Wie Schulen den 2. Weltkrieg thematisieren

Geschichte hautnah erlebten 117 Schüler der neunten Stufe der Rheinhauser Europaschule Krupp-Gymnasium auch am Modell des „Camp Vught“ an  der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers (1943-1944) bei Herzogenbusch.
Geschichte hautnah erlebten 117 Schüler der neunten Stufe der Rheinhauser Europaschule Krupp-Gymnasium auch am Modell des „Camp Vught“ an der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers (1943-1944) bei Herzogenbusch.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Warum und wie erinnern weiterführende Schulen an das Ende des 2. Weltkriegs vor 70 Jahren? Die Redaktion hat sich bei Gymnasien und Gesamtschulen im Duisburger Westen umgehört.

Duisburg-Rheinhausen.. Man kann aus der Geschichte lernen, man kann, wenn man will. Und ganz besonders bei dieser Geschichte: Am 8. Mai 1945 schwiegen endlich die Waffen, war der 2. Weltkrieg vorbei. Bis dahin hatten alliierte Truppen seit Januar 1945 nach und nach Deutschland befreit, Deutschland und die überlebenden Häftlinge in den Konzentrationslagern Auschwitz, Sobibor oder Majdnek, Dachau, Buchenwald oder Bergen-Belsen. Und vielen mehr.

Doch wie gehen die weiterführenden Schulen mit dem wohl wichtigsten historischen Thema der Neuzeit um, der NS-Diktatur, vor allem dem Holocaust, dem industrialisierten Völkermord mitten in Europa, aber auch der Befreiung Deutschlands? Wie wird das Thema im Geschichts- oder Politikunterricht aufgegriffen und aufgearbeitet? Die Redaktion hat bei Gymnasien und Gesamtschulen im Duisburger Westen nachgefragt.

Genau einen Tag vor dem 70. Jahrestag des Kriegsendes, der deutschen Kapitulation vor den Westmächten am 8. Mai 1945, machten sich Schüler und Lehrer des Rheinhauser Krupp-Gymnasiums auf den Weg in die Niederlande. Bei ihrer Exkursion am 7. Mai besuchten 117 Schüler der Jahrgangsstufe 9 die Gedenkstätte „Camp Vught“ nahe dem niederländischen s’Hertogenbosch (Herzogenbusch). In diesem Konzentrationslager internierten SS-Schergen von Januar 1943 bis zur Evakuierung im September 1944 etwa 31 000 niederländische Kinder, Frauen und Männer. Martin Teuber, Vize-Schulleiter: „Wir hatten das generelle Thema im Geschichtsunterricht vorbereitet. Die Führungen fanden auf Deutsch statt.“

„Eine besondere Verpflichtung“

Teuber weiter: „Vor diesem Hintergrund wurde auch die Frage nach dem „Tag der Befreiung“ mit den Schülern thematisiert und diskutiert - nicht nur aus deutscher, sondern auch aus europäischer Perspektive.“ In der Woche davor hatten die Lehrer der Fächer Deutsch, Geschichte und Politik/Sozialwissenschaften an der Europaschule am Flutweg in der Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe das Thema Kriegsende in Europa mindestens eine Schulstunde lang besprochen. Teuber, selbst Historiker: „Als Europaschule sehen wir eine besondere Verpflichtung an diesen Tag zu erinnern.“ Mit den Schülern der Oberstufe wurde die viel gelobte Gedenkrede des jüngst verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zur „Stunde Null“ am 8. Mai 1985, damals noch im Bundestag zu Bonn, besprochen.

Generell stellten die Lehrer den Oberstufenschülern die Frage „Wozu Erinnern?“, es war eine kritische Auseinandersetzung mit Gedenkfeiern und -tagen im Allgemeinen. Nicht nur in der Ober-, sondern auch in der Unter- und Mittelstufe wurde der Zusammenhang zwischen dem Kriegsende vor 70 Jahren und dem langen Weg zur Einigung Europas vor Augen geführt. Diskutiert wurden auch zeitgenössische Zeitungsartikel zum Kriegsende wie das Titelblatt der Ruhr-Zeitung vom 8. Mai 1945

Am Homberger Franz-Haniel Gymnasium wurde das Thema im Rahmen eines Zeitungsprojektes bearbeitet. Die Lehrer wählten einen etwas anderen Akzent. Schulleiter Norbert Thummes: „Im Zentrum standen Artikel der Tagespresse zur Bedeutung des 8. Mai vor dem Hintergrund des aktuellen Verhältnisses von Ost und West. Das Thema hat bei den Schülern trotz der langen Geschichte noch einen lebensrelevanten Bezug, da das Schicksal der Vertriebenen bis in die Gegenwart nachwirkt, sowohl bei Schülern, die als Migranten aus Osteuropa nach Deutschland kamen, als auch bei Familien, die einen ostpreußischen Lebenshintergrund haben, über ihre Großeltern und Eltern das Vertriebenenschicksal kennenlernten. Diese Lebenshintergründe und Schicksale machen die Schüler neugierig, sich mit diesem Thema aktiv zu beschäftigen.“

An der Homberger Erich-Kästner-Gesamtschule setzten sich die Oberstufenschüler intensiv mit der Thematik 70 Jahre Kriegsende auseinander, so Schulleiter Günter Terjung: „Im Rahmen der verpflichtenden Behandlung der Problematik des NS-Regimes und des 2. Weltkriegs, so wie im Lehrplan vorgesehen, wurde natürlich intensiv auf diesen Jahrestag eingegangen. Dabei haben wir die Zeitplanung für den Unterricht in Richtung des Datums „8. Mai“ geschoben. Ferner beschäftigten sich die Oberstufenschüler in Geschichtskursen intensiv mit dem jüdischen Leben in Duisburg. „Diese Aspekte der Erinnerungskultur vertieften Schüler und Lehrer mit einem Besuch einer Ausstellung im Stadthistorischen Museum Duisburg.“ Wieder ein anderer Akzent.

Auch das Albert-Einstein-Gymnasium in Rumeln-Kaldenhausen stand das Thema auf dem Lehrplan. Schulleiter Karl-Heinz Weber: „Statt einer zentralen Gedenkveranstaltung, hat eine Gruppe von Schülern und Lehrern gerade eine Schule in Duisburgs Partnerstadt Vilnius in Litauen besucht. Dort wurde auch über Russland und Deutschland und das Verhältnis beider Völker untereinander gesprochen.“ So versuche man, auch einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust sei Thema im Unterricht der Jahrgangsstufen 9 und Q2 Thema. „Am Anfang jeder Doppelstunde Politik steht das Thema des Tages. Dort greifen wir jeweils immer ein aktuelles Thema auf.“ So könne man, auch mit diesem Thema mehr Schüler erreichen.