Winterliche Weihnachten

Es war eigentlich das vollkommene Kontrastprogramm zu den Feiertagen – das, was jeder der knapp 400 Zuschauer sportlich machen müsste, um den weihnachtlichen Braten erst Mal richtig zu verbrennen. Die tänzerische Perfektion, Folklore, Artistik und Ausdauer der russischen Weihnachtsrevue „Ivushka“ schlug den Zuschauern aber keinesfalls zusätzlich auf den verwöhnten Magen, vielmehr war es für sie vielleicht ein Ansporn, selbst aktiv zu werden und Kalorien zu verbrennen.

Denn die fast 30-köpfige Truppe ließ nichts anbraten und bot in der Rheinhausen-Halle eine musikalische und tänzerische Reise in das verschneite Russland - irgendwann zur Zarenzeit, irgendwo am Don. Das stimmungsvolle Bühnenbild, das eine im Schnee liegende Dorfgemeinschaft zeigte, konnte über die Fensterlichter der Häuser so richtig gemütlich herunter gedimmt werden – doch stand diese Romantik teilweise im Kontrast zur treibenden folkloristischen Vielfalt, die die Tänzer von „Ivushka“, zu deutsch „Weidenbäumchen“, dem Publikum auf der Bühne boten. Allein die Kostüme, die in eigener Werkstatt der Hochschule von Tambov, nahe Moskau, mit mühevoller Handarbeit gefertigt wurden, waren ein Hingucker. Sie reichten vom biederen Bauernmädchen mit bunten Bändern im Haar bis zu der traditionellen Don Kosaken-Uniform, mit braunem Hemd und roter Bordüre auf schwarzer Hose.

Akrobatische Höchstleistungen

Das siebenköpfige Orchester spielte folkloristische Stücke wie „Ivushka“, „Holy Evening“ oder „Dunya got a headache“, natürlich im russischen Original, und die zwölf Tänzer lieferten akrobatische Höchstleistungen: die Männer perfektionierten den Kasatschok, den teilweise im der Hocke getanzten Volkstanz der Don Kosaken, bei den treibenden Stücken, feierten eine wildes Wodka-Fest im Dorf, bei dem die jungen Tänzer höflich mit einladenden Gesten um die Dorfschönheiten freiten. Mit selbst mit gebrachten Hockern hoben sie am Ende die Prächtigste von allen artistisch in die Höhe, die auf ihrem Schemel in zwei Meter Höhe dabei gelassen weiter steppte, während die anderen Tänzer mit weit gespreizten Grand Jetes um sie herum sprangen, dabei in die Hände klatschten oder sich im Paartanz umeinander drehten.

Trotz der beschwingten Szenen stellten sich besinnlich weihnachtliche Momente ein, gerade die polyphonen Lieder des zwölfköpfigen Chores erzeugten diese Wehmut, wie sie nur in Russland möglich ist: bei Stücken wie im „Wedding Song“ erzeugten die Sängerinnen dieses chorale reibende Schluchzen. Und richtig romantisch wurde es dann bei einer deutschen Version von „Stille Nacht, heilige Nacht“, bei der die Sänger kleine Kerzen in den Händen hielten und selbst gestrickte Schneemützchen aufsetzten.

Um das Klischee zu erfüllen, erschien im zweiten Teil „Väterchen Frost“ als bärtiger Weihnachtsmann auf der Bühne – aber er passte ja auch zum Wetter auf den halb verschneiten Straßen draußen. Das artistische Highlight lieferte ein Tänzer, der den Kasatschok nur mit dem Kopf abgestützt auf dem Boden tanzte und sich dabei in einer Hohlkreuzlage um die eigene Achse im 2-4-Takt drehte. Dafür gab es „Bravo“-Rufe aus dem Publikum.

Und bei „Kalinka“ zeigte das Orchester mit Akkordeon- und Balalaika-Klängen noch mal seine gesammelte Spielfreude – und knapp 400 Besucher waren begeistert von dieser romantisch traditionellen Veranstaltung.