Das aktuelle Wetter Duisburg 10°C
Problemhaus

Wie das Duisburger "Problemhaus" zum Brennpunkt wurde

23.08.2013 | 00:17 Uhr
Wie das Duisburger "Problemhaus" zum Brennpunkt wurde
Das sogenannte "Problemhaus" in Duisburg. Die Bürger haben Nachtwachen zum Schutz der Bewohner organisiert.Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool

Duisburg  Nach Aufrufen zu Angriffen auf das sogenannte "Problemhaus" in Duisburg organisieren Bürger Nachtwachen zum Schutz der Bewohner. Die Polizei ist "rund um die Uhr vor Ort präsent". Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels erklärt, wie das Haus in Bergheim zum Brennpunkt geworden ist.

Dr. Elke Bartels ist die Chefin der Duisburger Polizei. Die 57-Jährige hatte beim Amtsantritt vor zwei Jahren betont, dass die Zustände in einigen Vierteln der Metropole nur gemeinsam mit der Stadt angegangen werden können.

Wie beurteilen Sie die Sicherheit der Bewohner in der Straße „In den Peschen“?

Dr. Elke Bartels: Die Polizei nimmt ihre Aufgaben sehr ernst, beurteilt täglich die Gefahrenlage und ist mehrfach pro Schicht, rund um die Uhr vor Ort präsent. Es gibt seit den Facebookschmähungen vom vorletzten Wochenende keinen Polizeieinsatz, bei dem es zu Bedrohungen der Anwohner gekommen ist. Einen jungen Mann, der am Montag aus dem fahrenden Auto heraus den Hitlergruß zeigte, haben meine Mitarbeiter unmittelbar danach festgenommen.

Wie erklären Sie sich, dass das Haus in Bergheim zum Brennpunkt geworden ist?

Zuwanderung
Roma in Duisburg - „Wir haben Angst um unsere Kinder“

An dem großteils von Romas bewohnten Häuserblock in Duisburg haben Helfer Nachtwachen eingerichtet, um den Hausbewohnern nach der Hetze wieder etwas Ruhe zu verschaffen. Ein Besuch in dem Wohnblock, der als „Problemhaus“ Schlagzeilen macht.

Bartels: Wir beobachten seit etwa eineinhalb Jahren den zunehmenden  Zuzug von Familien aus Bulgarien und Rumänien nicht nur in Bergheim, sondern in ganz Duisburg. Es prallen zwei Kulturen und verschiedene Vorstellungen des Zusammenlebens aufeinander.

Die Menschen schmeißen beispielsweise den Müll vor die Tür und leben gerade im Sommer überwiegend draußen, verursachen damit nicht nur Polizeieinsätze wegen Ruhestörung, sondern bringen auch die Nachbarschaft gegen sich auf. Das Engagement der Stadt, sozialer Institutionen oder auch ein Runder Tisch haben hier erste Erfolge gebracht.

Die Polizei ist dann da gefragt, wo es um die Familien geht, die sich eher nicht integrieren wollen, sondern in der Kriminalstatistik auftauchen . Hier nehmen wir beinahe täglich Klaukids, Laden- und Metalldiebe oder Räuber fest, die an Geldautomaten zuschlagen oder älteren Damen die Goldketten vom Hals reißen.

Droht hier ein Rechtsruck?

Bartels: Die Duisburger haben allein in diesem Jahr schon zweimal den „Rechten“ deutlich gemacht, dass sie hier unerwünscht sind. Das erwarte ich auch am kommenden Donnerstag, wo „Pro Deutschland“ in Duisburg Kundgebungen angemeldet hat. Das Duisburger Netzwerk gegen Rechts und der DGB haben schon Gegendemonstrationen angekündigt. Sie werden sicher großen Zuspruch finden. Lobenswert ist auch jedes bürgerschaftliche Engagement, das zum Ziel hat, rechtsgerichteten Strömungen den Boden zu entziehen.

Manfred Lachniet



Aus dem Ressort
Neue CD mit Liedern für MSV-Fans unterstützt klammen Verein
Fußball
Das "Duisburg-Lied" gehört zu jedem Heimspiel des MSV. Jetzt hat sich der Sänger und Ur-Rocker Dagmar Horn Verstärkung ins Studio geholt und eine ganze "Retter-CD" eingespielt. Von Fans für Fans. Und um die klamme Kasse des Herzens-Vereins ein bisschen aufzufüllen.
Umstrittene Duisburger Zeltstadt wird Ende Oktober abgebaut
Asylbewerber
Ende des Monats soll die Zeltstadt in Duisburg Walsum, in der Flüchtlinge unterkommen sollten, abgebaut werden. Das erklärte Oberbürgermeister Sören Link gegenüber Mitgliedern des "Runden Tischs Asyl". Weil von ihnen alternativer Wohnraum angeboten worden sei, wurden die Zelte nicht benötigt.
Europas größter Hochofen in Duisburg wieder unter Feuer
Wirtschaft
Nach dreimonatigem Stillstand und Instandsetzung hat Thyssen-Krupp Europas größten Hochofen in Duisburg wieder angefahren. 12 000 Tonnen Roheisen können täglich geschmolzen werden. Anwohner beklagten Brandgeruch, dafür hat sich das Unternehmen entschuldigt. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr.
Müll türmt sich auf Dächern in Duisburg-Marxloh
Verschmutzung
Anwohnern der Grillostraße im Ortsteil Duisburg-Marxloh reicht’s: Sie sind nicht bereit, die Zustände im Hinterland eines Abschnitts der Kaiser-Wilhelm-Straße weiter hinzunehmen. Dort türmen sich Müllberge, sogar auf den Dächern. Eine Frau bat die Zeitung, die Missstände publik zu machen.
EVG Duisburg warnt vor „Spaltung der Eisenbahnerfamilie“
Gewerkschaften
Lothar Wawrzyniak, Ortsvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG richtet bei einer Feierstunde deutliche Worte an die streikenden Lokführer in der Gewerkschaft GDL: Die Polarisierung und Spaltung der Belegschaft müsse endlich ein Ende haben.
Fotos und Videos
Notfallübung im U-Bahn-Tunnel
Bildgalerie
Feuerwehr
HistoriCar 2014 in Duisburg
Bildgalerie
Oldtimer
Vergessener Topf setzt Haus in Brand
Bildgalerie
Feuerwehr