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Wenn der Chef Stühle trägt...

10.11.2012 | 10:00 Uhr
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Duisburg-Rheinhausen  ... feiert die Klinik II das zehnjährige Bestehen mit einer Vortragsreihe für Patienten

„Der Patient ist jetzt 83!“ Auf den aktuellen Stand brachte ein Zuhörer den Vortrag über die Endoprothetik auf den aktuellen Stand und den Chefarzt der Klinik II am Johanniter Krankenhaus Rheinhausen, Dr. Friedrich Rumstadt, für wenige Sekunden aus dem Konzept. Zehn Jahre ist Klinik für Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie jetzt alt. Statt einer Feier gab es eine Patientenfortbildung. Und die Organisatoren hatten mit drei Vorträgen „schweres Geschütz“ aufgefahren. Herstellerfirmen von künstlichen Gelenken sowie die Rheinhauser Physiotherapie Schnorbus informierten an Ständen über ihre Angebote. Und nach drei Stunden standen die Referenten noch geduldig für Vier-Augen-Gespräche zur Verfügung.

Während ansonsten bei diesen Patientenvorträgen über ein Spezialthema zum Beispiel Knie oder Rücken informiert wird, ging es dieses Mal in die Tiefe der drei Bereiche Unfallchirurgie, Arthroskopie sowie Endoprothetik. Das Interesse war enorm. Fasst der Ohletz-Saal üblicherweise 120 Sitzplätze, wurde es an dem Abend eng. Da trug der Chef dann schon mal selbst Stühle, damit kein Gast stehen musste. Die Rheinhauser scheinen ihr Krankenhaus zu lieben, besuchen inzwischen viele Stammgäste die Vortragsreihen zu medizinischen Spezialgebieten.

Spezialklinik für Knieersatz

Nicht ohne Stolz verwies Dr. Rumstadt in seiner Begrüßung darauf, dass basierend auf neueren Erhebungen die Klinik II inzwischen zu den Spezialkliniken für Knieersatz gehört. Dass die Spezialgebiete allerdings wesentlich facettenreicher sind, zeigten die anschließenden Vorträge, die unterstützt durch Fotos oder Videoaufnahmen beinahe die Qualität eines medizinischen Symposiums hatten.

Auf den Punkt brachte Oberarzt Dr. Martin Fischer die Aufgabe der Unfallchirurgie: „Sie ist ein bisschen Reparaturwerkstatt.“ Er beschränkte sich auf das Thema Knochenbrüche, entstanden etwa als Verletzungsfolge oder bei Tumoren und nicht zwangsläufig operiert werden müssen. Sind die Brüche nicht oder kaum verschoben, lassen sie sich durch Ruhigstellung und Krankengymnastik heilen. Zu sehen gab es für die Besucher einiges: zum Beispiel Verletzungen und Behandlungen an Schulter, Ober- wie Unterarm, Schlüsselbein, Wirbelsäule, Sprunggelenk oder Fersenbein. Beruhigend zu wissen, dass der medizinische Fortschritt heute eine Versorgung von über 80-Jährigen erlaubt, damit sie nicht mehr bettlägerig werden oder auf den Rollstuhl angewiesen sind. Beruhigend auch zu wissen, dass ein Foto aus dem Jahr 1917 mit Patienten in Streckbetten längst Geschichte ist und allenfalls Heiterkeit hervorruft.

Gar nicht mehr so heiter dürften dagegen die starren und bewegten Bilder auf den einen oder anderen Zuhörer gewirkt haben, die Oberarzt Dr. Andreas Lutens zur Veranschaulichung seiner Worte zum Thema Gelenkspiegelungen einspielte. Manch einer schien sich an einen erlebten Eingriff zu erinnern oder dachte offenbar an einen bevorstehenden, weckte doch bei Vereinzelten der Fußboden des Saales bei Vereinzelten plötzlich kurzzeitiges Interesse.

„Noch nicht der ganz große Wurf“

Die Arthroskopie erlaubt die Durchleuchtung der Knie-, Schulter-, Hüft,- Sprung- und Ellenbogengelenke und gleichzeitig deren Behandlung, wenn etwa ein Verschleiß festgestellt wurde. Auch Knorpel-Transplantationen sind möglich, gleichwohl Dr. Lutens einräumte: „Bei der Knorpelzüchtung wurde noch nicht der ganz große Wurf geschafft.“

Dem weiten Feld der Endoprothetik, eben dem Einsatz von künstlichen Gelenken in Schulter, Knie und Hüfte, widmete sich anschließend sehr umfassend Chefarzt Dr. Rumstadt, angefangen von den Berechnungen und der Skizze am Röntgenbild bis hin zur navigationsunterstützenden Operation. Dr. Rumstadt betonte, dass sich die Klinik II jener Kunstgelenke bedient, die seit mindestens zehn Jahren auf dem Markt sind und sich bewährt haben. Kurzfilme von genesenden Patienten untermauerten die Erfolge - so auch bei einem recht forsch über den Krankenhausflur gehenden Herrn. 81 Jahre war er damals und inzwischen 83...

Von Petra Schmidt

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