Wie Großvater „Fritz“ Lahrmann gegen die Nazis kämpfte

Der frühere Rheinhauser Karl-Heinz Lahrmann, der seit drei Jahren mit seiner Ehefrau in Rheurdt lebt, hat die eindrucksvolle Geschichte seines Großvaters Karl Friedrich recherchiert. Dabei stieß er in Archiven auf Aktenaus der NS-Zeit.Foto:Udo Milbret
Der frühere Rheinhauser Karl-Heinz Lahrmann, der seit drei Jahren mit seiner Ehefrau in Rheurdt lebt, hat die eindrucksvolle Geschichte seines Großvaters Karl Friedrich recherchiert. Dabei stieß er in Archiven auf Aktenaus der NS-Zeit.Foto:Udo Milbret
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Was wir bereits wissen
Enkel Karl-Heinz schrieb die bewegte Geschichte von Karl Friedrich Lahrmann auf. Der Rheinhauser Bergmann und Betriebsrat auf Zeche Diergardt-Mevissen war Gewerkschafter und Kommunist im Widerstand

Duisburg-Rheinhausen..  Karl-Heinz Lahrmann (67), früher Bürger Rheinhausens, schreibt Geschichte, die Geschichte seines Großvaters Karl Friedrich Lahrmann, eine Geschichte die von Mut, Zivilcourage, Kraft, auch von Leiden und Durchhalten erzählt. Denn der Bergmann Karl Friedrich Lahrmann, 1894 in Osnabrück geboren, 1956 in Moers verstorben, kämpfte im Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

Großvater Karl Friedrich wuchs in einer Bergarbeiterfamilie im heutigen Moers-Meerbeck auf. Nach acht Jahren Volksschule in Homberg-Hochheide, arbeitete er auf der Zeche Rheinpreußen in Meerbeck, ab 1925 auf der Rheinhauser Zeche Diergardt-Mevissen, als Kohlenschlepper und Hauer. 1920 trat „Fritz“ Lahrmann in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein, im Vordergrund stand aber zeitlebens stets die Arbeit als Gewerkschafter und Betriebsrat. Lahrmann wurde Mitglied im kommunistischen Einheitsverband der Bergarbeiter Deutschlands, stieg zum Leiter im Kreisverband Moers sowie zum Propagandaleiter auf. Im September 1931 kündigte die Zeche Diergardt-Mevissen Lahrmann, der Betriebsrat hatte zum Streik aufgerufen. Es folgten die bittersten Jahre in seinem Leben. Er blieb bis November 1941 arbeitslos. Die Familie, Lahrmanns Frau und die beiden Söhne, war nach Rheinhausen-Hochemmerich gezogen und lebte dort lange in ärmlichen Verhältnissen, wie im Barackenlager auf dem heutigen Glückauf-Platz.

Als die Nazis nach der „Machtergreifung“ 1933 die freien Gewerkschaften, KPD und SPD zerschlugen, tauchte Lahrmann im Kreis Moers wochenlang unter. Später wurde der Kommunist festgenommen, ins Hamborner Gefängnis gebracht, ins Konzentrationslager Papenburg verschleppt .

Nach dem Krieg wieder Betriebsrat auf der Zeche in Rheinhausen

Nachdem er eine Verpflichtungserklärung unterschrieb, wurde Lahrmann aus der Haft entlassen. Zurück in der Heimat wurde Lahrmann 1934 in Meerbeck für die Untergrundarbeit der neu gegründeten KPD in Rheinhausen geworben. Dort gründete er kommunistische Zellen, vor allem in Hochemmerich und Friemersheim. Die etwa 30 Mitglieder verteilten im Untergrund Kampfblätter und Zeitschriften. Mehrmals gab es Hausdurchsuchungen bei Familie Lahrmann. 1935 wurde Lahrmann mit rund 80 weiteren KP-Mitgliedern im Kreis Moers verhaftet. Der Rheinhauser Bergmann kam ins Zuchthaus in Essen, wurde schwer gefoltert und verletzt. 1936 verurteilte das OLG Hamm 73 der 80 KP--Mitglieder im Kreis Moers zu Zuchthausstrafen, Lahrmann erhielt sechseinhalb Jahre Haft und fünf Jahre Ehrverlust. Inhaftiert in Zuchthäusern im Rheinland musste er Zwangsarbeit leisten, litt unter „Arbeit bis zum Umfallen“. Nach der Entlassung 1941 überlebte er die Nazi-Diktatur, arbeitete wieder als Bergmann auf Diergardt-Mevissen. Nach dem Krieg wurde er dort Vorsitzender des Betriebsrats, Mitglied im Gesamtbetriebsrat und im Aufsichtsrat der Steinkohlen-Bergwerke Stinnes. Doch der frühere Kommunist hatte sich zum Sozialdemokraten gewandelt, trat der SPD bei. Sein Enkel sagt: „Mein Großvater war immer ein Arbeiterführer, immer an der vordersten Linie.“ Er blieb es bis zu seinem Tod 1956.

Geschichte für Kinder und Enkelkinder aufgeschrieben

Lahrmanns Enkel Karl-Heinz, Maschinenbau-Ingenieur im Ruhestand, hat recherchiert, viele Akten studiert und Landesarchive besucht, um die Geschichte seines Großvaters aufzuarbeiten. „Ich habe seine Geschichte vor allem zur Erinnerung für meine beiden Töchter und meine Enkelkinder aufgeschrieben.“

Anlass war die Gedenkfeier für den Rheinhauser Bergmann Johann Esser, der im KZ Esterwege den Text für das Widerstandslied von den „Moorsoldaten“ schrieb, auf dem Trompeter Friedhof im März 2014.