, sozialpädagogische Unterstützung und Unterricht in Kleinstgruppen hat bewirkt, dass zwei Drittel der Teilnehmer durch das Projekt den Hauptschulabschluss nach Klasse neun erhielten.

Die Diakonie arbeitet mit acht Schulen aus ganz Duisburg und dem Jugendamt zusammen. „Lehrer empfehlen uns ihre Schüler für das Projekt. Zunächst ist es jedoch wichtig, die Betroffenen selbst davon zu überzeugen, dass wir ihnen helfen können“, sagt Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakonie-Werks. Wenn das geschafft ist, beginnt der Unterricht im Diakonie-Werk an der Beekstraße 38.

Lehrer werden freigstellt

Die Schulen stellen die entsprechenden Lehrer frei. Einer davon ist Michael Siewert von der Gemeinschaftshauptschule Gneisenaustraße. Er hält das Projekt für sehr wichtig: „Viele der Schüler sind nicht in das Leben hier integriert, sprechen kaum deutsch und brauchen intensivste Betreuung“, sagt er.

Viele Jugendliche setzen auch im Projekt zunächst ihren bisherigen Lebensstil fort: „Natürlich kommt es oft vor, das jemand zu spät oder gar nicht kommt“, weiß Birgitt Niewerth vom Diakonie-Werk. Meistens ändere sich das jedoch schnell, da die Jugendlichen merken, dass es dort anders läuft als in der Schule. Die Mischung aus intensiverer Betreuung in kleinen Gruppen und wenig Leistungsdruck in aufgelockerten Unterrichtseinheiten wecke schnell das Interesse der einstigen Schulverweigerer, so Niewerth.

Gerade Jugendlichen, die aus sozial schwachen Familien kommen und dort wenig Aufmerksamkeit erhalten, seien unter den Teilnehmern, erklärt Sieghard Schilling. „Dann ist ein ganzheitlicher Ansatz enorm wichtig. Außerdem muss man die Schüler persönlich motivieren“.