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Wie eine Ballade

14.06.2007 | 05:46 Uhr

Emanuel Ax spielte in der Gebläsehalle Schumanns Fantasie, die Papillons und zwei frühe Beethoven-Sonaten. Kleine und große Form

Ein intelligentes Programm präsentierte der renommierte Emanuel Ax im Rahmen des Klavier-Festivals in der Gebläsehalle des Landschaftsparks - zwei frühe Sonaten von Beethoven, in denen die im Spätwerk ausformulierten Auflösungserscheinungen der Gattung schon zu ahnen sind, und zwei Werke Robert Schumanns, der mit den durch Beethoven ausgelösten Erschütterungen durchaus zu kämpfen hatte: Die eigentlichen, sprich auch so bezeichneten Sonaten stehen letztlich ja weniger im Fokus des Interesses als die Werke, die gewissermaßen Beethovens Testament vollstrecken: als Musik der kleinen Form oder des Understatements - eine Fantasie als verschleierte Sonate.

Die Papillons brachte Ax wirklich als Zyklus rüber: jedes Stück ein Kleinod (schade ums aussterbende Wort), aber der Sinn erschließt sich nur im Ganzen. Feinheiten wie die Materialdemontage der Schlusstakte waren selbstredend bis ins Detail hörbar.

Die C-Dur-Fantasie op. 17 war in ihrer epischen Vielschichtigkeit entfaltet. "Für den, der heimlich lauschet" (aus Schumanns vorangestelltem Schlegel-Motto) erschließen sich hier bekanntlich Seelenlandschaften von großer Tiefe. Ax zeigte sich im balladesken Ton als großer Erzähler. Lediglich bei den hakeligen Intervallsprüngen am Ende des Mittelsatzes konnte man nicht wirklich alles glauben, was man hörte.

Zwei Sonaten aus Beethovens Trias op. 2 von 1795 umrahmten Schumanns Klänge. Es war Ax spürbar darum zu tun, die weit ins 19. Jahrhundert weisenden Kühnheiten zu unterstreichen. Etwa im Adagio der C-Dur-Sonate, das die Romantik vorwegzunehmen scheint. Oder im Kopfsatz des A-Dur-Werks, dessen Harmonik im Seitenthema schon auf Tannhäuser verweist.

Von Hajo Berns

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