Wie häusliche Gewalt enden kann

Auch Karin Bartl vom Frauenhaus Duisburg steht dem kritisch gegenüber: „Dies betrachten wir keineswegs als Anzeichen dafür, dass in Familien mit Migrationshintergrund häufiger häusliche Gewalt vorkommt als in Familien ohne Migrationshintergrund.“ Vielmehr erklärt sie sich die höhere Anzahl häuslicher Gewalt in diesen Familien durch weniger Ressourcen in Form von familiären und freundschaftlichen Netzwerken. „Eine Frau, deren Familie in Deutschland lebt, hat unter Umständen die Möglichkeit dort zu wohnen anstatt in einem Frauenhaus. Eine Frau, die noch nicht lange in Deutschland lebt, hat diese Möglichkeiten nicht.“

Auch Freer sieht die Statistik als fatale Botschaft und weist auf die Dunkelziffer, die „bei weit über 3000 Fällen liegt“. Viele Betroffene zeigen die Gewalttat nicht an. Dies stellt aber eine Gefahr dar. Denn: Langjährig anhaltende Auseinandersetzungen können mit Mord enden. Gemessen an der Zahl der registrierten Tötungsdelikte in Duisburg ist der Anteil in Paarbeziehungen relativ hoch. So ereigneten sich vier Tötungsdelikte, darunter ein vollendeter Mord, ein Mordversuch, ein vollendetes Totschlagsdelikt sowie ein versuchter Totschlag. „Es ist wichtig, dass sich die Frauen nicht schämen und wissen, mit wem sie sprechen können. Das Hilfesystem in Duisburg ist sehr gut“, so Freer. Die Auswertung des Kriminalberichts zeigt zudem, dass ein deutliches Nord-Süd-Gefälle erkennbar ist: Ortsteile im Norden Duisburgs wie Mittelmeiderich (103 Fälle) oder Marxloh (79 Fälle) sind mit der Problematik der häuslichen Gewalt am stärksten belastet. Im Westen kommt es hingegen zu weniger Vorfällen, (Hochemmerich 47 Fälle, Bergheim 48).