Wundertüte mit viel Kultur
05.02.2012 | 17:01 Uhr 2012-02-05T17:01:00+0100Wer als Kind eine Wundertüte am Büdchen kaufte, der wusste vorher nicht, was drin sein würde. Und wenn der Kulturtreff Rumeln an seinem Dorfabend die kulturelle Wundertüte öffnet, dann sind nicht weniger überraschende Momente zu erwarten.
Vier Künstler und vier Soloprogramme kamen auf der Bühne im ehemaligen Klassensaal der Alten Dorfschule zusammen, um eine gemeinsame Show zu spielen. Lange Proben gab es keine, aber das war auch nicht nötig. Kabarettist Helmut Meier, Astrid Hauke, besser bekannt als Fräulein Anneliese, Musiker Rainer Wenzel und Kinder-Comedian Klaus Foitzik harmonierten fast so, als ob sie immer gemeinsam auf der Bühne stehen würden.
Zusammen trat das Quartett aber nur auf, weil sie alle beim sechsten „KinderLiederLandschaft“-Festival in Duisburg und am Niederrhein dabei sind. Weswegen das Kabarettprogramm wohl auch so handzahm wie ein Kaninchen im Streichelzoo war. Typische kindgerechte Unterhaltung. Aber bissigen Humor à la Schmickler und Co. brauchte es auch gar nicht, damit das Publikum sich gut unterhalten fühlte. Die Gags, Lieder und Sketche, die den Nachwuchs zum Johlen bringen, zündeten auch bei den Erwachsenen. Vielleicht sogar besser als bei den Kindern, auf jeden Fall aber anders.
Selbst Klaus Foitzik hätte wohl nicht gedacht, dass sein „Mama-Jammer-Spiel“ die Zuschauer so mitreißen würde. Als er die Bühne als „kleiner Klaus“ mit tief ins Gesicht gezogener Käppi und der Ente „Pudding“ auf dem Arm betrat, bekam er zunächst einige skeptische Blicke. Als das Publikum dann aber kollektiv in die Rolle von Klaus Mutter schlüpfen sollte, entwickelte sich die Nummer zum Selbstläufer. Nicht nur ihren einsilbigen Text, der aus „ja“ oder „oh“ bestand, brachten die Zuschauer punktgenau ein. Darüber hinaus sangen sie noch ganz unaufgefordert mit, als der kleine Klaus sang: „Mir ist so laaaaaangweilig“.
„Das klappt ja besser als mit den Kindern“, kommentierte Klaus Foitzik die Reaktionen. Luftgitarre spielen wollten die Erwachsenen dann aber nicht.
Neben viel Musik, die auf altbewährte Stilarten wie Chanson oder Walzer setzte, gab es noch jede Menge kleine Sketche. Helmut Meier, der immer wieder in andere Rollen schlüpfte, sorgte für den ein oder anderen Lacher. Unter anderem als Lyrik-Professor, der mit seinem rollende Reich-Ranicki „R“ herrlich schrullig wirkte, rezitierte er das Gedicht eines suizidgefährdeten Niederrheiners.
Naive Dame
Auch Fräulein Anneliese, die naive Dame mit der piepsigen Stimme, kombinierte Comedy-Elemente mit Musikeinlagen. Bei diesem Kleinkunstreigen gesellten sich auch die drei männlichen Protagonisten zu ihr auf der Bühne. Und dabei verführte besonders Rainer Wenzels Gitarrenspiel zum Träumen.
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