Das aktuelle Wetter Duisburg 20°C
Krawall

Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist

27.03.2012 | 19:44 Uhr
Fans mögen Pyrotechnik im Stadion. Die Bundespolizei duldet künftig keine Kompromisse mehr.Foto: imago

Duisburg.  Vehement bekämpft die Polizei den Einsatz von Feuerwerkskörpern in Bundesligastadien. Denn meist reicht nur eine flüchtige Berührung mit der Pyrotechnik aus und schon kann es zu schlimmen Verletzungen kommen. Über die Gefahren informierten nun auch Experten in der Polizeiunterkunft Neudorf.

Die flüchtige Berührung für den Bruchteil einer Sekunde reicht aus, schon steht das Hemd lichterloh in Flammen. Glücklicherweise steckt kein Mensch darin. Denn der kurze Kontakt mit dieser Seenots-Rettungssignalfackel, die unter Fußballfans nur „Bengalo“ genannt wird, hätte ausgereicht, um schlimmste Verletzungen herbeizuführen.

Eben deshalb bekämpft die Polizei so vehement den Einsatz von Feuerwerkskörpern aller Art in den Bundesliga-Stadien. Am Dienstag veranschaulichten Experten der Bundespolizei St. Augustin bei einem Pressetermin in der Polizeiunterkunft Neudorf, welche Auswirkungen Böller und Bengalos haben können.

Wichtige Fakten der Pyrotechnik

In immer mehr Arenen der hochklassigen Fußballvereine wird das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in den Fankurven zum Problem – so auch bei Heimspielen des MSV. Es gab Brandverletzungen zu beklagen. Außerdem erlitten Polizeibeamte, Ordner und Stadionbesucher zuletzt immer häufiger Knalltraumata nach der Detonation von Böllern.

Ein besonders spektakulärer Fall dieser Art ereignete sich in der Hinrunde der 3. Liga bei der Partie VfL Osnabrück gegen Preußen Münster, als ein Gäste-Fan einen Böller in einen Verbindungstunnel warf, in dem sich auch Polizisten und Ordner aufhielten. Mehrere Personen erlitten einen temporären, andere oder sogar dauerhaften Gehörverlust.

Der Täter wurde ermittelt. Er stand nun vor Gericht. Vergangene Woche wurde das Urteil gefällt: fünf Jahre Haft – und dazu noch 39.000 Euro Schadenersatz-Zahlungen. „Mit diesem Urteil sollte auch ein Zeichen gesetzt werden, dass es sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um eine Straftat“, sagte Duisburg Polizeipräsidentin Elke Bartels.

Wie gefährlich Pyrotechnik ist

Ihre Kollegen der Bundespolizei nannten wichtige Fakten zur Pyrotechnik: Etwa, dass Signalfackeln eine Brenntemperatur von 2000 Grad haben und kaum zu löschen sind. Das demonstrierten sie, in dem sie das mit einer extrem hellen Flamme brennende „Bengalo“ erst in einen Eimer voller Wasser, dann in einen voller Sand steckten. Es brannte nach dem Herausziehen in voller Kraft weiter.

Werden sie inmitten von Menschenmengen gezündet (wie in der Fankurve), droht allen Umstehenden Gefahr. Nicht nur durch die Hitze. Allein der Qualm ist eine Gesundheitsgefährdung, da er Atemwege und Augen reizt. Menschen mit einer Herz-Vorerkrankung klagten nach dem Einatmen über neue Beschwerden.

Es bleibt eine Straftat

Ein großes Risikopotenzial liegt auch in den nicht-zugelassenen „Polen-Böllern“. Deren Wirkungsgrad ist mit den hier offiziell zugelassenen Feuerwerkskörpern nicht zu vergleichen. Explodieren letztere in der Hand, kommen Betroffene mit Verbrennungen und Hauteinrissen davon. „Bei den Polen-Böllern werden Gliedmaßen einfach abgerissen“, sagte einer der Bundespolizisten. Und manchmal explodieren sie durch Reibung oder leichte Schläge bereits in jenen Verstecken am Körper, in denen sie ins Stadion hineingeschmuggelt werden sollen.

