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Wie ein Kampf gegen Windmühlen

17.10.2012 | 17:59 Uhr
Wie ein Kampf gegen Windmühlen

Duisburg  Jetzt ist die beste Zeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Ärzte raten dazu, aber bisher mit nur mäßigem Erfolg. Die Krankheit wird unterschätzt

Schniefen, Husten, Röcheln, der Herbst ist unverkennbar im Duisburger Westen angekommen. An das eine oder andere Zipperlein und die tropfende Nase haben wir uns ja mit den Jahren gewöhnt. Ärzte empfehlen, sich von September bis November gegen Grippe impfen zu lassen. Aber die meisten Menschen kümmert das nicht, sie wollen der nächsten Grippewelle ohne besonderen Schutz trotzen. Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen bislang wenig Wirkung, dabei wird die Influenza unterschätzt.

Lebensbedrohliche Krankheit

„Eine echte Grippe ist nicht der normale grippale Effekt, den wir alle drei Mal pro Winter bekommen“, sagt Dr. Hubert van den Boom, Facharzt für Innere Medizin, der in Rheinhausen praktiziert. „Eine Virusgrippe ist viel, viel schlimmer, die haut einen um und man ist schwerstkrank.“ Lebensgefährlich sei sie außerdem, man kann an einer Begleiterscheinung, der Lungenentzündung, sterben. Das Gefahr, sich anzustecken, sei zwar relativ gering, doch die Risikogruppe dafür umso größer: Dazu gehören alle, die älter als 60 Jahre sind, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie altersunabhängig Menschen, die etwa an Asthma oder Bronchitis leiden, Beschwerden mit Herz, Kreislauf, Nieren oder Leber haben, einen Immundefekt besitzen, HIV-Infizierte und Zuckerkranke. Außerdem ist auch für Schwangere und medizinisches Personal die Impfung ausdrücklich empfohlen.

Doch auch diejenigen ohne besondere Gefährdung sollten nach Ansicht des Arztes nicht untätig bleiben. „Es gibt keine Entschuldigung, sich nicht impfen zu lassen.“ Angst brauche man dabei übrigens nicht zu haben, findet van den Boom. „Das ist nur ein kleiner Pieks in den Oberarm, das dauert nur zwei Minuten.“ Der Arztbesuch sei nach etwa 15 Minuten erledigt und nach zwei Wochen Wartezeit sei man dann entsprechend geschützt. Selbst für Allergiker gebe es heutzutage Mittel und Wege. Es brauche auch keine Odyssee zum weitentfernten Medizin-Experten, jeder Hausarzt impft.

Angebliche Gründe, warum viele nicht zur Impfung kommen, entspringen laut van den Boom oft Unwissenheit und hartnäckigen Gerüchten. Wer bislang nur einfache Erkältungen – im Volksmund meist als Grippe bezeichnet – kennt, die man mit Ruhe und einigen Medikamenten kurieren kann, mache sich keine Vorstellung von einer Virusgrippe. Sofern man sie überlebe, liege man rund zwei Wochen lang flach. Man werde damit zudem längst nicht so schnell fertig wie mit einem gewöhnlichen Schnupfen.

Jedes Jahr zum Hausarzt

„Manche Patienten behaupten, sie seien nach einer Grippeimpfung erst so richtig krank geworden. Das ist aber Quatsch.“ Denn anders als etwa bei Gelbfieber wird kein abgeschwächter Krankheitserreger injiziert, der eine Immunreaktion hervorrufen soll. Daher löse der Pieks in den Arm schlichtweg keine Grippe aus. Die Influenza-Aufklärungsarbeit hat also Züge von Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen. Auch deshalb, weil eine Impfung immer nur bis zur nächsten Grippewelle im Winter oder Frühjahr hilft. Denn das Virus mutiert ständig, wodurch der Schutz unwirksam wird und alljährlich aktualisiert werden muss.

Von Oliver Kühn

Kommentare
17.10.2012
23:57
Wie ein Kampf gegen Windmühlen
von Juelicher | #1

Möchte die WAZ diese penetrante Propaganda-Arbeit alle paar Tage für die Impflobby der Pharmakonzerne nicht endlich mal bleiben lassen? Ist Ihren...
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2012-10-17 17:59
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