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Sommer-Reportage

Wind aus Süd, Startbahn am Rhein

03.08.2012 | 17:35 Uhr
Wind aus Süd, Startbahn am Rhein
Der Motor der Extra 300 SHP brummt durchdringend wie ein Hornissenschwarm, dreht binnen einer Sekunde auf 7000 U/min. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg-Hamborn.   Der Traum vom Fliegen wird bei Rheinkilometer 787 wahr: In der Modellfluggemeinschaft Mercator tummeln sich Tüftler und Luftfahrt-Fans

Andreas Richter drückt den Gashebel durch, der Motor der Extra 300 SHP brummt durchdringend wie ein Hornissenschwarm, der Propeller wird binnen einer Sekunde auf 7000 Umdrehungen pro Minute hochbeschleunigt. Kaum hat das Flugzeug von der Startbahn in der Rheinaue abgehoben, da driftet es stark nach links, schlingert – Vereinskameraden hatten Richter noch vor dem tückischen Südwind gewarnt, der mit starken Verwirbelungen über den Deich „rollt“.

Legendärer Kunstflug-Mitteldecker

Doch Richter, seit 30 Jahren Modellflieger, steuert gegen und lässt das Modell des legendären Kunstflug-Mitteldeckers pfeilschnell auf 60, 70 Meter über den Boden steigen. Die Maschine, benannt nach dem begnadeten Kunstflieger und Konstrukteur Walter Extra, wird im Original nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt gefertigt, in Dinslaken am Flugplatz Schwarze Heide, einem Mekka des Kunstflugs.

Andreas Richters Extra steigt in den tiefblauen Himmel empor, dann startet die Show: Loopings, Pirouetten, Tief- und Sturzflug – der Traum vom Fliegen verliert im Maßstab 1:4 nichts von seiner Faszination.

Schließlich landet der Duisburger die von einem 2,5-PS-Zweitaktmotor angetriebene Maschine trotz starker Fallwinde souverän. Seine Vereinskameraden von der Modellfluggemeinschaft Mercator applaudieren, auch der Vereinsvorsitzende Kurt Bölke nickt anerkennend: „Ist einer unserer besten Piloten, der Andreas.“

Ist Bölke selbst freilich auch. Er ist ein Mann der ersten Stunde. Bei Vereinsgründung 1963, als der Verein seinen ersten Flugplatz in Rheinberg in Betrieb nahm, war der Homberger schon als Jugendlicher mit von der Partie: „Im kommenden Jahr feiern wir unser 50-jähriges Vereinsjubiläum. Seit 1984 haben wir jetzt diesen Platz hier in der Rheinaue im Schatten der Thyssenhütte.“ Seine ganz persönlichen Fliegerträume hat sich Bölke in dieser Zeit mit viel Geschick erfüllt. Den knallrote n Dreidecker Fokker Dr. 1, in dessen Cockpit der Baron von Richthofen zur Legende wurde, hat Bölke sich nachgebaut.

So hat jeder Modellflugfan hier, anderthalb Kilometer vom Alsumer Berg in Richtung Ruhrort, in Höhe von Rheinkilometer 787, seinen persönlichen Traum vom Fliegen verwirklicht. Zweieinhalb Jahre hat Dietmar Bauer aus Mülheim an der Ruhr in seine bildschöne Sopwith Pup investiert. Das Modell eines britischen Doppeldecker-Kampfflugzeugs aus dem ersten Weltkrieg ist heute d e r Blickfang: „Komplett aus Holz gebaut, fünfzehn Kilo leicht und hat knapp drei Meter Spannweite.“

Helikopter nach Katar verkauft

Keine Frage, ein Männertraum! Aber was sagt Frau Bauer? „Bei der bin ich ständig auf Bewährung“, sagt der findige Flugzeug-Konstrukteur lachend. Das Lachen verschwindet ganz schnell, als sich Bauer die traurigen Reste seines Extra- 300-Modells anschaut: „Ist gerade abgestürzt. Reparieren? Nee, da ist nix zu machen . . .“

Damit das selten geschieht, bietet Heiko Scheuner im Verein eine Flugschule für Anfänger und Neumitglieder an: „Wer zu uns kommt, wird behutsam rangeführt.“

Gar nicht behutsam, sondern höchst spektakulär, lässt schließlich Klaus Badziong seinen Nachbau eines Bell-212-Twinjet-Helikopters der österreichischen Bergwacht in die Luft steigen – die Zuschauer raunen. Für den Duisburger mehr als ein Hobby. Er baut und verkauft fliegende Modellträume.

Wohin? „Zuletzt nach Katar am Persischen Golf. “ Wie teuer? „Zwischen 5.000 und 14.000 Euro.“

Manche Träume fliegen auch am Rheinkilometer 787 zu hoch . . .

Christian Balke

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