Kontrollen am Stadioneingang
Nur wenige Sekunden für jeden Besucher

Obwohl inzwischen jeder einzelne Platz im Stadion mit Hilfe von Überwachungskamera von der Polizei eingesehen werden kann, ist nicht jede Pyro-Straftat zweifelsfrei zuzuordnen. Manche Täter ziehen auf der Tribüne Masken über oder verbergen ihr Antlitz hinter (legal) mitgebrachten Plakaten und Spruchbändern. Zwar finden vor dem Einlass Abtastkontrollen durch geschultes Ordnungspersonal der Vereine statt. Sie entdecken zwar zahlreiche verbotene Gegenstände, aufgrund des akuten Zeitdrucks an den Eingangstoren bleiben ihnen aber pro Besucher nur wenige Sekunden Kontrollzeit. Deshalb gelangt immer wieder Pyrotechnik ins Stadion – und das trotz des Einsatzes von Sprengstoffhunden der Polizei. Die Polizei hofft, dass gerade bei den anstehenden Risikospielen des MSV daheim gegen Frankfurt (7. April) und Aachen (14. April) die Fans Einsicht zeigen und auf den Einsatz von Pyrotechnik verzichten.

Um das zu verdeutlichen, ließen die Entschärfer einen „Polen-Böller“ in der Hosentasche einer Jeans detonieren. Mit verheerenden Auswirkungen: Nicht nur die Hose war völlig zerfetzt, sondern auch das Plastikrohr, das in der Hose steckte und die Rolle des menschlichen Beins übernahm. „Wir können nur davor warnen“, so ein Beamter.

Wegen dieser Gefahren lässt sich die Polizei in punkto Pyrotechnik auch auf keinerlei Kompromisse ein. Das von einigen Fans geforderte „kontrollierte Abbrennen“ in zugewiesenen Bereichen sei keine Alternative. „Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Stadien ist und bleibt eine Straftat nach dem Sprengstoffgesetz“, so der Polizist. Und so werde es auch in Zukunft immer behandelt werden.

Schäden am Gästeblock

Thomas Richter


Kommentare
28.03.2012
13:26
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von calibraturbo | #9

#4

Ich bin auch Fan, besitze eine Dauerkarte und das vermutlich länger, als Sie auf der Welt sind, wie man aus Ihren Ausführungen schließen kann. Zu meiner Kultur gehören Pyros keineswegs. Aber da man bei Ihresgleichen weder mit vernünftigen Argumenten noch mit Gesetzen weiterkommt, helfen eben nur Sanktionen.

28.03.2012
11:09
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von Sulzmann | #8

@Poqwi | #4
Wenn man verantwortungsvoll mit Maschinengewehren umgeht passiert auch nichts.

Das gleich gilt für Panzer, Flugabwehrraketen u.v.m.

Wie sagte ein Vertreter de US amerikanischen Waffenlobby so schön, Waffen sind nicht gefährlich, nur der Mensch der abdrückt.

28.03.2012
10:58
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist....
von soistdas1904 | #7


stellt einen Wasserwerfer vor die IDIOTEN und GUT iss. Wenn der mal sein C-Rohr 5 min öffnet und ein ganzer Block nass wird, dann findet eine automatische Selbstreinigung statt!!

Das sind Brandstifter und gehören in kein Stadion!!!!

Vollpfosten!!

28.03.2012
10:54
Was soll der Absatz
von bigkahuna | #6

über Böllerwürfe in einem Artikel über Pyrotechnik?

28.03.2012
10:52
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von heme45 | #5

@Poqwi

http://www.flb.de/db/download/51/stadionordnung-muster.pdf

Nur weil man Eintrittsgelder an der Stadionkasse entrichtet ,hat man damit
nicht das Recht erworben sich wie ein "*****" zu benehmen !
Ein Fußball-Stadion ist kein rechtsfreier Raum !

28.03.2012
10:38
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von Poqwi | #4

#3....

