Wie es Weißwal Ferdinand aus Duisburg in San Diego geht

Weißwal Ferdinand war in Duisburg jahrelang der Besucherliebling. 2004 schloss das Walarium, Ferdinand wurde im Spezialflugzeug in die kalifornische Seaworld geflogen.
Weißwal Ferdinand war in Duisburg jahrelang der Besucherliebling. 2004 schloss das Walarium, Ferdinand wurde im Spezialflugzeug in die kalifornische Seaworld geflogen.
Foto: waz
Was wir bereits wissen
Was macht eigentlich Ferdinand? Bis 2004 war der Weißwal Liebling der Zoobesucher in Duisburg, dann verlegte ihn die Tierpark-Leitung nach San Diego. Den Transport hatte der greise Wal damals gut überstanden, aber wie geht’s ihm heute?

Duisburg.. „Ferdinand fühlt sich in der Seaworld total wohl“, berichtet Kerstin Jurczynski. Sie ist Tierärztin im Duisburger Zoo und hat den Weißwal noch im Februar in den USA besucht. In der Seaworld lebe Ferdinand mit anderen Artgenossen zusammen. Besonders mit den weiblichen Belugas und den Jungtieren verstehe er sich gut.

„Schade ist nur, dass Ferdinand noch immer nicht zeugt“, sagt Jurczynski. Schon zu seinen Duisburger Zeiten hatte der Weißwal keine Väterfreuden erleben dürfen. „Vielleicht ist er inzwischen einfach zu alt“, mutmaßt die Duisburger Tierärztin. Ein Hoffnungsschimmer könnten lediglich neue Methoden der künstlichen Befruchtung sein, die im Meeres-Themenpark in San Diego angewendet würden. „So hätte er zumindest noch als Samenspender die Chance, Nachwuchs zu zeugen.“

Der zweitälteste Beluga in Gefangenschaft

Als der Beluga 1975 als Wildfang ins Duisburger Walarium kam, schätzten die Veterinärmediziner anhand von Zahnuntersuchungen, dass er ungefähr fünf Jahre alt sein musste. Wenn es stimmt, ist Ferdinand inzwischen 41 – ein biblisches Alter für Weißwale, die normalerweise nach 25 bis 30 Lebensjahren sterben. Nur weltweit ein einziger Weißwal in Gefangenschaft ist älter als Ferdinand: Das Weibchen Kanva im Aquarium Vancouver hat schon 43 Jahre auf dem Buckel.

Ferdinand war nicht der erste Wal, der in NRW für Furore sorgte. 1966 hatte sich der berühmt gewordene und später „Moby Dick“ getaufte Belugawal in den Rhein verirrt – tausende Kilometer von seinem natürlichen Lebensraum entfernt. Bevor sich Moby Dick aus eigener Kraft zurück ins Meer rettete, hatte der damalige Duisburger Zoodirektor Wolfgang Gewalt den Auftrag bekommen, das Tier einzufangen. Mit Protestaktionen war das erfolgreich verhindert worden.

Kumpel Yogi, der Jakobiter-Delfin

Ferdinand lebte in seinen Anfangsjahren in Duisburg mit zwei Beluga-Weibchen zusammen: Moby und Allua. Beide Damen starben vor dem inzwischen greisen Weißwal. 2004 entschied sich die Zooleitung, Ferdinand abzugeben. „Für ihn war das gut, er wäre sonst allein geblieben“, erklärt Tierärztin Jurczynski. Fast allein zumindest. Denn stets an Ferdinands Seite war Kumpel Yogi, der Jakobiter-Delfin. Er ließ den Belugawal auch auf der großen Reise in die USA nicht allein.

Um Ferdinand und Yogi behalten zu können, hätte der Duisburger Zoo ein neues Walarium bauen müssen. Das alte sei 2004 „nicht mehr zeitgemäß gewesen“, so Jurczynski. In Duisburg habe es aber sowohl an den finanziellen Mitteln als auch an Platz gefehlt, eine neue Beckenlandschaft zu errichten. Das einzige, was gegen Ferdinands Verlegung nach San Diego gesprochen habe, sei der aufwendige Transport gewesen. Aber auch der gelang.

In einem Charterflugzeug mit Spezialhängematten wurden der 1000-Kilo-Wal und sein mit 55 Kilo deutlich leichtgewichtigerer Partner untergebracht. Nach zwölf Stunden Flug landeten sie sicher in Kalifornien.

Mit Ferdinands Abreise aus Duisburg ging eine Epoche zuende: Er war der letzte Weißwal, der in einem europäischen Zoo zu sehen war.