"lebensgefährlicher wahnsinn"....

aha....

genau wie die e-zigarette was.....?

bei VERANTWORTUNGSVOLLEM umgang ist ein bengalo nicht gefährlicher wie ein streichholz....
das problem dabei ist nur das es zuviele(junge) idioten gibt die einfach nicht schlau genug sind um zu begreifen was sie mit den dingern AUCH anrichten KÖNNEN....

verbote sind nicht die lösung,vorher mit den clubs und dfb/dfl abgesprochene aktionen VOR dem spielen schon,natürlich mit festen spielregeln,von mir aus sogar in festen blöcken....aber verbot? nein....

dazu ist es (analog zur e-zigarette) längst zu spät,denn pyros SIND längst fester bestandteil der fankultur auch wenn die "alten herren" an der dfb/del spitze das partout nicht einsehen wollen und auf stur schalten.....

zu spät meine herren....

3 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4-3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.03.2012
09:53
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von hapeme | #3

Da kann man nur hoffen, dass die Vereine mit ihren Fans ins Gespräch gehen und "klare Kante" zeigen.
Also lebenslängliches Stadionverbot für alle, die so etwas versuchen auch nur rein zu schmuggeln und das für alle Sportarenen!
Ich möchte eigentlich nur ein spannendes Fußballspiel geniessen und nicht meine Gesundheit gefährden. Also stoppt endlich diesen lebensgefährlichen Wahnsinn!

28.03.2012
09:25
@Rakllo
von barbarylane | #2

"die das schmeißen,ist es nicht gefährlich,nur der das am Kopfbekommt"
Hochinteressanter und sehr durchdachter Kommentar.
Waren Sie kürzlich in der Nähe eines misslungenen pyrotechnischen Versuchs?

28.03.2012
09:10
Wie gefährlich die Pyrotechnik der Fußball-Fans wirklich ist
von Rakllo | #1

die das schmeißen,ist es nicht gefährlich,nur der das am Kopfbekommt

Aus dem Ressort
Duisburger Zoo trauert um Europas ältesten Zoo-Koala
Zoo Duisburg
Der Duisburger Zoo trauert um das Koala-Weibchen Kangulandai. Sie war der erste Koala, der 1995 in einem europäischen Zoo das Licht der Welt erblickte. Mit fast 20 Jahren war Kangulandai der mit Abstand älteste Koala in Europa. Der Zoo hat das altersschwache Tier nun einschläfern lassen.
Warum der Uni Duisburg-Essen rund 2000 Studierende fehlen
Hochschulen
Rund 2000 Studienplätze konnten an der Uni Duisburg-Essen (UDE) im vergangenen Wintersemester nicht vergeben werden. Der Grund: Es gab zu wenig Bewerber. Zum kommenden Wintersemester wird die UDE deswegen 36 Studienfächer mit dem Bachelor-Abschluss vom örtlichen Numerus Clausus befreien.
Ab heute kann gewählt werden
Wahlen
Ab sofort ist die Briefwahl in den Duisburger Bezirksämtern möglich, auch wenn die Wahlunterlagen erst ab Donnerstag verschickt werden: Eine Übersicht über alle Formalitäten zur Wahl am 25. Mai 2014.
Flughafenausbau spaltet Anwohner und Unternehmen in Duisburg
Airport
Die geplante Kapazitätenausweitung des Düsseldorfer Flughafens sorgt bei den Anwohnern der umliegenden Städte für Unmut. Doch der hiesige Unternehmerverband warnt davor, die Debatte einzig auf den Fluglärm zu beschränken. Für die Wirtschaft an Rhein und Ruhr sei der Flughafen das Tor zur Welt.
Duisburger Feuerwehr befreit jungen Rottweiler aus Brunnen
Tierrettung
Er lief durch ein offenes Tor, sprang über eine Mauer und, schwupps, fiel er rund 2,50 Meter tief in einen nicht abgedeckten Brunnenschacht. Der sechs Monate junge Rottweiler konnte sich daraus am Dienstagabend gegen 19.45 Uhr in der Fischerstraße in Wanheimerort nicht allein befreien.
Fotos und Videos
Nachwuchs bei Familie Wildschwein
Bildgalerie
Wildschweine
MSV holt drei Punkte
Bildgalerie
3. Bundesliga